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Ein Müllwerker der Firma Loacker Recycling in Lindau gerät im März 2026 bei der Arbeit in die Presswanne eines Müllsammelfahrzeugs. Sein Kollege Harald Kleinbub reagiert sofort, stoppt die Presse und rettet ihm so das Leben. Für diese Leistung wurde er von der BGHW ausgezeichnet.
„Irgendetwas stimmt hier nicht.“ Harald Kleinbub hat ein ungutes Gefühl, als er seinen Kollegen Michael Manhart nicht mehr auf der Rückfahrkamera sehen kann. Er drückt geistesgegenwärtig den Not-Halt-Schalter und stoppt so die Schüttvorrichtung des Müllfahrzeugs. Wie sich herausstellt, keine Sekunde zu früh.
Bis dahin war es ein ganz normaler Arbeitstag, Manhart fährt mit Kleinbub die Restmüll-Route: Tonnen ans Fahrzeug rollen, einhängen, entleeren, zurückstellen. Routine eben. Die Fahrzeuge von Loacker Recycling verfügen über zwei unabhängig voneinander arbeitende Hub-Kippeinheiten, so dass zwei Tonnen nebeneinander geleert werden können.
Als Manhart eine Tonne von der Schüttung nehmen will, kommt es zum Unfall: Er betätigt mit dem Bein versehentlich die Schaltklappe der freien Schüttvorrichtung. Die fährt nach oben, verhakt sich an seiner Jacke, reißt ihn mit und schleudert ihn kopfüber in die Presswanne.
Zum Glück reagiert Kleinbub in Sekundenbruchteilen, der laufende Pressvorgang kommt zum Stillstand. Damit verhindert der erfahrene Lkw-Fahrer, dass sein Kollege zerquetscht wird. Die Presse befand sich gerade auf dem Weg nach oben, Manhart hat so die entscheidenden Sekunden, um selbstständig aus der Presswanne zu klettern. Dabei verliert er das Gleichgewicht, er stürzt auf die Straße und erleidet Prellungen an Schulter und Rücken. Kleinbub setzt mit einem Notruf die Rettungskette in Gang und kümmert sich um seinen Kollegen, der bereits kurze Zeit später mit dem Hubschrauber ins Krankenhaus geflogen werden kann.
Müllsammelfahrzeuge sind Maschinen mit klar definierten Gefahrenbereichen. Bei dem betroffenen Fahrzeug markieren seitliche Blenden den Bereich der Schüttungen. Während des Arbeitsvorgangs dürfen sich Beschäftigte dort nicht aufhalten. Sie erhalten eine entsprechende Sicherheitsunterweisung und eine Einweisung an dem Fahrzeug, an dem sie eingesetzt werden. In der Regel also eine sichere Sache. „Oft genug kommt es in solchen Situationen trotzdem zu teils tödlichen Unfällen“, berichtet Robert Wagner, zuständige Aufsichtsperson bei der Prävention der BGHW. Eine detaillierte Ursachenforschung ist also gefragt. „Wir haben die Unfallmeldung im April erhalten und dann direkt mit dem Unternehmen zusammen begonnen, die Ursache sowie mögliche Mängel zu finden und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen.“
Die sachliche Analyse des Geschehens hilft zudem, vorschnelle Schlüsse über das Unfallgeschehen zu vermeiden oder wie in diesem Fall zu entkräften. „In den Zeitungen und sozialen Medien gab es die wildesten Spekulationen, wie es zum Unfall gekommen ist“, sagt Markus Pranke, Geschäftsführer bei Loacker Recycling. Letztlich hat die Bewertung des genauen Unfallhergangs dafür gesorgt, dass entsprechende Maßnahmen ergriffen wurden. „Wir haben dafür gesorgt, dass ein solcher Unfall nicht noch einmal vorkommen kann.“
Der Unfall hat den Blick des Unternehmens auf den Arbeitsschutz nachhaltig verändert. „Ich hätte nicht gedacht, dass so etwas passieren kann“, sagt Pranke. „Aber der Unfall zeigt uns, dass auch nach vielen Jahren mit demselben Auftrag Sicherheit nicht zur Selbstverständlichkeit werden darf.“ Unternehmen müssten sich kontinuierlich informieren und bestehende Schutzmaßnahmen überprüfen.
Nach dem Unfall ließ Pranke konsequent die Schüttungen von sechs Fahrzeugen technisch nachrüsten. Ein zweiter Sensor beziehungsweise Regelschalter sorgt dafür, dass sich die Vorrichtung nur noch mithilfe einer vollen Mülltonne aktivieren lässt. Die Kosten für die Nachrüstung belaufen sich pro Fahrzeug auf 2.000 Euro, neue Fahrzeuge werden bereits entsprechend bestellt. Das Unternehmen reichte die Lösung für einen Arbeitsschutzpreis ein. „Allerdings nur als Anwender“, so Pranke mit einem Schmunzeln.
Darüber hinaus setzt Loacker Recycling bei den neueren Müllfahrzeugen auf Modelle, die neben einer verbesserten Rundumsicht einen tieferen Ausstieg bieten. So kann der Fahrer das Fahrzeug leichter – und körperschonender – verlassen und seine Kollegen beim Einsammeln der Tonnen besser unterstützen.
Am 29. September besuchte Robert Wagner das Recyclingunternehmen und überreichte die Urkunde an Harald Kleinbub: „Diese Auszeichnung haben Sie sich durch Ihre vorbildliche Reaktion verdient. Der Unfall zeigt wieder einmal, wie entscheidend Aufmerksamkeit und schnelles Handeln in einer Gefahrensituation sein können. Sie haben Ihrem Kollegen das Leben gerettet.“ Kleinbub freute sich über die Anerkennung. „Das Ganze ging so unheimlich schnell“, erinnert er sich. Manchmal habe er die Bilder wieder vor Augen, auch wenn er schnell zur Normalität zurückkehrte. Konsequenz für ihn: „Ich bin vorsichtiger geworden und habe mir zum Beispiel für die bessere Kommunikation ein anderes Headset gekauft.“ Die anfängliche Suche nach eigenen Fehlern hat er hinter sich gelassen. Dazu trägt auch bei, dass sein Kollege Manhart mittlerweile wieder genesen und im Einsatz ist. Auf seinen eigenen Wunsch hin mit Kleinbub, seinem „Lebensretter“.
Wenn jemand aus den BGHW-Mitgliedsunternehmen Erste Hilfe geleistet hat oder sich durch besondere Verdienste bei der Rettung von Personen aus einer Gefahr hervorgetan hat, ist das der BGHW eine Belohnung wert. Melden Sie sich mit Ihrer außergewöhnlichen Rettungsgeschichte bei der zuständigen Aufsichtsperson oder bei Ihrem Präventionsberater oder Ihrer Präventionsberaterin. Nach positiver Prüfung des Falls erhält der Retter oder die Retterin eine Urkunde sowie eine Geldprämie.
Kontakt: Bei Fragen zum Thema können Sie sich gerne an Claudia Faber, Referentin Anreizsysteme, wenden.

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