Thomas Müller, ein BGHW-Versicherter aus Köln, dessen rechter Unterschenkel nach einem Unfall amputiert werden musste, sitzt auf einem großen felsigen Stein, der zwischen zwei Felsen on der Luft hängt. n hängt und schaut in die Kamera. Er schaut freundlich in die Kamera.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Abfahrt mit Prothese: Theo ist der Schnellste

Bei den paralympischen Winterspielen wird Theo Müller aus Aachen die Wettbewerbe intensiv verfolgen. Der 28-Jährige Großhandelskaufmann ist seit 2020 wegen eines schweren Motorradunfalls unterschenkel-amputiert. Im Januar fuhr er zum ersten Mal wieder Ski – auf einer schwarzen Piste.  

Das Wichtigste im Überblick

  • Nach einem schweren Wegeunfall ist der 28-jährige Theo Müller unterschenkel-amputiert.
  • Seine sportlichen Aktivitäten halfen ihm, wieder zurück ins Leben zu finden.
  • Seitdem hat er einen besonderen Bezug zu den Paralympischen Spielen.
  • Ein Highlight erlebte er im Januar 2026, als er mit einer Spezialprothese erstmals wieder Ski fuhr.
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Paralympics haben heute eine viel größere Bedeutung

Im Interview mit HUNDERT PROZENT schildert Theo Müller, wie sehr ihm sportliche Aktivitäten nach der Amputation geholfen haben und wie wertvoll Sport für seinen Körper sowie sein persönliches Wohlbefinden ist. Müller lebt mit seiner Lebensgefährtin in Köln – in einer Wohnung im vierten Stock – ohne Aufzug.  „Seit meinem Unfall haben Sport und die Paralympics für mich eine viel größere Bedeutung. Zu den paralympischen Spielen habe ich einen ganz anderen Bezug, bin viel näher dran“, sagt der BGHW-Versicherte. „Dadurch, dass ich selbst Prothesenträger bin, kann ich besser einschätzen, was die Paralympics-Sportlerinnen und -Sportler leisten. Und ich habe größten Respekt vor ihnen“, so Müller. 

Den 27. Oktober 2020 wird er nie vergessen. Es war ein kalter Herbsttag, vier Wochen vor seiner Abschlussprüfung, als er mit seinem Motorrad zur Arbeit nach Köln-West fuhr. In einer langgezogenen Kurve geriet der damals 23-jährige Auszubildende ins Rutschen und prallte gegen eine Leitplanke. „Mein rechter Unterschenkel drehte sich in der Lederkombi um die Leitplanke. Ich habe viel Blut verloren. Die Situation war ziemlich kritisch“, erinnert er sich.

Der Fuß war nicht zu retten

Mit einem Rettungshubschrauber wurde er in die Uniklinik Köln geflogen. Dort kämpften mehrere Ärzte in einer rund siebenstündigen Operation um sein Leben. „Nach der OP dachte ich zunächst, ich hätte viel Glück gehabt. Beim nächsten Mal musst du besser aufpassen“, habe er sich gesagt.  „Ich wusste ja nicht, wie mein Fuß innen aussah“, ergänzt er. Nach wenigen Tagen war klar: Die Verletzungen waren so schwerwiegend, dass der Fuß nicht zu retten war. In enger Abstimmung mit behandelnden Ärztinnen und Ärzten entschied sich Theo Müller für die Amputation des Unterschenkels. „Das war ein krasser Schock. Dieser Eingriff in deinen Körper, in dein Leben. Der Gedanke, keinen Fuß mehr zu haben – das war megaschwer“, beschreibt er rückblickend. 

Goldmedaillen-Sieger spricht ihm Mut zu

Einer der Menschen, die ihm in dieser schweren Zeit viel Mut zusprachen, war Paralympics-Sportler Markus Rehm. Der vierfache Goldmedaillen-Sieger im Weitsprung besuchte Müller nach der Amputation in der Kölner Uni-Klinik. Der Prothesenhersteller, bei dem Rehm arbeitet, fertigte auch die Prothesen des Kölners an. Über den Arbeitgeber entstand der Kontakt. „Das Leben ist nicht vorbei. Es geht weiter“, munterte Rehm den Frischoperierten auf. „Er zeigte mir seine Prothese, sein Bein und schilderte mir, was alles möglich ist“, erzählt Müller. „Das tat gut“, ergänzt er. Nach acht Wochen wurde der BGHW-Versicherte aus der Uniklinik entlassen. „Ich konnte auf eigenen Beinen an Krücken selbst hinausgehen. Das hatte ich mir zum Ziel gesetzt.  Mein Körper hat gutes Heilfleisch. Am 18. Dezember war ich wieder zu Hause“, erzählt er.

Alle Herausforderungen angenommen

Es folgten vier Wochen Rehabilitation im Januar 2021 in der BG Klinik Duisburg, bevor der Auszubildende innerhalb einer Wiedereingliederung an seinen Arbeitsplatz zurückkehrte. „Mit den Prothesen kam ich gut zurecht. Die BGHW unterstützt mich seitdem sehr unkompliziert und kompetent“, betont der 28-Jährige. Die Prüfung zum Kaufmann für Groß- und Außenhandelsmanagement absolvierte er im April 2021. 

Acht Monate nach dem Unfall stand ein Wanderurlaub in Norwegen an. Der war längst gebucht. Berge hochkraxeln, zwölf Kilometer wandern. Müller nahm alle Herausforderungen an – und konnte alles mitmachen. Schnell begann er, wieder Sport zu treiben, probierte neue Aktivitäten aus und nahm andere Sportarten wieder auf. Schwimmen, Joggen, Radfahren, Kitesurfen, Wake-Boarden, Tennis, die Schlägersportart Padel – die Sportarten liegen ihm und machen ihm Spaß. „Ich habe schon immer gerne Sport getrieben und liebe Tempo und Geschwindigkeit“, verrät er. Außerdem müsse er regelmäßig trainieren, auch um die einseitige Belastung der Prothese auszugleichen. „Sport half mir, wieder in mein altes Leben zurückzukehren. Jedoch bin ich heute wesentlich vielseitiger aktiv, als vor meinem Unfall. Es ist faszinierend für mich zu erfahren, was alles möglich ist. Das weiß ich heute wertzuschätzen.“

 

Für Menschen mit Behinderung weltweit stehen die Paralympics für Sichtbarkeit, Anerkennung und Selbstbestimmung.

Marita Klinkert, Mitglied der BGHW-Geschäftsführung

Totales Freiheitsgefühl

Ein besonderes Highlight erlebte er im vergangenen Januar: Sechs Jahre nach seinem Unfall, stand er zum ersten Mal auf Skiern. Das war ein ganz besonderer Moment in seinem Leben: „Ich habe mit acht Jahren Skifahren gelernt. Und ich habe mir so gewünscht, wieder fahren zu können. So richtig daran glauben konnte ich nicht“, sagt Müller. Dank der BGHW-Unterstützung habe er neben einer Prothese für den Alltag, eine zweite sportlichere Alltagsprothese sowie eine Prothese zum Schwimmen und jetzt auch eine zum Skilaufen. Diese wird wie ein Skischuh in die Bindung gesetzt. 

Der Moment, als er oben auf der Piste stand, sei unbeschreiblich gewesen. „Das totale Freiheitsgefühl, das war megageil“, schwärmt er. Nach zwei Stunden Probefahrt wusste Theo Müller: Es läuft einwandfrei. Auch auf der anspruchsvollen schwarzen Piste. Und: Er kann sich auf die Technik verlassen. „Ich bin immer noch der Schnellste in der Familie, das macht mich auch ein wenig stolz“, verrät er.

Was ihm besonders wichtig war beim Skiurlaub mit Familie und Freunden im Zillertal: Er konnte alles mitmachen. Skifahren von morgens 9 bis 17 Uhr, auch das habe er gut geschafft. „Zwischendurch musste ich immer wieder mein Bein abwaschen, um einer Haarwurzelentzündung vorzubeugen“, erzählt der Sportler. Diese Entzündungen durch den Druck in der Prothese, hatten ihm in der Vergangenheit häufig heftige Schmerzen bereitet. Aber seitdem er sich seiner Beinbehaarung durch Lasern entledigte, ist es viel besser. „Das Skifahren war noch mal etwas ganz Besonderes“, so Müller. Daher freue er sich jetzt auf die Abfahrtsrennen bei den Paralympischen Spielen 2026.

Fitness und Teilhabe

Das Beispiel von Theo Müller macht aus Sicht der BGHW deutlich, wie wichtig Sport in der Rehabilitation ist: „Für die körperliche Fitness und auch für die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben“, so Marita Klinkert, Mitglied der BGHW-Geschäftsführung. Auch in dem Zusammenhang seien die Paralympics weit mehr als ein sportliches Großereignis. „Für Menschen mit Behinderung weltweit stehen sie für Sichtbarkeit, Anerkennung und Selbstbestimmung. Sie machen deutlich: Ein Handicap ist Teil einer individuellen Geschichte, wie die unseres Versicherten Theo Müller", betont Marita Klinkert.

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