Blick in einen Fahrradladen mit vielen Helmen an der Decke
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Volle Ladung Verantwortung

Auf der Urlaubsinsel Usedom fahren viele Touristen mit Pedelecs. Der Fahrradverleih Kruggel bereitet täglich mehr als 300 der Fahrzeuge vor. Damit sie sicher funktionieren, gelten klare Regeln bei Wartung, Laden und Entsorgung von Lithium-Ionen-Batterien. Vor Ort erklären Fred Kruggel und sein Team, was es alles zu beachten gibt. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Sicherheit gehört beim Fahrradverleih Kruggel auf Usedom zur täglichen Routine – auch bei Pedelecs.  Im Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien sind feste Sicherheitsabläufe etabliert.
  • Laden nur unter Aufsicht: Alle Akkus werden vor dem Laden sorgfältig geprüft. Geladen wird ausschließlich tagsüber in einem speziell gesicherten Bereich – nachts bleiben die Ladegeräte ausgeschaltet.
  • Qualität statt Risiko: Der Betrieb verwendet ausschließlich hochwertige Batteriesysteme, repariert keine beschädigten Akkus und entsorgt defekte Batterien über zertifizierte Rücknahmesysteme.
  • Gut geschulte Beschäftigte schützen Mensch und Betrieb: Regelmäßige Schulungen, klare Zuständigkeiten und feste Notfallabläufe sorgen dafür, dass Risiken früh erkannt und im Ernstfall richtig gehandelt wird.
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Jeder Akku zählt

Porträt Fred Kruggel
Fred Kruggel ist der Firmeninhaber von Fahrrad Kruggel auf Usedom.

Es ist kurz vor neun Uhr in Zinnowitz auf der Ostseeinsel Usedom. Vor dem Fahrradgeschäft Kruggel stehen bereits die ersten Urlauber und warten auf ihre reservierten Pedelecs. Während draußen Möwen kreischen und die Touristen nach Ausflugstipps fragen, beginnt drinnen die wichtigste Routine des Tages: Batterien kontrollieren, Ladezustände prüfen und Fahrräder für den Einsatz vorbereiten. Mehr als 300 Pedelecs verleiht der Familienbetrieb auf der Insel. Mit jeder Lithium-Ionen-Batterie wächst die Verantwortung. Wie sorgfältig Fahrrad Kruggel damit umgeht, zeigt sich hinter den Kulissen der Werkstatt.

Laden nur unter Aufsicht 

„Am frühen Abend werden die Akkus kontrolliert und geladen. Aber nachts läuft hier gar nichts“, erzählt Firmeninhaber Fred Kruggel und zeigt auf die langen Reihen schwarzer Ladegeräte im Dachgeschoss seiner Werkstatt. Das Thema Batteriesicherheit gehört hier zum Alltag. Denn wer mit Lithium-Ionen-Batterien arbeitet, weiß, dass Komfort und Risiko dicht beieinander liegen. „Wir fahren jedes Jahr zu Schulungen. Gerade bei Lithium-Ionen-Akkus entwickelt sich die Technik ständig weiter“, sagt Kruggel. In seiner Werkstatt und den zwei Mietstationen sind 16 Mitarbeitende beschäftigt, die meisten von ihnen sind Zweiradmechatroniker oder Verkäufer.

Technik gegen Risiko 

Im Ladebereich zeigt sich, wie ernst der Betrieb das Thema nimmt. Die Steckdosen wurden von einer Fachfirma installiert, jede einzelne ist abgesichert. Die Spanplattenwände im Raum sind feuerfest beschichtet, Rauchmelder und eine optische Alarmanlage gehören ebenfalls zum Konzept. Eine PV-Anlage auf dem Dach produziert den Strom. Geladen wird nur unter Aufsicht. Jeden Abend gegen 21.30 Uhr schaltet Kruggel höchstpersönlich alles ab.

Sichtprüfung vor jedem Laden 

„Der gesunde Menschenverstand ist das Wichtigste beim Umgang mit Lithium-Ionen-Batterien“, erzählt er. Niemals würde er Akkus unbeaufsichtigt über Nacht laden. Auch beschädigte Batterien kommen nicht ans Ladegerät. Jeder Akku wird zunächst geprüft: Gibt es Risse? Ist das Gehäuse verformt? Hat der Akku einen Schlag abbekommen? Erst dann wird entschieden, wie es weitergeht. 

Das unterschätzte Risiko

Der Fahrradhändler hat schon oft festgestellt, dass Kunden ihre Akkus im Winter in ungeheizten Garagen laden oder im Sommer auf brennbaren Unterlagen. „Viele unterschätzen das Risiko von Bränden“, sagt Kruggel. Er setzt ausschließlich auf hochwertige Systeme mit integriertem Batteriemanagement. Billige No-Name-Produkte oder Ladegeräte aus dem Internet kommen in seinem Betrieb nicht zum Einsatz. „Bei Qualitätsakkus greifen die Sicherheitsmechanismen deutlich besser“, erzählt Kruggel. Wird ein Akku beim Laden zu heiß oder zu kalt, schaltet das System automatisch ab. Der Fahrradhändler verzichtet auch darauf, Batterien zu reparieren: „Mit dem Herumbasteln fangen wir gar nicht erst an.“ Die Gefahr sei einfach zu groß. Stattdessen werden defekte Batterien an den Hersteller zurückgeschickt oder fachgerecht entsorgt. Dafür nutzt der Betrieb spezielle Sicherheitsbehälter. Beschädigte oder tiefenentladene Batterien kommen sofort aus dem Umlauf. Gerade bei der Entsorgung setzt der Fahrradhändler auf feste Abläufe und zertifizierte Rücknahmesysteme der Hersteller. Für Kruggel ist das ganz klar: „Ein Akku gehört weder in den Hausmüll noch in irgendeine Bastelwerkstatt.“

Wenns brennt, zählt jede Minute  

Was ein Brand alles anrichten kann, weiß Kruggel und erzählt von Hotels auf der Insel, in deren Fahrradkellern Batterien unbeobachtet abgebrannt sind. Für ihn steht fest: Im Ernstfall wird sofort die Feuerwehr gerufen. „Das sind die Fachleute.“ Während draußen die Urlauber nach Fischrestaurants und Radtouren fragen, läuft in der Werkstatt die Routine weiter. Der Auszubildende Falk Pristin prüft die Ladezustände am Diagnosegerät, sein Kollege Jonathan Jarling klickt Sicherungen in die Ruheposition. Für viele Gäste sind die Pedelecs bloß Freizeit auf zwei Rädern. Für Fred Kruggel und sein Team sind sie vor allem tägliche Verantwortung.

Auf einen Blick: Fahrrad Kruggel

Der familiengeführte Fahrradservice Fahrrad Kruggel in Zinnowitz auf Usedom existiert seit 1981 und vermietet oder verkauft Fahrräder und Pedelecs. Der Betrieb wird in zweiter Generation von Fred Kruggel geführt, der 16 Mitarbeitende in seiner Werkstatt und zwei Mietstationen beschäftigt. 

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