
Einsatz für die Sicherheit
Wie erleben zwei neue Sicherheitsbeauftragte ihre Rolle im Betrieb? Ein Besuch bei Tessa Erzgräber und Michael Schneider von der Zufall Logistics Group in Fulda.

Der ehemalige Verkehrspolizist Dieter Schäfer zeigt beim jährlichen Kraftfahrerfrühstück im Rewe-Zentrallager Rosbach vor der Höhe, wie schnell Unaufmerksamkeit und Sekundenschlaf tödlich enden können. Den meisten Eindruck macht dabei eine zerstörte Fahrerkabine.
Die roten Blechteile sind nach außen gedrückt, die Frontscheibe ist gesplittert, die Fahrerkabine kaum wiederzuerkennen. Vor der Lkw-Werkstatt des Rewe-Zentrallagers in Rosbach steht unter einem weißen Anhängerzelt eine zerstörte Lkw-Kabine. Darin starb am 13. Juli 2021 ein 43-jähriger Fahrer. Er hinterließ eine Frau und zwei Kinder. An diesem Samstagvormittag beim jährlichen Kraftfahrerfrühstück ist die Kabine Gesprächsthema Nummer eins unter den 50 Rewe-Berufsfahrern.
Dieter Schäfer kennt die Wirkung des Exponats. Der ehemalige Polizeibeamte und langjährige Leiter der Mannheimer Verkehrsdirektion hat die Initiative „Hellwach mit 80 km/h“ gegründet, um Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer vor den Gefahren am Stauende sowie von Unaufmerksamkeit und Sekundenschlaf zu warnen. Mithilfe der zerstörten Kabine schafft er das. „Ich will schockieren und die Gefahren deutlich machen. Die Emotionen, die dabei entstehen, sind für mich der beste Überbringer meiner Botschaften. Nur so kann ich das Verhalten im Straßenverkehr positiv verändern“, erzählt Schäfer. Gemeinsam mit Lkw-Fahrern hat er die „Max-Achtzig-Regeln“ entwickelt. Im Mittelpunkt stehen zehn einfache, aber entscheidende Grundsätze, etwa Pausen einhalten, Ablenkung vermeiden, aufmerksam bleiben und die eigene Müdigkeit ernst nehmen.
Besonders am Stauende kann ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit reichen, um ein Leben zu beenden. „Wenn ihr drei Sekunden nicht aufpasst und mit 90 auf einen stehenden Lastwagen knallt, dann schieben von hinten bei Vollladung 40 Tonnen in eure Kabine. Und das macht tot, das macht einfach tot.“ Schäfers Worte sorgen für Stille unter den aufmerksamen Zuhörern. „Ihr habt es dann geschafft, aber nicht eure Familie, nicht eure Freunde, nicht eure Bekannten.“ Im Schnitt bleiben bei jedem tödlichen Unfall 113 Menschen übrig, die sich das nicht aus den Klamotten schütteln könnten und dann vier bis sechs Wochen krank seien.
Auch Assistenzsysteme könnten die fehlende Aufmerksamkeit am Steuer nicht ersetzen: „Die Dinger sind echt gut, aber sie sind nur so gut wie ihre Anwender.“ Kein tödlicher Unfall passiere wegen zu wenig Abstand, betont Schäfer. Alle tödlichen Unfälle, die er in den letzten acht Jahren untersucht habe, seien mit Anlauf und ohne Bremswirkung passiert. „Bei drei von vier tödlichen Unfällen haben die Fahrer mit dem Handy rumgespielt oder sie guckten Fernsehen, und jeder vierte Tote ist auf einen Sekundenschlaf zurückzuführen.“ Das belegt Schäfer mit weiteren Zahlen: 67 Prozent der Lkw-Fahrer sagten in einer europaweiten Umfrage, sie seien während der Arbeit immer müde, 27 Prozent gaben zu, dass sie innerhalb eines Jahres bis zu dreimal während der Fahrt eingeschlafen sind. „Leute, das muss uns Angst machen“, sagt der ehemalige Polizist.
Schäfers Botschaft kommt an. Heiko Von-Eitt fährt seit dreizehn Jahren für Rewe. Sein erster Eindruck: „Erschreckend, was alles bei einem Auffahrunfall passieren kann. Das ist schon extrem schlimm.“ Bei den nächsten Fahrten werde er noch mehr darauf achten, konzentriert und vorausschauend zu fahren, damit er abends sicher und gesund nach Hause kommt. Für seinen Kollegen René Eichhorn ist die zerstörte Fahrerkabine ein Warnsignal: „Sie hinterlässt bei mir einen bleibenden Eindruck.“ Im Arbeitsalltag erlebe er Ablenkung als eine zentrale Gefahr – auf der Autobahn wie beim Rangieren. Seine persönliche Konsequenz: „Ich versuche, immer bei der Sache zu bleiben und kein Multitasking zu betreiben.“ Daniel Noll ist seit fast zwanzig Jahren als Berufsfahrer unterwegs. Für ihn ist Verantwortung im Beruf extrem wichtig: Vorschriften einhalten, regelmäßig Pause machen, Ruhezeiten beachten und den eigenen körperlichen Zustand ernst nehmen. Das alles unterstützt sein Arbeitgeber Rewe: „Alle Fahrzeuge sind mittlerweile mit Schlafkabinen ausgestattet, auch im Nahverkehr, so dass ich zwischendurch meine 45-minütige Pause zum Beispiel liegend verbringen kann“, erzählt Noll. So könne er dem Sekundenschlaf vorbeugen.
Die zerstörte Fahrerkabine macht es möglich, bundesweit mit Lkw-Fahrerinnen und -Fahrern ins Gespräch zu kommen. „Deswegen unterstützen wir die Präsentation der Kabine“, erklärt Michael Pfrang aus dem BGHW-Referat Verkehrssicherheit und Transport. „So sehen die Beschäftigten, wie schlimm ein Unfall ausgehen kann.“ Das Exponat mache sichtbar, was in einer theoretischen Unterweisung abstrakt bleibe: die Folgen eines „Augenblickversagens“ – etwa durch ein Smartphone oder ein Telefonat. Unternehmen könnten aber auch mit regelmäßigen Unterweisungen, Sicherheitsgesprächen und praktischen Trainings immer wieder an die Risiken erinnern. Oder während des jährlichen Kraftfahrerfrühstücks. „Die BGHW präsentiert heute zum ersten Mal die Fahrerkabine bei uns“, erzählt Dominic Rensch, Transportleiter bei Rewe am Standort Rosbach, „und die Resonanz ist enorm. Wir haben nicht mit so vielen Kolleginnen und Kollegen gerechnet.“ Diese würden regelmäßig geschult und an Regeln, Vorschriften und Verhalten im Straßenverkehr erinnert. Und das sehr erfolgreich. „Im vergangenen Jahr gab es bei uns nur einen schweren Blechschaden, aber keine Verletzten“, betont Rensch. Das freut auch Dieter Schäfer, der seinen Vortrag mit der Botschaft beendet: „Bleibt gesund, bleibt am Leben.“
Viele Unternehmen, die einen eigenen Fuhrpark haben oder ein Logistikstandort sind, haben täglich mit Unfällen auf und außerhalb des Betriebsgeländes zu tun. Die BGHW unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen dabei, ihre Beschäftigten für mehr Verantwortung im Straßenverkehr zu sensibilisieren.
Hier geht's zur Buchung!

Wie erleben zwei neue Sicherheitsbeauftragte ihre Rolle im Betrieb? Ein Besuch bei Tessa Erzgräber und Michael Schneider von der Zufall Logistics Group in Fulda.
Ihnen wird schummrig, wenn Sie von einem Berg hinabschauen? Dann sind das
Alte Lichtplatten und -bänder auf Hallendächern können zur tödlichen Falle
Lithium-Ionen-Batterien (LIB) sind tückisch: Was sollten Unternehmen
Was passiert mit ausgedienten Lithium-Ionen-Batterien, und worauf müssen

Lithium-Ionen-Batterien stecken heute in unzähligen Geräten. Ihr Vorteil: Sie können viel Energie auf kleinem Raum speichern. Diese Dichte kann aber auch zur Gefahr werden.
Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!
E-Mail:
hundertprozent(at)bghw.de