
Sicher durch den Winter
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Wie schafft man Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden für Beschäftigte weltweit im Zeitalter der Globalisierung und fragmentierter Lieferketten? Darüber diskutierten am 22. und 23. Oktober 2024 in Berlin auf Einladung der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) 80 Expertinnen und Experten aus 19 Ländern, die in ihren Heimatländern den Arbeitsschutz mitorganisieren.
Die erste Session widmete sich den Chancen und Herausforderungen globaler Lieferketten. Bernd Treichel von der IVSS Schweiz betonte in seiner Keynote über die Auswirkungen der Globalisierung auf die soziale Sicherheit und die Weltwirtschaft: „Wir leben in einem neuen Zeitalter der Armut. Viele Menschen haben zwar Wege gefunden, sich aus der Armut herauszuarbeiten. Aber Experten von McKinsey schätzen, dass 800 Millionen Menschen in den kommenden Jahren ihre Arbeit wegen Künstlicher Intelligenz verlieren werden. Die Gig Economy, also der informelle Arbeitsmarkt, bei dem zeitlich befristete Aufträge flexibel und kurzfristig vergeben werden, schützt nicht die soziale Sicherheit der Beschäftigten, sie verteilt die Chancen und Möglichkeiten nicht fair. Das wird die Stabilität der Lieferketten, das Gleichgewicht der Weltwirtschaft und die Welt der Arbeit gefährden.“
Johannes van Lingen vom Helpdesk Wirtschaft und Menschenrechte Deutschland erläuterte die europäische Lieferkettenrichtlinie (CSDDD), während Dr. Dietmar Elsler von der Europäischen Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz (EU-OSHA) in Spanien am Beispiel von Lieferketten im Baugewerbe und der Landwirtschaft zeigte, wie die Käufer-Zulieferer-Beziehungen die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten beeinflussen. Dr. Roberto Hermosilla aus Guatemala machte am Unternehmen Cementos Progreso deutlich, dass Arbeitsschutz die Basis für unternehmerischen Erfolg sein kann: „Unsere Führungskräfte sind verpflichtet, Arbeitssicherheit täglich umzusetzen. Das hat das Unternehmen sicher, profitabel und nachhaltig gemacht.“ BGHW-Vorstand Manfred Wirsch machte klar, dass Arbeit die Bedingungen von Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit und Menschenwürde gewährleisten müsse – und zwar überall: „Wir benötigen in der IVSS Sektion Handel eigentlich kein Lieferkettengesetz, weil wir mit gutem Beispiel vorangehen. Aber wir sollten alles dafür tun, dass das deutsche System des Arbeitsschutzes erhalten bleibt und es zum Exportschlager machen.“
Die zweite Session des Tages stand im Zeichen von Vision Zero. Helmut Ehnes vom Vision Zero Lenkungskreis bei der IVSS stellte den Rahmen und die Möglichkeiten dieser Strategie vor. Er erklärte: „Mit Vision Zero wollen wir eine Kultur der Prävention implementieren, denn es geht um Menschen, um Familien und um das Menschenrecht, dass jeder sicher und gesund von seiner Arbeit zurückkehrt. Im Mittelpunkt der Vision Zero steht deshalb die Sicherheit, die Gesundheit und das Wohlbefinden von Menschen.“ Ockert Dupper von der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) sprach über den Vision Zero Fonds und dessen Ziel, acht Millionen Menschen in den Herstellungsländern im globalen Süden ein sicheres und gesundes Arbeitsumfeld zu bieten. Sigrid Roth, Generalsekretärin IVSS Handel, präsentierte den VISION ZERO Guide zur Verbesserung von Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden an Arbeitsplätzen entlang globaler Lieferketten und erläuterte dessen Konzept und Struktur. Hervorzuheben ist neben der universellen Anwendbarkeit die Verknüpfung von Sicherheit, Gesundheit und Wohlbefinden mit den grundlegenden Prinzipien und Rechten bei der Arbeit (SGW PLUS). „Es ist nicht einfach, den Arbeitsschutz entlang der Lieferketten durchzusetzen. Mithilfe unseres Guides wollen wir Unternehmen weltweit erreichen und von Vision Zero überzeugen, indem wir ein Minimum an Arbeitsschutz mit hoher Qualität definieren und aufzeigen.“ Yulia Bazhenova und Muhammad Ubald von der GIZ Pakistan präsentierten anschließend konkrete Anwendungsbeispiele der Vision Zero Strategie in der Region Punjab.
Auf der abschließenden Podiumsdiskussion machte Siong Hin Ho, Präsident der IVSS Handel, nochmals deutlich: „Brauchen wir andere Gesetze? Eigentlich nicht. Wir brauchen ein anderes Bewusstsein. Wir brauchen eine Kultur der Prävention. Denn wenn wir alle in einer idealen Welt arbeiten, bringt uns das allen etwas. Wir müssen Sicherheit für alle erreichen.“
An Tag 2 wurden in der dritten Session die Positionen und Erfahrungen internationaler Stakeholder beleuchtet. Ana Ercoreca de la Cruz von der Internationalen Vereinigung der Arbeitsinspektoren (IALI) und Thomas Vierhaus vom Verband Technischer Handel (VTH) sprachen über die Rolle der Arbeitsschutzinspektion und die Verantwortung europäischer Großhändler. Vierhaus demonstrierte, wie in seiner Branche die Fachbetriebe mithilfe eines 360-Grad-PSA-Konzepts die Mitarbeiterzufriedenheit erhöhen und damit einen gewaltigen Schritt in Richtung Vision Zero machen. Dr. Helmut Nold von der IVSS Chemie präsentierte aktuelle Umfrageergebnisse zur Umsetzung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes in der chemischen Industrie: „Es ist deprimierend, es ist enttäuschend. Das Lieferkettengesetz ist in unserer Branche kaum bekannt.“ Deswegen gebe es eine neue Website, die chemischen Betrieben dabei helfen soll, sich auf dem unbekannten Terrain besser zurechtzufinden. Kevin Mooney vom Saskatchewan Workers’ Compensation Board sowie Alejandro Flores und Jaime Gomez von Cementos Progreso gaben Einblicke in die Herausforderungen für den Arbeitsschutz im Bergbau und im Bauwesen. So hat Cementos Progreso ein Trainingsprogramm für seine Fahrer – allein 2023 wurden 600 Fahrer ausgebildet – mit dem Ziel entwickelt, Guatemalas Straßen sicherzumachen.
Die vierte Session widmete sich neuen Ansätzen im Arbeitsschutz entlang der Lieferketten. Dr. Michael Fütterer von TIE Global Netzwerk und Dr. Nadja Schilling von der IVSS Transportwesen stellten innovative Konzepte für den Einzelhandel und den Transportsektor vor. Fütterer sagte: „Es braucht einfach zu handhabende Instrumente, damit die Beschäftigten selbst die Ursachen der Belastungen und Gefährdungen identifizieren und Lösungen entwickeln“, und zeigte das am Beispiel der Orangenplantagen in Brasilien. Dort haben Arbeiter neue Wiege- und Pflücksysteme mitentwickelt. André Rockstroh, Geschäftsführer der Gesellschaft für Kälte Klima Technik, berichtete über seine Erfahrungen als Mittelständler mit dem Lieferkettengesetz: „Das Lieferkettensorgfaltsgesetz ist notwendig, weil es einen fairen Wettbewerb schafft. Ansonsten würde weiterhin ein Wettbewerbsungleichgewicht bestehen, von dem wir Mittelständler besonders betroffen sind.“
Abschließend zeigten Stephen Adeloro vom African Center for Supply Chains und Firoz Alam von der GIZ Bangladesch, wie mithilfe von Vision Zero die Sicherheit und Gesundheit an den Arbeitsplätzen in ihren Heimatländern verbessert werden könnte. Allein in Afrika sterben jährlich 2,9 Mio. Menschen bei Arbeitsunfällen, während im asiatischen Bangladesch Gerbereien die Umwelt verschmutzen und so die Gesundheit der Menschen gefährden. Das Symposium endete mit der Berliner Erklärung zu VISION ZERO, die von den Präsidenten der ISSV Sektionen für, Bauwesen, Bergbau, Chemie, Information und Handel unterzeichnet wurde, und der Schlussbemerkung von Siong Hin Ho, Präsident der IVSS Handel: „Nehmen wir den Geist unserer Zusammenarbeit mit nach Hause. Unsere Arbeit ist nämlich noch nicht getan. Berlin ist erst der Anfang. Kämpfen wir für die Verbesserung der Lieferketten. Das ist nicht nur eine berufliche Pflicht, sondern auch eine moralische. Lasst uns die Welt ein klein bisschen besser machen!“
Die Teilnehmenden des Berliner Symposiums bekräftigten die Sydney-Erklärung, die auf dem 23. Weltkongress für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit im November 2023 in Sydney, Australien, verabschiedet wurde. Die vier Grundsätze der Sydney-Erklärung lauten:
Die Teilnehmenden des Global Supply Chain Symposiums Berlin 2024 und die organisierenden IVSS-Präventionssektionen verpflichten sich zu diesen Prinzipien und bestätigen das Sydney-Versprechen erneut.
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