Ein Seminarteilnehmer schaut prüfend auf den Baumwollhandschuh, den er sich über die rechte Hand gezogen hat.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Damit Arbeit nicht unter die Haut geht

Ob an der Fleischtheke, im Warenlager, im Lebensmittelmarkt oder beim Gütertransport: Unsere Haut ist im Berufsleben, aber auch privat enormen Belastungen ausgesetzt. Versicherten, die arbeitsbedingt unter Hautproblemen leiden oder eine Berufskrankheit befürchten, bietet die BGHW Seminare mit individueller Beratung an.

Das Wichtigste im Überblick

  • Hautkrankheiten sind bei BGHW-Versicherten die am häufigsten gemeldeten Erkrankungen.
  • Die BGHW bietet Versicherten, die arbeitsbedingt unter Hautproblemen leiden oder befürchten, eine Berufskrankheit zu erleiden, Seminare mit individueller Beratung an.
  • Eine Hautärztin, eine Gesundheitspädagogin und eine Reha-Beraterin eruieren gemeinsam mit den Betroffenen die möglichen Ursachen der Hautbeschwerden.
  • Ziel ist, zu verhindern, dass aus ersten Beschwerden dauerhafte Erkrankungen oder Berufskrankheiten entstehen.
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Alle leiden unter Hautbeschwerden

 „Wir nehmen Sie an die Hand und gehen auf Ihre gesundheitlichen Beschwerden und Fragen ein – mit Blick auf Ihre Haut und Ihre berufliche Tätigkeit“, stimmt BGHW-Reha-Beraterin Iris Reiß die BGHW-Versicherten im Schulungs- und Beratungszentrum (Schu.ber.z) in Karlsruhe auf das zweitägige Seminar ein. Die Teilnehmenden arbeiten in klassischen BGHW-Branchen – im Handel, Lebensmittelbereich, Warenlager oder in der Logistik. Alle leiden unter Hautbeschwerden, überwiegend an den Händen.

Ganzheitlicher Blick

Die Ursachen liegen nicht zwingend in der beruflichen Tätigkeit. „Gemeinsam werden wir wie Detektive nach möglichen Auslösern suchen“, verspricht die BGHW-Hautspezialistin. Das Seminarprogramm verknüpft theoretische Grundlagen mit praktischen Übungen. In kurzen, praxisorientierten Vorträgen informieren Reiß und Gesundheitspädagogin Dr. Silke Schäfer über Hautschutz, Hautpflege und geeignete Produkte. In praktischen Übungen geht es um Tätigkeiten des beruflichen und auch privaten Alltags – etwa um das Tragen der richtigen Schutzhandschuhe, zum Beispiel bei der Zubereitung eines Obstsalates. Durch das Zusammenspiel von medizinischer Beratung, fachlichem Input und persönlichem Austausch entsteht ein ganzheitlicher Blick auf die Haut – das größte und oft übersehene Organ des Menschen.

Jährlich etwa 1.500 Verdachtsfälle wegen beruflich bedingter Hauterkrankungen

Persönliches im Vier-Augen-Gespräch

Die Hautärztin steht zwischen Laptop und Flipchart und hält einen Vortrag. Zwei Seminarteilnehmende hören ihr zu.
Dr. Sabine Tratzmiller erläutert wichtige Einzelheiten zu Hautschutz und Hautpflege.

Zwischendurch greifen die Teilnehmenden zu ihren Cremetuben und tragen Pflegecreme auf. Wie man das nach den Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts richtig macht, erklärt Iris Reiß anschaulich. Wichtig: Pflegecreme ist nicht mit Schutzcreme zu verwechseln. Das hebt auch Hautärztin Dr. Sabine Tratzmiller in ihrem Vortrag hervor. In Vier-Augen-Gesprächen geht sie auf Beschwerden und ärztliche Befunde der Versicherten ein und tauscht sich mit der Reha-Beraterin  über die jeweilige Situation am Arbeitsplatz aus. „Aus medizinischer Sicht ist das Seminar ein großer Mehrwert. Wir haben hier die Zeit, spezifische Fragen der Versicherten zu beantworten, Infos zu vermitteln und das Verständnis zu fördern“, bekräftigt Tratzmiller. Die leitende Oberärztin der Hautklinik im Städtischen Klinikum Karlsruhe begleitet die BGHW-Haut-Seminare regelmäßig.

Hautkrankheiten sind bei BGHW-Versicherten die am häufigsten gemeldeten Erkrankungen. „Wegen der ständig zunehmenden Verdachtsmeldungen auf eine beruflich bedingte Hauterkrankung haben wir vor rund 25 Jahren ein Verfahren entwickelt, mit dem die BGHW ihre Versicherten individuell begleitet“, erläutert Iris Reiß, die dieses Konzept miterarbeitet hat. Ziel ist es, zu verhindern, dass aus ersten Beschwerden dauerhafte Erkrankungen oder Berufskrankheiten entstehen. „Aktuell haben wir pro Jahr etwa 1.500 Verdachtsfälle auf beruflich bedingte Hauterkrankungen“, so Reiß.

Die am Schreitisch sitzende Seminarleiterin schaut auf ein Papier, das ihr die Gesundheitspädagogin zeigt, die neben ihr steht.

Manchen Vorgesetzten ist nicht bewusst, wie wichtig Hautpflege und Hautschutz für ihre Beschäftigten sind. Daher möchte die BGHW Führungskräfte sensibilisieren, die das Thema weniger im Blick haben.

Iris Reiß, BGHW-Reha-Beraterin und Leiterin des Hautseminars

So begleitet die BGHW ihre Versicherten

  • Erhält die BGHW die Meldung einer Hauterkrankung, setzt sich der Sachbearbeiter oder die Sachbearbeiterin für Berufskrankheiten mit der versicherten Person in Verbindung und bespricht mit ihr die Situation.
  • Bei Bedarf wird ein beratender Hautarzt oder eine Hautärztin eingeschaltet. Im persönlichen Gespräch ermitteln die ärztlichen Spezialisten die möglichen Auslöser und die Art der Beschwerden und empfehlen das weitere Vorgehen.
  • Nach Austausch zwischen Hautarzt und BK-Sachbearbeitung lässt die BGHW ihren Versicherten kostenlos ärztlich abgestimmte Hautschutz- und Pflegeprodukte zukommen.
  • Nach einiger Zeit erfolgt ein weiteres Gespräch mit dem Hautarzt oder der Hautärztin über den Verlauf der Beschwerden.
  • Wird durch die eingesetzten Produkte keine Besserung erzielt wird, vermittelt die BGHW die Versicherten zum Hautseminar. 
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Der Mensch im Mittelpunkt

Ein Seminarteilnehmender sitzt der BGHW-Reha-Beraterin gegenüber und spricht. im Hintergrund ein Tisch mit Laptop.
BGHW-Reha-Beraterin Iris Reiß spricht mit Seminarteilnehmer Benjamin Reiß über seine Situation am Arbeitsplatz.

Über diesen Prozess sind die Versicherten auch zu diesem Hautseminar nach Karlsruhe gekommen. „Hier steht der einzelne Mensch mit seinem individuellen Hauttyp, seinem Beruf und seinen Belastungen im Mittelpunkt,“ betont Iris Reiß. Das weiß auch Teilnehmer Benjamin Reiß zu schätzen, weder verwandt noch verschwägert mit der Seminarleiterin. Der Familienvater arbeitet in der Metzgerei eines großen Lebensmittelmarktes, wo er Tiere für die Wurstproduktion zerlegt. „Seit mehr als zehn Jahren habe ich Probleme mit meinen Händen. Die Haut ist rissig, löst sich zeitweise immer wieder ab“, erzählt er. Manchmal sei drei bis sechs Wochen alles in Ordnung, dann meldeten sich erneut Beschwerden. Dabei schütze er seine Hände bei der Arbeit konsequent. „Ich trage den ganzen Tag Handschuhe. Die wechsle ich mehrfach täglich“, so Reiß. Er nutzt Baumwoll-Unterziehhandschuhe zum Schutz der Haut sowie wasserdichte Nitril-Kunststoffhandschuhe. An der rechten Hand schützt ihn zusätzlich ein Kettenhandschuh vor Schnittverletzungen. „Ich erhoffe mir, in diesem Seminar neue Ansätze zu erhalten, um meine Hautprobleme endlich in den Griff zu bekommen“, sagt er. Die Rahmenbedingungen an seinem Arbeitsplatz und seine Persönliche Schutzausrüstung seien vorbildlich, stellt die BGHW-Reha-Beraterin im persönlichen Gespräch fest. Auch für Arbeits- und Hautschutz und Hautpflege sei gut gesorgt, schildert der Versicherte. 

Führungskräfte sensibilisieren

„Das ist nicht selbstverständlich“, weiß die Reha-Beraterin. „Manchen Vorgesetzten ist nicht bewusst, wie wichtig Hautpflege und -schutz für ihre Beschäftigten sind.“ Daher möchte die BGHW   Führungskräfte sensibilisieren, die das Thema weniger im Blick haben. Sie hofft, dass die Teilnehmenden als Multiplikatoren bei Kolleginnen und Kollegen die Werbetrommel für mehr Hautschutz rühren. 
Ein häufiger Auslöser für Hautbeschwerden ist die falsche Anwendung der Produkte, stellen Reiß und Schäfer fest. „Wenn Schutz- und Pflegecremes nicht nach den Vorgaben aufgetragen werden, kann das der Haut schaden und Beschwerden verstärken“, sagen sie. Ihre dringende Empfehlung: Hautschutz- und Hautpflegecreme sinnvoll kombinieren. 

Darauf sollte man achten

  • Hautschutzcreme immer vor Arbeitsbeginn auftragen. Sie baut künstliche Schutzbarrieren auf und zieht schnell ein. Je nach Belastung sollte regelmäßig nach Pausen und dem Händewaschen während der Arbeit nachgecremt werden.
  • Hautpflegecreme möglichst in arbeitsfreien Zeiten und nach Ende der Arbeit verwenden.
  • Hautschutz- und Hautpflegeprodukte sollten möglichst frei von Duft-, Konservierungs- und Farbstoffen sein.
  • Hände nicht zu häufig waschen sofern sie nicht sichtbar verschmutzt sind – möglichst nicht öfter als zehnmal täglich! Dadurch trocknet die Haut aus. Wasser kann bei Hautbeschwerden ein zusätzlicher Belastungsfaktor sein.
  • Das Verwenden von Desinfektionsmitteln ist hautschonender.
  • Werden flüssigkeitsdichte Kunststoffhandschuhe länger als 15 Minuten getragen, empfiehlt es sich, Baumwollhandschuhe darunter zu tragen.
  • Bei Juckreiz besser cremen statt kratzen. Das kann Beschwerden lindern.
  • Ein Blick in die Datenschutzblätter der Handschuhhersteller hilft zu prüfen, ob die verwendeten Handschuhe für die Ihre jeweilige Tätigkeit geeignet sind.
  • Die eigene Routine bei Hautschutz und -pflege regelmäßig hinterfragen!
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Hautschutz will organisiert sein

Ein Paar Hände in einer Schwarzlichtbox: Die in hellem Lila leuchtenden Hautpartien zeigen, wie flächendeckend die Haut eingecremt ist.
Die leuchtenden Hautpartien zeigen im Schwarzlicht, wie flächendeckend die Haut eingecremt ist.

„Tragen Sie für Ihre Tätigkeit die richtigen Handschuhe? Welche Produkte eignen sich individuell für Sie?“, sind weitere zentrale Fragen des Seminars. Antworten erarbeitet Dr. Silke Schäfer gemeinsam mit den Versicherten. „Wer seine Haut am Arbeitsplatz schützen möchte, muss gut organisiert sein. Individuelle Handschuhpläne und Hautschutzmittel in greifbarer Nähe machen den Hautschutz im Alltag einfacher“, erläutert die Gesundheitspädagogin. Einen Überblick über die Verwendungsbereiche und Eigenschaften bietet eine Pinnwand im Seminarraum. Dort sind unterschiedliche Baumwoll- und Kunststoffhandschuhe mit Informationen zu Schutz- und Trageeigenschaften ausgestellt.
 

Möglichst früh melden

Einige Hinweise waren auch für Benjamin Reiß neu. „Ich bin froh, dass ich hier neue wertvolle Anregungen erhalten habe. Die werde ich beherzigen. Und ich hoffe, dass sich meine Beschwerden dadurch verbessern“, so der Metzger. Die BGHW begleitet ihre Versicherten über das Seminar hinaus. „Wir bleiben in Kontakt, und tauschen uns über den weiteren Verlauf der Erkrankung aus und sind bestrebt, die Krankheit zu heilen“, sagt Reiß. Besteht zunehmend der Verdacht auf eine Berufskrankheit wird das in einem Feststellungsverfahren (Link) ermittelt. Ihr Appell an Beschäftigte und Führungskräfte: „Melden sie sich bei uns, wenn Sie vermuten, dass Sie oder Ihre Mitarbeitenden Hautbeschwerden haben und vermuten, dass diese beruflich bedingt sind. Je früher wir helfen können, desto besser ist es für Ihre Gesundheit.“ Die BGHW bietet Hautseminare an mehreren Standorten an. Eine Teilnahme erfolgt nach Absprache zwischen der BGHW-Sachbearbeitung Berufskrankheiten und den betroffenen Versicherten. 

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