
Gehirnerschütterung - häufig unterschätzt
Gehirnerschütterungen werden häufig unterschätzt, sagt Neurologe Prof. Dr. Kai Wohlfarth, Chefarzt am BG Klinikum Bergmannstrost Halle, im Interview mit der BGHW.

Durch einen Sturz aus vier Metern Höhe wurde der Magdeburger Udo Westerwick lebensgefährlich verletzt. Nach einem schweren Schädel-Hirn-Trauma war lange ungewiss, ob er je wieder als Schweißer arbeiten kann. Dank seiner außergewöhnlichen Willenskraft und der Unterstützung der Familie, seines Arbeitgebers und der BGHW ist er wieder zurück.
„In meinem Kopf ist einiges kaputtgegangen. Daher musste ich einen Weg finden, damit umzugehen. Jetzt bin ich froh, wieder hier zu sein“, sagt Udo Westerwick über seine Rückkehr ins Team im Jahr 2026. Inzwischen arbeitet er wieder in Vollzeit als Fachkraft für Schweißtechnik. Im Gespräch mit Teamkoordinator Michael Weigel und BGHW-Reha-Beraterin Susanne Degen, die ihn seit dem Unfall begleitet, blickt Westerwick auf Höhen und Tiefen der vergangenen zwei Jahre zurück.
„Das Wichtigste habe ich geschafft“, stellt der 56-Jährige fest. „Ich bin jetzt mobil, kann wieder arbeiten – und helfen. Udo Westerwick erinnert sich nur noch dunkel daran, dass ihm am 18. Juni 2024 während der Montage einer Rohrleitung in einem Betrieb in Gifhorn ein herabfallendes Rohrpress-Werkzeug am Kopf traf. Durch die Wucht stürzte er aus vier Metern Höhe von einer Leiter, schlug mit dem Kopf auf dem Boden auf. Mit lebensgefährlichen Verletzungen wurde er per Rettungshubschrauber ins Städtische Klinikum Braunschweig zur Erstversorgung gebracht. Die Diagnose: schweres Schädelhirntrauma, Schädelbasisfraktur, Hirnblutungen, Frakturen im Gesicht und am sechsten Halswirbel. Nachdem sich Westerwicks Gesundheitszustand stabilisiert hatte, wurde er zur Rehabilitation ins Neurologische Zentrum Magdeburg (NRZ) verlegt.
„Als ich Herrn Westerwick sechs Wochen nach dem Unfall im NRZ besuchte, saß er in einem Rollstuhl. An den Händen trug er Fausthandschuhe“, schildert BGHW-Reha-Beraterin Susanne Degen die erste Gesprächssituation mit dem Versicherten. Udo Westerwick zeigt sich immer noch fassungslos über diese Situation. Heute kann er darüber schmunzeln. „Ich war desorientiert, hatte vor, den Rollstuhl auseinanderzuschrauben, weil ich unbedingt wieder arbeiten wollte“, erzählt er. Als er einige Zeit später weder Rollstuhl noch Rollator brauchte, habe er einmal auf eigene Faust die Klinik verlassen, weil er endlich zurückwollte, erzählt er und lacht: „Aber ich bin nicht weit gekommen.“
Auch der Reha-Beraterin vermittelt der Vater eines erwachsenen Sohnes überzeugend, dass er schnell wieder arbeiten möchte. „Herr Westerwick hatte von Anfang an ein klares Ziel vor Augen, und darauf hat er konsequent hingearbeitet“, betont sie. „Seine Entschlossenheit wurde auch während der Reha in den Therapien des NRZ deutlich“, so Susanne Degen. Schritt für Schritt erlangte er seine motorischen und kognitiven Fähigkeiten zurück und wurde immer selbstständiger. „Wegen seiner guten Fortschritte konnte er die Reha ab Oktober 2025 in der Tagesklinik des NRZ fortsetzen“, so die Reha-Beraterin.
„Ich war froh, zwischendurch wieder zu Hause zu sein. Ich habe auch dort viel geübt. Es war mir wichtig, mobil und selbstständig zu werden“, erzählt Udo Westerwick. Sein Sohn und seine Lebensgefährtin unterstützten ihn, stehen ihm bis heute eng zur Seite.

Mit großem Elan meisterte Udo Westerwick auch die folgende berufliche Rehabilitation, so dass Susanne Degen und Michael Weigel Ende 2025 konkret seine mögliche Rückkehr ins Unternehmen besprachen. „Die Unterstützung durch Herrn Weigel war enorm“, erklärt die Reha-Beraterin.
Für seinen Vorgesetzten war das selbstverständlich. „Wir arbeiten fast 25 Jahre zusammen. Man kennt sich mit seinen Stärken und Schwächen“, so Weigel. Da hilft man sich gegenseitig. Und wir brauchen ihn hier“, gibt er unmissverständlich zu verstehen. „Der Unfall hatte keinen Einfluss auf sein Können als Schweißer. Nur manchmal mussten wir seine Beharrlichkeit und seinen Eifer bremsen“, betont Weigel, der heute die Administration bei Atlas Copco am Standort Magdeburg leitet.
„In der ersten Zeit holte Herr Weigel seinen Mitarbeiter zu Hause ab und fuhr ihn nach der Arbeit nach Hause – das ist nicht selbstverständlich“, ergänzt die Reha-Beraterin.
Heute fährt Udo Westerwick wieder selbst mit dem Auto zur Arbeit. Zur Sicherheit initiierte er mit Unterstützung der BGHW eine Fahrtauglichkeitsüberprüfung mit einem Fahrlehrer an seiner Seite. „Es war mir lieber, dass einer auf die Bremse treten kann, falls ich es nicht tue“, erzählt er. Auf seine Fachlichkeit ließ er mithilfe der BGHW in einer Qualifikation in Schweißtechnik prüfen. Sie wurde uneingeschränkt bestätigt.
Zwar arbeitet der BGHW-Versicherte nicht mehr auf Montage oder in großen Höhen: „Seine fachliche Kompetenz ist genauso großartig wie vorher“, sagt sein Vorgesetzter.
Udo Westerwick ist einfach froh, wieder arbeiten zu können und Teil des Teams zu sein. „Ich habe das Gefühl, gebraucht zu werden und gerne gesehen zu sein. Das tut mir gut. Früher war vieles selbstverständlich. Heute weiß ich, dass nichts mehr selbstverständlich ist.“
Aus Sicht der Reha-Beraterin Susanne Degen zeigt das Beispiel von Udo Westerwick, wie wichtig der Wille des Versicherten und das Engagement der Führungskraft für eine erfolgreiche Rückkehr in den Beruf sind. „Wenn der oder die Versicherte nicht mitmacht, ist es schwer“, sagt sie.

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