
Mit Sportcoaches zurück in den Alltag
Um beeinträchtigte Versicherte nach einem schweren Arbeitsunfall oder einer Berufskrankheit wieder in Bewegung zu bringen, setzt die BGHW auf den Einsatz von Sportcoaches.

Wer entscheidet künftig – Mensch oder KI? Dr. Elisa Clauß von der BDA und der Philosoph Christian Uhle diskutieren, wie Unternehmen Verantwortung, Qualifizierung und Innovation zusammenbringen.
Christian Uhle: Beim Thema KI sind mir als Philosoph Grundsatzfragen wichtig: Wie verändert KI unsere Art und Weise, miteinander in Beziehung zu treten? Wie verändert sie die Rolle des Menschen am Arbeitsplatz, wenn diese immer stärker durch KI mitstrukturiert wird? Ich halte viele Vorträge vor Unternehmensvertretern und diskutiere regelmäßig mit Führungskräften: KI ist für sie kein abstraktes Zukunftsthema mehr. Sie ist im betrieblichen Alltag angekommen.
Dr. Elisa Clauß: Das erlebe ich genauso. Deutsche Unternehmensverbände, mit denen wir im Austausch sind, stehen dem Thema KI ebenfalls sehr offen gegenüber. Aber der Stand ist natürlich sehr unterschiedlich. Die IT- und technologieaffinen Branchen sind bei der KI-Nutzung sehr weit vorne, andere tasten sich erst noch heran.
Uhle: Was alle Unternehmen im Blick haben sollten: Was ist so anders an KI? Was macht sie so weitreichend in ihren Auswirkungen? Bisher war die Geschichte der Technikentwicklung im Wesentlichen eine Geschichte der Werkzeugentwicklung: Eine neue Technik wurde entwickelt, der Mensch hat diese genutzt. Er war derjenige, der gehandelt hat. Jetzt mit KI ist es zum ersten Mal so, als ob wir eine neue Spezies erschaffen hätten, die unsere Werkzeuge für uns benutzen kann. Ein Akteur, der für uns schreibt, Inhalte vergleicht oder logistische Prozesse plant. Wir interagieren so, als wäre am anderen Ende eine unsichtbare Person, der wir einen Arbeitsauftrag geben. Was nach einem Detail klingt, ist sehr weitreichend. Wenn wir KI als Akteur verstehen, müssen wir klären: Wer trägt Verantwortung? Wer entscheidet am Ende?
Clauß: Aus meiner Erfahrung heraus wird KI in der betrieblichen Praxis bislang eher als Werkzeug betrachtet. Unternehmen führen Robotersysteme, Copiloten oder Chatbots ein, um Prozesse zu verbessern. Aber Unternehmen kennen sich mit Technologiesprüngen aus. Sei es die Einführung des Internets oder von E-Mails – solche Neuerungen haben immer auch zu Bedenken und Befürchtungen geführt: Fallen Arbeitsplätze weg? Steigt die Arbeitsintensivierung? Diese Herausforderungen haben wir bereits sehr gut gemeistert – und werden auch den neuen Bedenken erfolgreich begegnen. Entscheidend dafür ist: Wie wird so eine neue Technologie eingeführt? Gibt es klare Leitplanken und ausreichend Beinfreiheit? Werden Beschäftigte geschult? Denn führen Unternehmen KI nicht richtig ein und lassen zu, dass Mitarbeitende KI informell nutzen, ohne Regeln, ohne Unterweisung, dann entstehen Risiken – für Betriebssicherheit, den Arbeitsschutz und die Qualität der Entscheidungen.
Uhle: Und gerade diese Fähigkeit, qualitativ gute Entscheidungen zu treffen, wird künftig immer wichtiger. Vor allem standardisierte Tätigkeiten lassen sich gut automatisieren. Dadurch verschiebt sich die Rolle des Menschen und insofern auch die notwendigen Fähigkeiten am Arbeitsplatz. Wichtiger werden beispielsweise kuratierende Kompetenzen, also zu entscheiden, welche KI-Ergebnisse verwendet werden. Ein Beispiel: Mitarbeitende lassen sich einen Text in vier unterschiedlichen Versionen formulieren und entscheiden, welche am besten zum Projektziel passt.
Clauß: Qualifikation und Weiterbildung werden auf jeden Fall einen neuen Stellenwert bekommen. Wir sind mitten im demografischen Wandel, sind vom Fachkräfte- und Nachwuchsmangel betroffen. Hier ist KI eine Chance, um bestehende Lücken zu schließen. Eine Welle der Arbeitslosigkeit wird es durch KI nicht geben.
Uhle: In einigen Branchen gibt es bereits starke Verschiebungen bei der Nachfrage von Arbeitskräften. In der IT sind vor allem Junior Developer betroffen. Menschen, die noch keine langjährige Berufserfahrung und ein Profil entwickelt haben. Ihre Arbeit übernimmt bereits die KI.
Clauß: Dennoch werden auch weiterhin Auszubildende händeringend gesucht! Eventuell verändern sich die Aufgaben, die Neuankömmlinge in den Unternehmen übernehmen können. Aber jedes Unternehmen braucht qualifizierten Nachwuchs, daran ändert auch eine KI nichts.
Uhle: Wie gut das funktioniert, wird auch stark davon abhängen, wie fixiert ein Unternehmen auf kurzfristige Erfolge ist. Denn wie Sie sagen: ein solcher Aufbau ist langfristig.
Clauß: Da bin ich zuversichtlich. Über 90 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind mittelständische Unternehmen. Dahinter stehen Menschen, die viel geschaffen haben, und ihnen ist daran gelegen, ihr Unternehmen am Leben zu halten. Sie werden sich sehr gut überlegen, wo sie KI einsetzen und mit welcher Konsequenz.
Uhle: Wichtig ist auch, Rebound- Effekte zu bedenken. Das heißt, Arbeitsprozesse werden durch den Einsatz von KI zwar effizienter, aber wir haben deshalb nicht unbedingt mehr Zeit für unsere Kernaufgaben – manchmal ist vor allem Arbeitsverdichtung die Folge.
Clauß: Ja, aber wir dürfen auch nicht den Fehler machen, KI nur als Effizienz-Tool zu sehen. Jedes mittelständische Familienunternehmen weiß genau, dass der Betrieb zum Beispiel auch von den Ideen der Beschäftigten lebt, und nicht, weil alle unfassbar effizient sind. Gerade mit Blick auf den Arbeitsschutz lässt sich KI vielfältig für sicheres und gesundes Arbeiten einsetzen.
Uhle: KI hat definitiv das Potenzial, die Arbeitswelt besser zu machen. Für mich hängt das von drei Faktoren ab: Stärkt sie unsere Autonomie? Nutzen wir den Zeitgewinn durch KI für menschliche Beziehungen, und trägt sie zu mehr Gleichheit bei? Wir können diese Entwicklung gestalten, weil wir entscheiden.
Clauß: Wir bestimmen darüber, wie wir die KI nutzen wollen, und nicht umgekehrt. Wir sollten KI als Chance sehen, nicht als Risiko.

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