
Trauer am Arbeitsplatz
Trauer am Arbeitsplatz betrifft viele Beschäftigte. Wie Unternehmen und Führungskräfte richtig reagieren, Mitarbeitende unterstützen und den Betrieb stabil halten.

Roboter, die nicht nur sehen, sondern verstehen. KI-Systeme, die eigenständig handeln – und dabei neue Chancen, aber auch Risiken schaffen. Prof. Dr. Kai Furmans vom Karlsruher Institut für Technologie erklärt, warum die Logistik vor einem entscheidenden Entwicklungssprung steht, weshalb Unternehmen jetzt mutig sein sollten – und warum der Einsatz von KI niemals ohne Sicherheitsnetz erfolgen darf.
Kai Furmans: Wir haben tatsächlich eine neue Stufe erreicht. Bisher waren viele Systeme reaktiv – sie haben auf Sensoren reagiert. Jetzt geht es darum, dass Maschinen beginnen, ihre Umgebung zu verstehen. Das ist der Kern dessen, was wir semantische KI nennen.
Früher hat ein fahrerloses Transportsystem einfach Abstände gemessen und darauf reagiert. Es wusste aber nicht, was da eigentlich vor ihm ist. Heute können wir Systeme entwickeln, die unterscheiden: Ist das eine Tür, eine Wand oder ein Mensch? Das klingt banal, ist aber ein riesiger Unterschied. Denn erst mit diesem Kontextwissen können Maschinen sinnvoll entscheiden – etwa vorsichtiger fahren oder schneller reagieren.
In gewisser Weise ja – aber nicht im menschlichen Sinn. Es geht nicht um Bewusstsein, sondern um Kontextverständnis. Systeme lernen, ihre Umgebung einzuordnen und ihr Handeln daran auszurichten. Der Unterschied ist entscheidend: Es ist nicht mehr nur ein Reflex auf ein Signal, sondern eine Einordnung der Situation.
Eine sehr große. Diese Modelle bringen enormes „Weltwissen“ mit. Wir nutzen diese Flut an Informationen, um Maschinen klüger zu machen – etwa indem sie lernen, was ein Objekt ist und wie man damit umgeht. Mein persönliches Ziel wäre, dass ein Roboter so weit kommt wie ein guter Auszubildender: „Hol mir den Werkzeugkoffer“ – und er versteht, was gemeint ist und setzt es um.
Vor allem Geschwindigkeit und Flexibilität. Systeme lassen sich schneller in Betrieb nehmen, weil sie nicht mehr jedes Detail vorab programmiert bekommen müssen. Das reduziert Kosten erheblich – und macht Automatisierung auch für den Mittelstand attraktiver.
Teilweise. Routineprozesse werden weitgehend automatisiert laufen. Aber für alles, was außerhalb der Norm liegt, braucht es weiterhin Menschen. Ich glaube eher an eine Logistik, in der weniger Menschen direkt im Prozess arbeiten – dafür aber gezielt eingreifen, wenn es nötig ist, oft auch remote.
Die Herausforderung wird größer. Wir haben es nicht mehr mit vollständig deterministischen Maschinen zu tun, sondern mit adaptiven Systemen. Das erfordert ein neues Sicherheitsverständnis: vorausschauende Systeme statt nur reaktive Schutzmechanismen, klare Eingriffsoptionen und vor allem zuverlässige technische Sicherheitsnetze. Wir werden eine Art Zwei-Ebenen-System sehen: eine harte Sicherheitsebene, die im Notfall eingreift – und darüber eine intelligente Ebene, die versucht, Risiken gar nicht erst entstehen zu lassen.
Weil diese Systeme eigenständig handeln können – und zwar nicht immer im Sinne des Unternehmens. Es gab kürzlich einen Fall in den USA: Ein KI-Agent hat eigenständig eine komplette Entwicklungsumgebung gelöscht. Der Backup war Monate alt. Das zeigt sehr deutlich: Man darf KI nicht „einfach machen lassen“.
Ganz einfach, nicht ohne Netz zu arbeiten. Also Handlungsspielräume klar be- und eingrenzen, Zugriffe kontrollieren sowie Notfallmechanismen einbauen und alles unbedingt monitoren. Man muss sich nämlich bewusst machen: Eine KI sucht Lösungen – aber nicht unbedingt die richtigen. Theoretisch könnte ein System auch entscheiden, ein Regal umzufahren, um an eine Palette zu kommen. Das ist physikalisch möglich, betrieblich aber natürlich absoluter Unsinn.
Ja, deutlich. Viele Menschen nutzen heute selbst KI-Tools. Dadurch ist die Hemmschwelle gesunken. Wir haben eine Art Bewusstseinssprung erlebt. Früher hieß es immer: „Geht das überhaupt?“ Heute stellt man sich die Frage: „Wie setzen wir es ein?“
Beides. Die Offenheit ist gut, weil sie Innovation ermöglicht. Gleichzeitig besteht die Gefahr, dass man die Möglichkeiten überschätzt und die Risiken unterschätzt. Deshalb braucht es beides: Mut – und Verantwortungsbewusstsein.
Wir werden massive Produktivitätsgewinne sehen – aber auch Veränderungen am Arbeitsmarkt. Besonders betroffen sind zunächst wissensbasierte Tätigkeiten, etwa Datenaufbereitung oder Recherche. Gleichzeitig ist der Produktivitätsdruck enorm – gerade in Europa. Ohne technologische Fortschritte wird es schwierig, wettbewerbsfähig zu bleiben.
Drei Dinge: 1. Ausprobieren – KI kann mehr, als viele denken; 2. Struktur schaffen – klare Prozesse und Zuständigkeiten; 3. Sicherheit integrieren – und zwar von Anfang an.
Nein. Aber sie werden vieles verändern. Denn wir bringen Maschinen gerade bei, die Welt zu verstehen. Und damit beginnt eine neue Phase – für die Logistik, für Unternehmen und für unsere Gesellschaft insgesamt.
Der Wirtschaftsingenieur leitet das Institut für Fördertechnik und Logistiksysteme am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) und wird auf der Fachtagung „Sicherheit und Gesundheit in Handel und Warenlogistik“ in Dresden am 14. September über das Thema „Aktuelle Entwicklungen in der Logistik – Semantische KI und Roboter“ referieren.

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Wer entscheidet künftig: Mensch oder KI? Dr. Elisa Clauß von der BDA und Philosoph Christian Uhle diskutieren, wie Unternehmen Verantwortung und Innovation zusammenbringen.
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