
Abfahrt mit Prothese - Theo ist der Schnellste
Wenn am Freitag, 6. März, in Italien die Paralympics starten, wird Theo Müller die Wettbewerbe intensiv verfolgen. Der 28-Jährige ist seit einem Unfall Prothesenträger.

Wer morgens ohne Frühstück startet, mittags zwischen zwei Terminen zum schnellen Snack greift, rutscht nachmittags schnell ins Konzentrations- und Leistungstief. Ungesunde Ernährung wirkt sich direkt auf Sicherheit, Fehlzeiten und Motivation aus – und damit auf den Unternehmenserfolg. Betriebe können mit praxistauglichen Maßnahmen gegensteuern wie konkrete Beispiele von H&M und Flaschenpost zeigen.
Auf dem Tisch liegen Nüsse, Päckchen mit körnigem Frischkäse, Proteinriegel und High-Protein-Pudding. Die Aufgabe: die verschiedenen Lebensmittel nach ihrem Gesundheitswert und Verarbeitungsgrad sortieren. Das Ganze findet in der Küche des Hauptsitzes von H&M in Hamburg statt. Interessierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Modeunternehmens lassen sich hier rund um Ernährung direkt am Arbeitsplatz beraten. Eine Mitarbeiterin der Krankenkasse DAK erläutert, was stark verarbeitete Lebensmittel sind und gibt praktische Tipps, wie man diese durch naturbelassene Alternativen ersetzen oder ergänzen kann.
Was vielleicht wie ein genussvoller Austausch wirkt, verbindet H&M mit einer klaren Strategie: „Unser Ziel solcher Angebote ist es, das Bewusstsein für frische, unverarbeitete Lebensmittel und damit für eine gesunde Ernährung im Berufsalltag zu schärfen“, sagt Sinan Öztok. Er ist bei H&M für das betriebliche Gesundheitsmanagement mit Fokus Gesundheitsförderung in den Filialen und Verwaltungsbereichen zuständig.
Ist es sinnvoll, dass sich Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber für gesunde Ernährung ihrer Beschäftigten einsetzen? Auf jeden Fall, wie das Risikoobservatorium der DGUV feststellt, das sich mit dem Trend zur ungesunden Ernährung beschäftigt hat. Eine ungesunde Ernährung mindert demnach Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen. Wer dauerhaft zu viel Zucker, Fett oder stark verarbeitete Produkte konsumiert, steigert nicht nur das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes, sondern auch die Gefahr von Fehlern und Unfällen im Arbeitsalltag, so die Analyse der DGUV. Im Klartext heißt das für Unternehmen: Ernährung ist zwar Privatsache – aber die Folgen ungesunder Ernährung beschränken sich nicht nur auf das Privatleben, sondern wirken sich auf den Arbeitsalltag aus.
Ungesund heißt vor allem: nicht ausgewogen. Der Körper bekommt nicht das, was er braucht oder zu viel von dem, was ihm schadet. Laut dem Trendbericht der DGUV sind typische Merkmale einer ungesunden Ernährung und ihre möglichen Auswirkungen:
Nach aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts haben 46,6 Prozent der Frauen und 60,5 Prozent der Männer ab 18 Jahren ein Körpergewicht im Bereich von Übergewicht oder Adipositas. Die Gesamtanteile haben sich im Vergleich zu früheren Erhebungen nur moderat verändert. Deutlich gestiegen ist laut einer aktuellen Studie jedoch der Anteil der Erwachsenen mit Adipositas: Lag er 2003/2004 noch bei 12,2 Prozent, betrug er 2023 bereits 19,7 Prozent. Damit ist inzwischen rund jede fünfte erwachsene Person in Deutschland adipös. Rund neun Prozent der Arbeitsausfälle stehen laut einer AOK-Untersuchung im Zusammenhang mit Adipositas. Wenn Unternehmen Wert auf gesunde Beschäftigte legen, kommen sie an dieser Realität nicht vorbei.
Bei H&M wendet sich Sinan Öztok mit der Gesundheitsförderung an 404 Filialen in 14 Regionen sowie an alle Büroeinheiten. „Wir sehen uns als Unterstützer und Enabler“, sagt Öztok, „und bieten Wissen und Strukturen wie kleine Küchen für eine gesunde Ernährung. Aber die Verantwortung für die eigene Gesundheit bleibt bei jedem Einzelnen.“ Begleitung holt sich H&M schon seit einigen Jahren bei der Krankenkasse DAK. „Wir arbeiten mit einer modularen Toolbox der Krankenkasse. Führungskräfte buchen beispielsweise bedarfsgerecht Impulsvorträge wie ‚Brainfood für den Arbeitsalltag‘. Ernährungsexpertinnen kommen in die Stores oder schalten sich digital zu. Teilweise verbinden die Teams die Inhalte mit Verkostungen und Lernen über Geschmack“, erzählt Öztok.
Die Resonanz der Führungskräfte und Beschäftigten auf die Ernährungsangebote? Super! Interessant sei der kulturelle Wandel, stellt Öztok fest: Jüngere Beschäftigte treiben Themen wie Zuckerreduktion oder pflanzenbetonte Ernährung aktiv voran. Ältere Kolleginnen und Kollegen reagieren mit wachsendem Gesundheitsbewusstsein, wenn erste körperliche Warnsignale auftreten. „Hier begegnen sich zwei Perspektiven im Betrieb, die voneinander lernen.“ Ernährung wird damit Teil der Unternehmenskultur. Nicht als moralischer Zeigefinger, sondern als Einladung.
Besonders gefragt sind alltagstaugliche Lösungen, so Gesundheitsmanager Öztok. Viele Filialen liegen in Einkaufszentren. Wer sich in der Pause ohne großen Aufwand eine gesunde Mahlzeit zubereiten möchte, trifft dort überwiegend auf Fast-Food-Angebote. Eine Möglichkeit heißt Meal Prep. Die Leistung der Krankenkasse dazu in der Toolbox ist der Vortrag ‚Meal Prep – gute Vorbereitung ist die halbe Miete‘, der extrem gut ankommt.
Sie sind verpflichtet, Betriebe bei der betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF) zu unterstützen. Viele Angebote sind für Unternehmen kostenfrei oder werden bezuschusst. Möglich sind unter anderem:
Die BGHW berät Betriebe und qualifiziert betriebliche Expertinnen und Experten sowie Führungskräfte zum systematischen Vorgehen bei der Organisation und Gestaltung gesundheitsgerechter Arbeitsbedingungen. Dadurch werden Fehlbeanspruchungen der Mitarbeitenden identifiziert und anhand zielführender Maßnahmen vermieden oder reduziert. Dies wirkt sich aus auf die Arbeitsfähigkeit, Leistungsbereitschaft und Gesundheit der Beschäftigten. Auch „Gesunde Ernährung“ kann in diesem Kontext als klassisches Handlungsfeld bearbeitet werden.
Arbeitgeber können bis zu 600 Euro pro Jahr und Beschäftigtem steuer- und sozialabgabenfrei für zertifizierte Präventionsmaßnahmen einsetzen – vorausgesetzt die Maßnahme erfüllt die Kriterien nach § 20 SGB V –
etwa für: Ernährungsberatung, Präventionskurse und Programme zur Stress- und Bewegungsförderung
Das Unternehmen Flaschenpost geht noch einen Schritt weiter. Der Online-Supermarkt mit Hauptsitz in Münster, hat eine eigene, festangestellte Betriebsärztin, die gleichzeitig Ernährungsmedizinerin ist: „Ich bin für die Mitarbeitenden auf kurzem Weg immer direkt erreichbar“, sagt Bettina Jonas. „Das wird rege genutzt. Sie kommen mit individuellen Fragestellungen auf mich zu, wie eine optimierte Ernährung beim Sport mit Muskelaufbau, Ernährung bei Adipositas und dem Wunsch nach Gewichtsreduktion, Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien oder Ernährung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen.“ Durch ihre Nähe zu den Mitarbeitenden weiß die Betriebsärztin immer, welche Ernährungs- und Präventionsthemen relevant sind. Dazu hat sie ein breites, bedarfsgerechtes Angebot an Webinaren und Informationsangeboten konzipiert, die während der Arbeitszeit zur Verfügung gestellt und von den Mitarbeitenden sehr gut angenommen werden. Darüber hinaus entwickelt sie das Portfolio auch in Zusammenarbeit mit der Krankenkasse DAK stetig weiter. Das optionale Angebot umfasst Themen wie „Superorgan Darm“, „Zuckerfrei leben“, „Meal Prep“ oder „Jobfood“.
„Uns ist es sehr wichtig, das Thema gesunde Ernährung sowohl in unsere drei Verwaltungsstandorte in Münster, Berlin und Köln als auch in alle 31 Lagerstandorte in ganz Deutschland zu tragen“, sagt Jana Brönstrup, Health & Safety-Managerin bei Flaschenpost. Eine große Unterstützung seien die Führungskräfte, die sich aktiv beteiligen, so Brönstrup. Sei es, wenn sie in der Mittagspause gemeinsam mit ihrem Team kochen, beim Münstermarathon für die Getränke sorgen oder gemeinsam mit den Beschäftigten nach Feierabend grillen.
Ernährung bleibt eine persönliche Entscheidung. Doch ihre Wirkung endet nicht am Schreibtisch, im Lieferfahrzeug, an der Ladenkasse oder in der Lagerhalle. Sie beeinflusst Sicherheit, Konzentration und Arbeitsfähigkeit. Und da ein erheblicher Teil der Nahrungsaufnahme während der Arbeitszeit stattfindet, sollten Unternehmen, die Gesundheit ernst nehmen, Ernährung nicht ausklammern. Die BGHW unterstützt ihre Mitgliedsbetriebe bei einer systematischen Vorgehensweise mit dem Managementansatz „Gesund mit System“ und qualifiziert dazu in verschiedenen Seminaren, erläutert Wolfgang Stolz, Leiter Betriebliches Gesundheitsmanagement bei der BGHW: „Unternehmen lernen bei uns, zunächst genau hinzuschauen: Wo stehen wir? Welche Risiken und Chancen ergeben sich aus der aktuellen Situation? Darauf aufbauend definieren sie klare Ziele, entwickeln passende Maßnahmen und setzen sie strukturiert um. Entscheidend ist, die Wirkung zu überprüfen und erfolgreiche Schritte dauerhaft im Betrieb zu verankern.“
Wichtig ist eine Kombination aus guten Rahmenbedingungen und Maßnahmen, die die Beschäftigten zu gesundem Essverhalten animieren:
Pausen ermöglichen – und vorleben: Führungskräfte sollten Pausen aktiv unterstützen. Keine Meetings zwischen 12 und 14 Uhr. Vorbild sein statt „Working Lunch“.
Trinkwasser bereitstellen: kostenlose Wasserstationen, persönliche Trinkflaschen, Erinnerungskampagnen. Flüssigkeit ist Basis jeder Leistungsfähigkeit.
Gesunde Optionen sichtbar machen: Ob Kantine oder kleiner Betrieb: Obst, Nüsse, frische Bowls oder Suppen sollten leichter zugänglich sein als Süßigkeiten.
Infrastruktur schaffen: Kühlschrank, Mikrowelle, saubere Pausenräume. Wer Essen mitbringt, braucht geeignete Bedingungen.
Zielgruppenspezifische Angebote: Schichtpläne berücksichtigen, leichte Nachtverpflegung anbieten, mobile Lösungen für Außendienst und Fahrpersonal entwickeln.
Gesundheitsangebote integrieren: Ernährungsberatung, Impulsvorträge, Gesundheitstage oder Check-ups können Wissen vertiefen und Motivation stärken.

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