Porträtfoto von Lars Eberhard. Er trägt einen dunklen Pulli und schaut freundlich in die Kamera. Seine verletzte rechte Hand ist unscharf im Vordergrund zu sehen.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Lars kämpft um seine Zukunft

Bei der Vorführung einer Mäh-Raupe im September 2025 wurde Lars Eberhard so schwer verletzt, dass bis heute unklar ist, wie er seine Hände wieder nutzen kann. Elf Wochen nach dem Unfall geht der 19-Jährige wieder zur Schule.

Das Wichtigste im Überblick

  • Bei der Vorführung einer Mäh-Raupe wurde Lars Eberhard so schwer verletzt, dass bis heute unklar ist, wie er seine Hände wieder nutzen kann.
  • Die Folgen des Unfalls am 2. September 2025 haben sein Leben und das seiner Familie auf den Kopf gestellt.
  • Die Eltern des 19-Jährigen führen in Wolfach-Halbmeil einen Motoristenbetrieb für Forst-, Garten- und Reinigungstechnik.
  • Elf Wochen nach dem Unfall geht Lars wieder zur Schule. Er blickt voller Willenskraft und Optimismus nach vorne.
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Glücklich, bei der Familie zu sein

Gruppenbild der Famiile Eberhard: Links die Mutter, daneben die Kinder Lars und Lea und der Vater Nico. Sie alle stehen Arm in Arm und schauen freundlich in die Kamera.
Die Familie steht eng zusammen. Von links: Martina, Lars, Lea und Nico Eberhard.

„Wir sind glücklich, dass Lars lebt und wieder bei uns ist“, sagen seine Schwester Lea und die Eltern Martina und Nico im Gespräch mit HUNDERT PROZENT. Wir treffen Familie Eberhard zu Hause in Wolfach-Halbmeil im Kinzigtal. „Ich bin froh, wieder hier zu sein. Es ist etwas anderes, ob mir meine Familie beim Anziehen oder Zähneputzen hilft oder fremde Menschen“, sagt Lars Eberhard. Der tragische Zusammenstoß mit einer Mäh-Raupe liegt rund drei Monate zurück. Seine Unterarme und seine Hände sind schwer gezeichnet und vernarbt. Der kleine Finger der linken Hand fehlt. Auch sein Kinn trägt Spuren des schweren Unfalls.

Bei allem auf Hilfe angewiesen

Die BGHW begleitet die Familie seit dem Unfall. Lars und seine Mutter stehen im engen Austausch mit BGHW-Reha-Berater Hartmut Wahlig und seiner Kollegin Sabine Jordan. Sie steuern den Reha-Prozess mit der BG Klinik Tübingen, stimmen die Leistungen mit Therapeutinnen und Therapeuten und Familie Eberhard ab. „Eine derart schwere Handverletzung ist bei den Arbeitsunfällen der BGHW ein Ausnahmefall“, erklärt der Reha-Berater. „Beide Hände wurden fast abgetrennt. Dank der außerordentlichen ärztlichen operativen Leistungen, verfügt Lars wieder über seine Hände. Ziel ist nun, die maximale beherrschbare Funktion wiederzugewinnen“, erläutert Wahlig. Dies sei ein langer, nicht absehbarer Prozess. Bei allem, was Lars machen muss oder möchte, ist er auf Hilfe angewiesen. Die Folgen des Unfalls am 2. September 2025 haben sein Leben und das seiner Familie auf den Kopf gestellt. „In den Händen habe ich kaum Gefühl“, beschreibt er. Während Martina Eberhard ihren Sohn im täglichen Leben unterstützt, ihn zur Schule, zu den Therapien fährt und wieder abholt,  kümmert sich Vater Nico um die Firma. Lea hilft ihrem Bruder, sobald sie aus der Schule zurück ist. Die Großeltern kochen und übernehmen Fahrdienste. „Das Wichtigste für mich ist, dass meine ganze Familie hinter mir steht“, bekräftigt Lars. Die Eberhards führen in Wolfach-Halbmeil in dritter Generation einen Motoristenbetrieb für Forst-, Garten- und Reinigungstechnik. Lars begleitet seinen Vater seit seinem sechsten Lebensjahr, wenn dieser zur Kundschaft fährt, um Mäh-Roboter zu  installieren.

Ergotherapeutin Iris Stenzel im Porträt: Sie schaut freundlich in die Kamer. Die Brillenträgerin hat lange rote Haare. Am rechten Arm sieht man eine Tätowierung.

Lars hat einen Plan, er weiß, was er möchte. Und dafür kämpft er. Jeden Tag aufs Neue!

Ergotherapeutin Iris Stenzel

Dramatische Situation am Einsatzort

Die später hinzugekommenen Mäh-Raupen entwickeln sich zu Lars‘ Spezialgebiet. Am Unfalltag liefert Lars ein neues Gerät an einen Kunden aus. Bei der Vorführung der Mäh-Raupe kommt es durch eine Verkettung unglücklicher Umstände zu dem schweren Unfall „Wie genau alles passierte – ich weiß es nicht. Ich möchte auch nicht mehr daran denken“, so Lars. „Die Situation am Einsatzort gestaltete sich sehr dramatisch. Lars war schwerstverletzt, hatte viel Blut verloren“, erinnert sich Rettungssanitäterin Dunja Schmieder, die mit dem vierköpfigen Team der Johanniter-Unfallhilfe zur Unglücksstelle kam. „Glücklicherweise war er bereits durch zwei Feuerwehrmänner erstversorgt worden“, berichtet sie. Die Männer hatten schon einen Rettungshubschrauber alarmiert und die BG Klinik Tübingen informiert. „Ich merkte, wie ich immer schwächer wurde und dachte, jetzt geht es zu Ende“, erinnert sich der 19-Jährige. 

Im Ausnahmezustand

Als Lars nach mehr als 15-stündiger Not-Operation in der BG Klinik Tübingen die Augen öffnete, schaute er zuerst nach seinen Händen. „Nachdem ich gesehen habe, dass sie noch da sind, konnte ich wieder einschlafen“, schildert der BGHW-Versicherte. „Da wusste er noch nicht, dass der kleine Finger der linken Hand fehlt“, ergänzt seine Mutter. Elfeinhalb Wochen nach dem Unfall ist Lars wieder zu Hause. „Wir sind noch immer im Ausnahmezustand“, resümieren die Eltern. Einen Tag nach seiner Rückkehr geht er wieder zur Schule. „Ich hoffe, dass ich im April mein Abitur machen kann“, betont Lars. Seine Arbeiten kann er mündlich abliefern. „Jetzt bin ich etwas im Stress, muss einiges nachliefern“, sagt er.

Fortschritte sind spürbar

Handtherapie am Spezialgerät: Von hinten sind Ergotherapeutin Iris Stenzel, Lars Eberhard (beide sitzend) und Reha-Berater Hartmut Wahlig (stehend rechts) zu sehen. Alle schauen auf den Bildschirm des Therapie-Computers , an dem Lars seine Hände trainiert.
Lars bei der Hand-Therapie mit Ergotherapeutin Iris Stenzel und Reha-Berater Hartmut Wahlig.

Sein Zeitplan umfasst zudem fünfmal wöchentlich zwei Stunden Ergotherapie und 70 Minuten Physiotherapie. „Manchmal muss ich ihn bremsen“, verrät seine auf Hand-Rehabilitation spezialisierte Ergotherapeutin Iris Stenzel. Einmal wöchentlich arbeitet sie zu Hause mit ihm, wo er die Aktivitäten des täglichen Lebens trainiert, wie Duschen, Waschen oder Kühlschrank öffnen. In ihrer Praxis hat sie spezielle Therapiegeräte, die das Training der Hände unterstützen. Iris Stenzel ist zufrieden mit ihrem Patienten. Lars hat sich sehr gut entwickelt. „Zu Beginn war es schwierig. Wir mussten sehr vorsichtig sein“, erläutert sie. „Aber Lars ist ein junger lebensfroher Mensch, der trotz des wahnsinnigen Schicksalsschlags nicht aufgegeben hat." Ergotherapeutin Iris Stenzel (links) setzt spezielle Reha-Geräte für das Handtraining ein. „Lars hat einen Plan, weiß, was er möchte. Und dafür kämpft er. Jeden Tag aufs Neue“, unterstreicht die Ergotherapeutin. Begeistert von Lars‘ Willenskraft zeigt sich auch Physiotherapeut Matthias Schulte, der beinahe täglich mit Lars arbeitet: „Wir sehen deutliche Fortschritte, vor allem in den Bewegungen, die er inzwischen selbst durchführen kann“, schildert Schulte. 

„Ich spüre, dass ich Fortschritte mache“, sagt der BGHW-Versicherte. Er lässt keinen Zweifel daran, dass es ihm an Ehrgeiz und Willenskraft nicht fehlt. „Zu Hause umfasse ich manchmal den Lenker meiner Motocross-Maschine. Das geht von Mal zu Mal besser. Ich spüre, dass ich Fortschritte mache, und das fühlt sich richtig geil an. Es macht Spaß, zuzugucken, wie die passive Bewegung in meinen Fingern zurückkommt“, erzählt Lars und lacht. „Meine Ziele? Ich möchte wieder Auto- und Motocross-Fahren, im Wald Holz machen können und natürlich wieder selbstständig leben und arbeiten können.“ 

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