
Häusliche Gewalt erkennen und richtig handeln
Mehr Menschen als je zuvor erlebten 2024 in Deutschland häusliche Gewalt. Die Folgen zeigen sich auch am Arbeitsplatz. Was können Führungskräfte und Unternehmer konkret tun?

Nicht jeder Erste-Hilfe-Einsatz führt zur Rettung der Betroffenen. Aber er ist oft die einzige Chance. Als ein Kunde in einer Kaufland-Filiale in Salzwedel zusammenbricht, reagieren Mitarbeitende sofort. Sie leisten Erste Hilfe und arbeiten dabei eng zusammen. Später erfahren sie, dass der Verunglückte nicht überlebt hat. Die BGHW hat die vier Kaufland-Mitarbeitenden für ihr engagiertes Verhalten ausgezeichnet.
Isabelle Schulz arbeitet in einer Kaufland-Filiale in Salzwedel an der Kundeninformation. Täglich kaufen hier im Durchschnitt 4.500 Menschen ein. Auch am frühen Abend des 19. März 2025 herrscht Hochbetrieb. Ein 72-jähriger Stammkunde kommt zu Isabelle Schulz an den Infostand. Er klagt über starke Brustschmerzen. „Dann ist er plötzlich umgefallen“, erinnert sich die ausgebildete Ersthelferin. Sie reagiert sofort – setzt den Notruf ab, ruft im Markt einen internen Alarm-Code aus und beginnt mit der Wiederbelebung. Innerhalb kürzester Zeit sind drei weitere ausgebildete Ersthelfer vor Ort. „Da gab es keine Abstimmung“, sagt Warenbereichsleiter Christian Nahser. „Jeder hat automatisch übernommen, was gerade nötig war.“ Während Isabelle Schulz beatmet, übernehmen ihre Kollegen im Wechsel die Herzdruckmassage – auch Kunden helfen bei der körperlich extrem anstrengenden Aufgabe. Aus dem Nachbargebäude wird ein automatisierter externer Defibrillator (AED) besorgt. Parallel schützen die Ersthelfer den bewusstlosen Kunden vor neugierigen Blicken. „Wir haben Decken, Pflanzen und Rollcontainer geholt und den Bereich abgeschirmt“, berichtet Kevin Nütten, Mitarbeiter im Foodbereich. Sein Kollege aus dem Getränkebereich David Sauerbach, sagt: „Man muss sich immer vorstellen, man liegt selbst dort. Niemand möchte in so einem Moment vor allen Augen ausgestellt sein.“
Der Notarzt trifft nach etwa acht Minuten ein und übernimmt die Reanimation sowie die weitere Betreuung des Mannes. Wenig später schreiben sowohl der Notarzt als auch das Deutsche Rote Kreuz (DRK) Salzwedel eine Nachricht an die Filiale und bedanken sich für den Einsatz der vier Ersthelfer. Unter anderem heißt es in der Nachricht vom DRK: „Der zum Einsatz gerufene Notarzt war vom Handeln ihrer Mitarbeiter sehr beeindruckt und auch wir möchten uns an dieser Stelle ausdrücklich bei allen bedanken, die für den Patienten da waren, ob bei der Wiederbelebung direkt oder beim Abschirmen der Einsatzstelle.“ Leider erfahren die Beteiligten im Nachhinein, dass der Kunde später an den Folgen eines Herz-Kreislaufstillstands verstirbt. Das ändert jedoch nichts an der vorbildlichen Leistung von Isabelle Schulz, Christian Nahser, Kevin Nütten und David Sauerbach. Laut Deutscher Herzstiftung sterben jährlich etwa 65.000 Menschen in Deutschland an einem plötzlichen Herztod. Ein Erste-Hilfe-Einsatz wie der in Salzwedel ist kein Garant fürs Überleben. Ohne Erste Hilfe hätte die betroffene Person jedoch gar keine Überlebenschance.
Auch wenn die vier das Angebot einer psychologischen Betreuung nicht genutzt haben, beschäftigt sie der Vorfall auch über ein Jahr später noch: „Der Kunde war ein angenehmer Mensch und bekannt. So eine Situation geht nicht spurlos an einem vorbei“, sagt Kevin Nütten. Ersthelfer Christian Nahser fügt hinzu: „Kleinere Einsätze haben wir ein- bis zweimal pro Woche. Kreislaufprobleme, Unterzuckerung – das gehört dazu bei so vielen Kunden. Einen so schweren Fall wie im März 2025 erlebt man aber glücklicherweise nicht oft“. Robert Kaiser, Aufsichtsperson bei der BGHW, erfährt kurze Zeit später von der Leistung der vier Ersthelfer. Im Mai 2026 zeichnet er sie für ihr Handeln aus. „Hoffentlich werden durch die Aufmerksamkeit andere Menschen dazu animiert, im Ernstfall ebenso schnell und bedacht zu reagieren“, sagt Robert Kaiser. Der Vorfall in Salzwedel hat bereits eine wichtige Veränderung in der Filiale angestoßen: Inzwischen ist im Markt ein automatisierter externer Defibrillator installiert. Das Team bei Kaufland ist derweil unverändert stolz auf Isabelle Schulz, Christian Nahser, Kevin Nütten und David Sauerbach. Isabelle Schulz resümiert: „Wir würden alles jederzeit wieder so tun“. Ihre Kollegen sehen das genauso.
In der Kaufland-Filiale in Salzwedel sind aktuell etwa 20 Ersthelferinnen und Ersthelfer im Einsatz. „So ist immer jemand da, der reagieren kann“, erklärt Isabelle Schulz. Eine Botschaft für den Ernstfall ist ihr besonders wichtig: „Jeder kann helfen – beispielsweise durch das Beruhigen von Angehörigen, das Organisieren einer Decke oder das Einweisen des Rettungsdienstes. Was auch immer gerade erforderlich ist.“ Fakt ist: Bei der ersten Hilfe ist die Angst vor Fehlern menschlich nachvollziehbar, letztlich aber fehl am Platz. Im Notfall haben Betroffene nur Überlebenschancen, wenn überhaupt Erste Hilfe geleistet wird – unabhängig davon ob jemand dafür ausgebildet wurde oder nicht. Entscheidend ist, zu handeln – und das kann jeder und jede.
Wenn jemand aus den BGHW-Mitgliedsunternehmen Erste Hilfe geleistet hat oder sich durch besondere Verdienste bei der Rettung von Personen aus einer Gefahr hervorgetan hat, ist das der BGHW eine Belohnung wert. Melden Sie sich mit Ihrer außergewöhnlichen Rettungsgeschichte bei der zuständigen Aufsichtsperson oder bei Ihrem Präventionsberater oder Ihrer Präventionsberaterin. Nach positiver Prüfung des Falls erhält der Retter oder die Retterin eine Urkunde sowie eine Geldprämie.
Kontakt: Bei Fragen zum Thema können Sie sich gerne an Claudia Faber, Referentin Anreizsysteme, wenden.

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