Bild zeigt Mann (von vorne) und Frau (von hinten) bei einem Mitarbeitergespräch. Der Mann guckt freundlich und zeigt der Frau ein Dokument.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Quiet Potentials – Leistung ohne Lautstärke

Extrovertierte, durchsetzungsstarke Persönlichkeiten prägen in vielen Betrieben den Arbeitsalltag. Ruhige und zurückhaltende Mitarbeitende geraten dabei leicht aus dem Blick – ungeachtet ihrer Fähigkeiten. Was Führungskräfte tun können, um die sogenannten Quiet Potentials zu erkennen und zu fördern. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Führungskräfte haben großen Einfluss darauf, ob leise Talente sichtbar werden. Wer ruhige Mitarbeitende gezielt fördert, stärkt Teamqualität, Motivation und nachhaltige Leistung.
  • Verschiedene Kommunikationsmöglichkeiten können helfen, dass alle Mitarbeitenden einbezogen werden – auch die ruhigen. Beispiele: kurze Einzelgespräche oder digitale Feedbackformate.
  • Wer sich als Mitarbeitender ernst genommen und gesehen fühlt, beteiligt sich in der Regel aktiver, denkt mit und bleibt dem Unternehmen eher verbunden.
  • Das Führungspersonal sollte die Beiträge und Leistungen stillerer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor anderen benennen.
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Sichtbarkeit schaffen

„Sie müssen mehr in den Vordergrund treten, damit Ihre Leistung gesehen wird.“ In Personalgesprächen mit ruhigeren Mitarbeitenden fallen gerne mal Sätze wie dieser. Führungskräfte, die Leistung selbst erkennen, sichtbar machen und honorieren, schaffen jedoch ein echtes Win/Win-Szenario. Sie handeln gleichermaßen im Sinne der Mitarbeitenden, der Firmenkultur und der Gesamtleistung des Unternehmens. Wenn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dauerhaft das Gefühl haben, übergangen zu werden, kann das belasten. Gerade ruhige Persönlichkeiten neigen dazu, Frustration nicht offen zu äußern, sondern sie mit sich selbst auszutragen. Auf Dauer wirkt sich das negativ auf Motivation und psychisches Wohlbefinden aus. Umgekehrt fördert ein wertschätzendes, offenes Arbeitsklima das Vertrauen. Wer sich ernst genommen und gesehen fühlt, beteiligt sich in der Regel aktiver, denkt mit und bleibt dem Unternehmen eher verbunden. 

Einbindung aller Mitarbeitenden 

Um die Quiet Potentials zu erkennen, sollte sich das Führungspersonal fragen, wer unabhängig von der bisherigen Sichtbarkeit konstant zuverlässige Arbeit liefert. Vielleicht fällt dabei jemand auf, der oder die bislang übersehen wurde oder zu selten nach Meinungen gefragt wurde. Extrovertierte Kolleginnen und Kollegen äußern ihre Ideen und Gedanken oft spontan, ruhigere Mitarbeitende häufig erst nach einer Phase der Reflexion. Das bedeutet nicht weniger Engagement, sondern einfach nur einen anderen Zugang zur Arbeit. Kurze Einzelgespräche oder digitale Feedbackformate sorgen dafür, dass ihr Input trotzdem nicht verloren geht. Führungskräfte können diese Rückmeldungen dann wiederum in die Gruppe mitnehmen. Sie sollten zudem die Beiträge und Leistungen stillerer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Anderen benennen. Das kann zum Beispiel in Teamrunden, Rundmails oder gegenüber weiteren Führungspersonen erfolgen. Ebenfalls wichtig ist eine Atmosphäre, in der alle das Gefühl haben, Fragen und Zweifel äußern zu können. 

Der perfekte Mix

Wer das Potenzial von ruhigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einschätzen kann, entdeckt vielleicht auch mögliche neue Aufgabenbereiche. Das gilt ebenfalls für potenzielle Beförderungen, bei denen meistens eher die extrovertierteren Kolleginnen und Kollegen in Betracht kommen. Entscheidend ist es, die tatsächlichen Qualifikationen aller Mitarbeitenden zu sehen, sie optimal zu fördern und bestmöglich miteinander zu verbinden. Leistungsstarke Teams entstehen dort, wo unterschiedliche Persönlichkeiten ihre Stärken einbringen können. Führungskräfte können viel dafür tun, dies zu ermöglichen.

Quiet Potentials fördern: Tipps für Führungskräfte

  • Leistung neu bewerten
    Nicht Lautstärke zählt, sondern Qualität, Verlässlichkeit und gute Lösungen.
  • Gesprächsformate variieren
    Einzelgespräche, schriftliches Feedback oder kurze Nachfassrunden zu Meetings einplanen
  • Zeit zum Nachdenken geben
    Ruhige Mitarbeitende liefern besonders starke Beiträge, wenn sie sich vorbereiten können.
  • Leise Hinweise ernst nehmen
    Auch zurückhaltend geäußerte Bedenken oder Beobachtungen aktiv aufgreifen
  • Wertschätzung sichtbar machen
    Stille Leistungen bewusst anerkennen und vor anderen kommunizieren
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