
Lastenräder im Trend: Was Unternehmen beachten sollten
Mehr Lastenräder, mehr Unfälle: Eine BGHW-Analyse zeigt Risiken. Die neue EU-Norm EN 17860 sorgt jetzt für klare Sicherheitsstandards – besonders im Betrieb.

Die BGHW-Pedelec-Roadshow war zu Gast beim Fahrradhersteller Prophete in Moving im ostwestfälischen Rheda-Wiedenbrück. Das Unternehmen spendet zusammen mit seinem Schwesterunternehmen New Cycle der BGHW vier nagelneue Pedelecs und vier E-Scooter, die zukünftig beim Fahrsicherheitstraining zum Einsatz kommen.
Der Morgen ist klar und kühl, die Sonne scheint, ein Hauch von Frühling liegt in der Luft. Zeit, die Fahrräder aus dem Winterschlaf zu holen. Auch bei Prophete in Moving startet die Saison. Der Hersteller von Fahrrädern, E-Bikes und Fahrradzubehör hat Beschäftigte zu einem Fahrsicherheitstraining der BGHW eingeladen. Diese richtet die kostenlosen Trainings aus, damit die Radfahrenden in ihren Mitgliedsbetrieben gesund und sicher ans Ziel kommen. Bei Prophete in Moving am Firmensitz in Rheda-Wiedenbrück ist deshalb heute Trainingstag – mit theoretischem Schulungs- und praktischem Übungsteil.
„Wir wollen vor allem das Gefahrenbewusstsein schärfen“, erklärt Uwe Nestler aus dem BGHW-Trainerteam. „In der Praxis beobachten wir viel Fehleinschätzungen der eigenen Geschwindigkeit oder unzureichenden Abstand.“ Im anfänglichen Theorieteil geht es deshalb um kritische Situationen, klassische Unfallrisiken und das „Lesen“ von Situationen: Schienen, Gullydeckel, sich öffnende Türen, Blickkontakt und Abstand. Dazu gibt es Empfehlungen für den Alltag auf zwei Rädern: „Fahrt nur mit Helm! Tragt reflektierende Kleidung! Und haltet ausreichend Abstand zum Vorausfahrenden! Wenn mein Vordermann ein Problem hat, dann habe ich auch eins.“ Viele Aha‑Momente entstünden durch kleine, einfache Tipps – und durch das Erleben in den praktischen Übungen, so Nestler.
Die Übungen finden auf einem Parcours statt, den Uwe Nestler mit seinen Kollegen auf dem Firmengelände aufgebaut hat: sauber aufgereihte Plastikkegel, Slalomstangen, ein Kippelbrett. Hier werden sich die zehn Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Prophete in Moving gleich ausprobieren. Im Vordergrund steht die Beherrschung des Rades: bei der Gefahrbremsung aus voller Fahrt, beim Slalomfahren oder auch bei Langsamfahrübungen. Ein Teilnehmer rollt mit einem Pedelec über eine schmale Wippe, hält das Gleichgewicht, bremst, und schafft es ohne Absteigen hinüber – der Trainer signalisiert: Daumen oben. Selbstverständlich tragen alle Helm. Das ist Pflicht. Klickpedale und -schuhe bleiben draußen – das erleichtert ein sicheres Absteigen. Die Prophete-Beschäftigten sind mit Eifer dabei und haben Spaß an den Übungen, trotz einiger Wackler und Schlenker. Auch Werner Grosche, Leiter Logistik bei Prophete in Moving und New Cycle sowie Beauftragter für Arbeitsschutz, ist dabei. Er hat das heutige Training initiiert. „Unser Signal ist: Uns ist es das wert, etwas für die Sicherheit zu tun. Und eine Schulung durch Externe hat ein anderes Gewicht, als wenn intern mal eben jemand Tipps gibt“, erzählt Grosche. Das Gelernte können die Beschäftigten sofort auf Arbeitswegen und Dienstfahrten anwenden – und auch im privaten Umfeld.
Das Besondere heute: Parallel zu Theorie und Praxis läuft am Trainingstag in Rheda‑Wiedenbrück eine offizielle Übergabe. Im Rahmen des Events stellt der Fahrradhersteller der BGHW vier Pedelecs und vier E-Scooter zur Verfügung. Diese werden nach dem Training in den BGHW-Transporter verladen und kommen künftig bei anderen Trainings zum Einsatz. „Bei der Anfrage, Räder und E‑Scooter bereitzustellen, haben wir nicht eine Sekunde gezögert“, sagt Grosche. „Auch unser Ziel ist es, Wegeunfälle zu reduzieren und Beschäftigte zu sensibilisieren.“ Ein sichtbares Bekenntnis zur Prävention – und quasi Ehrensache bei einem Fahrradhersteller.
„Wir bieten die Trainings seit 2023 an, weil das Unfallgeschehen spürbar zugenommen hat“, sagt Ina Papen aus der Prävention der BGHW. Die Zahlen zeigen: Pedelecs und E‑Scooter werden immer beliebter, gleichzeitig steigt die Zahl der Wege- und Dienstwegeunfälle mit diesen Fahrzeugen. „Viele Fahrerinnen und Fahrer unterschätzen die Dynamik moderner Antriebe.“ Ideal sei es, wenn Teilnehmende mit ihren eigenen Rädern kommen. „Aber wir bringen natürlich auch Pedelecs mit“, so Papen. E‑Scooter werden im Alltag allerdings oft eher ausgeliehen – dafür braucht es im Training eine verlässliche Option. „Die haben wir jetzt dank der Spende von Prophete.“
Die BGHW übernimmt die Kosten für die Schulungen – inklusive Trainer, Reisekosten und Transport der bereitgestellten Räder, das komplette Paket eben. Voraussetzungen für die Betriebe sind ein geeigneter Schulungsraum für den Theorieblock, eine abgesperrte Übungsfläche und der obligatorische Helm. „Wir würden uns wünschen, wenn noch mehr Unternehmen unser kostenloses Training nutzen würden“, betont Papen. „Bislang nehmen Unternehmen unser Angebot noch zu selten wahr.“ Kapazitäten für Fahrsicherheitstrainings gebe es noch, so Papen, es müssen sich nur ausreichend Teilnehmende für einen Trainingstag anmelden.
Am Ende des Trainingstags werden die Bikes abgestellt, die Helme gelockert, letzte Fragen gestellt. Die frisch übergebenen Pedelecs und E‑Scooter stehen bereit für ihren Einsatz in ganz Deutschland. Das Training hat Sicherheit vermittelt, das Risikobewusstsein geschärft und geholfen, gefährliche Situationen realitätsnah, aber kontrolliert zu üben. Viele der erlernten Fähigkeiten sind sofort nutzbar – egal ob auf dem Arbeitsweg oder der privaten Radtour. Was bleibt? Viele kleine Aha‑Momente, gestärktes Selbstvertrauen – und ein klares Zeichen dafür, wie Hersteller und Berufsgenossenschaft gemeinsam Verantwortung für sichere Arbeitswege übernehmen. Trainer Uwe Nestler bringt es auf den Punkt: „Wer Beschäftigten Arbeitsmittel wie ein Fahrrad überlässt oder nachhaltige Mobilität fördern möchte, sollte auch an Unterweisung und Schulung denken.“
Pedelec-Trainings
Wer sicher auf dem Rad ist, muss dies noch lange nicht auf dem Pedelec sein. Viele unterschätzen ihr Gefährt. Pedelec-Fahrtrainings sensibilisieren unter anderem für eine defensive Fahrweise und geben Tipps, um rechtzeitig gefährliche beziehungsweise unfallträchtige Situationen im Verkehr zu erkennen.
Kontakt für Pedelec-Trainings für Mitgliedsunternehmen der BGHW:
Svetlana Weber
Referat Verkehrssicherheit und Transport
sv.weber(at)bghw.de
0621 183-5978
Pedelec Training
E-Mail: roadshow(at)bghw.de

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