
Schnelles Handeln rettet Kollegen vor der Müllpresse
Ein Müllwerker der Firma Loacker Recycling in Lindau gerät bei der Arbeit in die Presswanne eines Müllsammelfahrzeugs. Sein Kollege reagiert sofort.

Als ein Mitarbeiter des MediaMarkts in Ulm bei einem Messerangriff lebensgefährlich verletzt wird, handeln seine Kolleginnen und Kollegen ohne zu zögern. Ihr mutiger Einsatz rettet ihm das Leben. Vier Monate später kehrt Samuel zurück an seinen Arbeitsplatz – und die BGHW würdigt die außergewöhnliche Hilfeleistung.

Da ist er wieder, mitten unter seinen Kollegen im MediaMarkt in der Blaubeurer Straße in Ulm. Im Gesicht ein paar feine, kaum sichtbare Narben. Von außen ist Samuel nicht anzusehen, was der junge Mitarbeiter erst vor wenigen Monaten durchgemacht hat. Im Januar 2026 arbeitete er im Verkaufsraum des MediaMarktes an einem frei zugänglichen Tresen am Computer. Es war Mittagszeit, normaler Kundenbetrieb. Plötzlich näherte sich ihm von hinten ein Mann und stach ohne Vorwarnung mit einem Messer auf ihn ein. Der Mitarbeiter erlitt lebensgefährliche Verletzungen und brach zusammen. Seine Kollegin Claudia Bosch, sein Kollege Alexander Kruse und Deniz Sefer handelten sofort. Gemeinsam gingen sie trotz der massiven Gefahr für das eigene Lebens dazwischen, um den Täter mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln vom am Boden Liegenden abzubringen. Durch ihren Einsatz gelang es, den Täter daran zu hindern, ihren Kollegen weiter durch Messerstiche zu verletzen. Sie retteten ihm dadurch das Leben. Der Täter verließ das Gebäude, wurde aber kurze Zeit später von der Polizei gestellt.
Deniz Sefer wurde bei dem Angriff ebenfalls leicht verletzt. Alexander Kruse, Claudia Bosch und weitere Ersthelfer, die Mitarbeitenden Kathrin Taggeselle, Mihai Christian Vilceanu, Lazarus Dallas und David Hesse, kümmerten sich um den schwerstverletzten Kollegen und die leicht verletzten Personen, bis der Rettungsdienst eintraf. Der Markt wurde von den anwesenden Beschäftigten umgehend mit Tüchern, Jacken und weiteren Gegenständen abgeschirmt, um die Verletzten vor neugierigen Blicken und Pressefotografen zu schützen, die fast zeitgleich mit der Rettung eingetroffen.
Heute, vier Monate später hat der MediaMarkt in Ulm etwas zu feiern. Samuel ist wieder da. Es ist sein zweiter Tag in der Wiedereingliederung. Die BGHW ist vor Ort, um ihn zu begrüßen und die Mitarbeitenden für ihre außerordentlich Erste-Hilfe-Leistung mit einer Urkunde auszuzeichnen. „Das ist nicht selbstverständlich, dass wir nach geleisteter Erster Hilfe Urkunden verteilen“, sagt Raphael Ries, Aufsichtsperson der BGHW zu den Anwesenden. „Sie haben als Team Großartiges geleistet. Und wenn Sie das nicht getan hätten, wären wir heute nicht alle zusammen hier. Es ist so schön, dass Sie da sind, Samuel. Ich bin sehr froh, vor dieser Gruppe zu stehen, Ihnen zu danken und Ihnen eine Urkunde für Ihren vorbildlichen Einsatz zu überreichen.“
Alle sind erleichtert, dass sie ihren Kollegen wieder in die Arme schließen können. Und das tun sie auch bei jeder Gelegenheit, wie um sich zu vergewissern, dass er wirklich da ist. Geschäftsführerin Gabriele Backhaus: „Zwei Wochen lang haben wir um sein Leben gebangt und können von Glück reden, dass er heute wieder bei uns arbeitet. Darüber sind wir alle sehr, sehr glücklich.“ Im Rückblick hätte es nach dem furchtbaren Ereignis vor vier Monaten nicht besser laufen können: Der Einsatz der Ersthelfer und Ersthelferinnen im Haus, die Polizei, die sofort da war, „aber auch die Unterstützung von der Berufsgenossenschaft, die uns sofort zur Seite stand“. Raphael Ries hebt die gute Zusammenarbeit mit der Gewerbeaufsicht nach dem Angriff hervor: „Für mich war es selbstverständlich, dass ich die Kollegen von der Gewerbeaufsicht unmittelbar nach dem Anruf vom MediaMarkt anrufe. Wir bei der BGHW haben uns um psychologische Hilfe gekümmert, die Gewerbeaufsicht über das Regierungspräsidium ebenfalls, sodass wir dem MediaMarkt in dieser Situation gemeinsam bestmöglich helfen konnten.“
Nach dem schlimmen Ereignis wurde das Geschäft für einen Tag geschlossen. Auch wenn die Geschäftsleitung den Mitarbeitenden freigestellt hatte, so lange zu Hause zu bleiben, wie sie es für nötig halten, waren am folgenden Tag alle wieder da. „Es war ein sehr komisches Gefühl, gepaart mit der Angst, wieder ins normale Leben zurückzukommen. Am nächsten Tag sofort weiterzumachen, war das Beste, was ich machen konnte“, erinnert sich Lebensretterin Claudia Bosch. Der Zusammenhalt bei der Arbeit, mit den Kollegen darüber zu reden, das habe einfach nur gutgetan. Auch die Psychologin habe einen hervorragenden Job gemacht und ihr in den drei geführten Gesprächen sehr geholfen. Deniz Sefer pflichtet ihr bei: „Sie hatte viele wertvolle Tipps für mich.“ Auch er war am nächsten Tag wieder bei der Arbeit. Im Gegensatz zu seinen Kolleginnen und Kollegen hat Samuel keine konkreten Erinnerungen an den Angriff. Bei der Wiedereingliederung hatte Gabriele Backhaus den 25-Jährigen gefragt, wo er arbeiten möchte. Seine Antwort: „Wieder in der Verkaufsfläche. Schließlich möchte ich das Vertrauen in die Menschheit nicht verlieren.“
(Beim Fototermin nicht dabei: Alexander Kruse und Kathrin Taggeselle)
Wenn jemand aus den BGHW-Mitgliedsunternehmen Erste Hilfe geleistet hat oder sich durch besondere Verdienste bei der Rettung von Personen aus einer Gefahr hervorgetan hat, ist das der BGHW eine Belohnung wert. Melden Sie sich mit Ihrer außergewöhnlichen Rettungsgeschichte bei der zuständigen Aufsichtsperson oder bei Ihrem Präventionsberater oder Ihrer Präventionsberaterin. Nach positiver Prüfung des Falls erhält der Retter oder die Retterin eine Urkunde sowie eine Geldprämie.
Kontakt: Bei Fragen zum Thema können Sie sich gerne an Claudia Faber, Referentin Anreizsysteme, wenden.


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