Auf einem Tisch liegt eine in Brand geratene Power Bank.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Brennpunkt Akku

Lithium-Ionen-Batterien erleichtern den Arbeitsalltag, können bei Schäden aber schwere Brände auslösen, die sich nur schwer kontrollieren lassen. Warum sollten Unternehmen das Risiko ernst nehmen? Ein Gespräch mit dem Gefahrstoffexperten der BGHW Dr. Hans-Peter Fröhlich.
 

Das Wichtigste im Überblick

  • Lithium-Ionen-Batterien (LIB) sind sicher – solange sie unbeschädigt sind. Defekte oder Fehlfunktionen können schwere Brände auslösen, die sich wegen chemischer Reaktionen im Inneren nur schwer löschen lassen.
  • Besonders kritisch: „Thermal Runaway“ – beschädigte Akkuzellen können eine Kettenreaktion auslösen, bei der sich der Brand innerhalb weniger Minuten auf den gesamten Akkublock ausbreitet.
  • Unternehmen sollten vorbeugen. Dazu gehören eine sichere Lagerung, die Abstimmung mit Feuerwehr und Versicherung sowie geeignete Brandschutzmaßnahmen – insbesondere dort, wo größere Mengen Akkus gelagert oder gesammelt werden.
  • Unterweisung schafft Sicherheit: Beschäftigte müssen Risiken erkennen, Batterien richtig handhaben und im Ernstfall den Eigenschutz an erste Stelle setzen. Die BGHW unterstützt dabei unter anderem mit einem neuen Baustein zur Gefährdungsbeurteilung für LIB-Sammelstellen.
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Verborgene Energie im Inneren

Porträt von Hans-Peter Fröhlich, BGHW-Experte für Gefahrstoffe
Dr. Hans Peter Fröhlich, Gefahrstoffexperte bei der BGHW

In Deutschland hört man immer wieder von Bränden in Entsorgungsbetrieben oder Müllabfuhrfahrzeugen. Im Harz explodierte kürzlich eine Powerbank in der Hosentasche eines Jugendlichen. In der Nähe von Posen in Polen brannte Anfang des Jahres eine Logistikanlage ab. Und im schottischen Glasgow zerstörte ein Brand in einem E-Zigaretten-Geschäft ein ganzes Gebäude. Brandursache in allen Fällen: Lithium-Ionen-Batterien (LIB).  

Alltagsgegenstand, der unterschätzt wird 

„Brände wie diese sind sehr medienwirksam, dabei sind LIB grundsätzlich sichere Produkte und heute ganz normale Alltagsgegenstände“, sagt Dr. Hans-Peter Fröhlich, Gefahrstoffexperte der BGHW. Das Problem sei das fehlende Bewusstsein bei vielen Nutzerinnen und Nutzern. „Bei LIB handelt es sich um Energiespeicher, die bei Beschädigungen oder Fehlfunktionen erhebliche Gefahren verursachen können“, so Hans-Peter Fröhlich. 

Bei Unkenntnis brandgefährlich 

Was macht LIB so gefährlich? Bei einem klassischen Brand liegen die Voraussetzungen getrennt voneinander vor. Ein Karton oder eine Holzpalette brauchen eine Zündquelle und Sauerstoff aus der Umgebung. Nimmt man den Sauerstoff weg, beispielsweise durch geeignete Löschmaßnahmen, erlischt der Brand. Bei einer LIB sei das anders, erläutert Fröhlich: „Die Voraussetzungen für den Brand befinden sich im System selbst. Wird die Batterie beschädigt, kann ein interner Kurzschluss entstehen. Dieser wirkt als Zündquelle. Gleichzeitig befinden sich im Inneren brennbare Stoffe, etwa Elektrolyte und Lösungsmittel. Außerdem kann es zu chemischen Reaktionen kommen, die den Prozess weiter antreiben.“ Deshalb könne eine Batterie auch nach einer ersten erfolgreichen Brandbekämpfung erneut aufflammen. 

Kettenreaktion innerhalb von Minuten 

Moderne Akkupacks bestehen aus vielen einzelnen LIB-Zellen. Ist eine beschädigt, kann sie thermisch durchgehen (Thermal Runaway). Die einzelne Zelle erhitzt sich stark und setzt Energie frei. Die entstehende Wärme kann die benachbarten Zellen beschädigen. Dadurch geraten auch diese außer Kontrolle, der Prozess setzt sich fort und breitet sich innerhalb des Akkupacks aus (Thermal Propagation).

Austausch mit Feuerwehr und Versicherung

Unternehmen, die regelmäßig größere Mengen LIB lagern oder verarbeiten, sollten sich mit der Feuerwehr austauschen, damit die Einsatzkräfte wissen, welche Materialien sich im Betrieb befinden. Im Handel oder in Baumärkten ist es sinnvoll, die Feuerwehr bei Begehungen auf Batteriesammelstellen hinzuweisen. Auch mit der Sachversicherung sollten Unternehmen abklären, welche Anforderungen an Lagerung, Brandschutz oder Sprinkleranlagen gelten, damit sie im Schadensfall nachweisen können, dass sie alle Schutzmaßnahmen getroffen haben. 

Brand eindämmen

LIB sollten so gelagert werden, dass sie im Schadensfall möglichst nichts anderes entzünden können, zum Beispiel in einem geeigneten Sicherheitsschrank. „Allerdings wird noch diskutiert, welche Anforderungen solche Schränke erfüllen müssen“, gibt Fröhlich zu bedenken. Was er kritisch sieht: Brandbegrenzungsdecken. „Man muss sie über die Batterie legen und sobald diese brennt oder kurz davorsteht, ist es gefährlich, sich ihr überhaupt noch zu nähern“, warnt der Experte. 

Unterweisen und auf Eigenschutz achten  

Beschäftigte müssen wissen, wie Batterien gelagert werden, woran man Auffälligkeiten erkennt, wie man im Notfall reagiert und dass der Eigenschutz immer an erster Stelle steht. Damit Unternehmen im Handel und der Warenlogistik sensibilisiert werden und Gefährdungen richtig bewerten, hat die BGHW die Gefährdungsbeurteilung um den Baustein LIB-Sammelstellen ergänzt. „Wir elektrifizieren zunehmend viele Bereiche unseres Lebens“, sagt BGHW-Experte Fröhlich. „Deshalb nimmt auch der Informations- und Beratungsbedarf kontinuierlich zu. Organisatorische Maßnahmen und ein bewusster Umgang mit den Batterien werden immer wichtiger.“

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