
Autofahren kann ich gut! Sicher?
Warum überschätzen wir uns am Steuer? Verkehrsexperte Kay Schulte vom DVR zeigt auf, wie Feedback zu mehr Selbstreflexion und Sicherheit im Straßenverkehr führt.

Die neue europäische Norm EN 17860 sorgt erstmals für einheitliche Sicherheitsstandards bei Lastenrädern. Ernst Brust, Sachverständiger für Mikromobilität und Gründer von Velotech.de, erklärt, warum diese Regelung für Hersteller, Betriebe und Fahrende wichtig ist – und welche Anforderungen künftig für gewerbliche Nutzung gelten.
Was regelt die neue EN 17860 konkret und warum war diese Norm notwendig?
Ernst Brust: Die EN 17860 ist die erste europaweit gültige Normenreihe für Lastenräder. Sie ersetzt die bisherige deutsche Norm DIN 79010 und schafft einen einheitlichen Rahmen für Begriffe, technische Anforderungen, Prüfmethoden und Sicherheitsaspekte. Notwendig wurde das, weil Lastenräder längst nicht mehr nur ein privates Transportmittel sind – sie werden zunehmend gewerblich eingesetzt, etwa für Logistik in Städten oder für innerbetriebliche Transporte. Mit der Norm lassen sich Risiken besser beherrschen und die Sicherheit für Fahrende und Dritte erhöhen.
Worin unterscheidet sich die neue Norm von der bisherigen DIN 79010?
Die DIN 79010 war eine nationale Norm, die alle Arten von Lastenrädern in einem Dokument zusammenfasste. EN 17860 geht deutlich weiter: Sie ist europäisch abgestimmt und aufgeteilt in mehrere Teile – für einspurige, mehrspurige und schwere Lastenräder, für elektrische Aspekte, Anhänger und auch den Personentransport. Das macht die Anforderungen präziser und passt sie besser an die unterschiedlichen Einsatzbereiche an.
Welche sicherheitsrelevanten Anforderungen sind neu hinzugekommen?
Mit der neuen EN 17860 werden Lastenräder erstmals europaweit nach einheitlichen Sicherheitskriterien geprüft.
Neu ist vor allem, dass die Anforderungen verbindlich sind. Sie betreffen Stabilität, Bremsleistung, Ladungssicherung, elektrische Systeme und Anhänger.
Können Sie Beispiele nennen?
Hinsichtlich Stabilität und Kippsicherheit schreibt die Norm auch Elchtest-Prüfungen vor, um die Kippneigung realistisch zu bewerten. Beim Elchtest werden dynamische Ausweichmanöver simuliert. Sowohl beim Abstellen als auch während der Fahrt muss das Rad stabil bleiben. Die Norm fordert ausdrücklich einen tiefen Schwerpunkt der Zuladung, um die Seitenstabilität zu erhöhen. Die Struktur des Rahmens muss die hohen Dauerbelastungen im gewerblichen Einsatz sicher aufnehmen. Prüfungen erfolgen mit realitätsnahen Lastzyklen. Typische Anpassungen sind verstärkte Schweißnähte und optimierte Rohr-Geometrien. Was die Bremsleistung angeht, muss die Bremswirkung immer auf das zulässige Gesamtgewicht des Fahrzeugs bezogen nachgewiesen werden – also inklusive Fahrer oder Fahrerin und maximaler Zuladung. Auch bei Nässe oder langen Gefällen darf die Verzögerung nicht unter die geforderten Grenzwerte fallen. Neu ist auch die klare Pflicht zur Absicherung der Transportgüter. Vorgeschrieben sind stabile Befestigungspunkte, Gurte oder Netze, die definierte Kräfte aufnehmen können. Damit soll das Verrutschen oder Herabfallen von Ladung verhindert werden. Erstmals werden Batterien, Verkabelungen und Steuerungen normativ geprüft – unter anderem auf Isolation, Überstromschutz und Vibrationsfestigkeit. Ebenfalls von der Norm abgedeckt ist die Verbindung zwischen Zugrad und Anhänger. Wichtig ist: Geprüft wird immer das vollständig ausgerüstete, verwendungsfertige Lastenrad, nicht nur einzelne Baugruppen.
Gibt es Unterschiede zwischen privat und gewerblich genutzten Lastenrädern?
Ja, die Norm unterscheidet sehr klar. Für privat genutzte Lastenräder gelten geringere Prüfanforderungen, da die Belastung im Alltag typischerweise niedriger ist. Für den gewerblichen oder professionellen Einsatz hingegen gibt es zusätzliche Belastungs- und Dauerhaltbarkeitstests – schließlich müssen diese Fahrzeuge häufig im Dauereinsatz zuverlässig funktionieren.
Was bedeutet die Norm für Unternehmen, die Lastenräder betrieblich nutzen?
Für Unternehmen bedeutet sie Rechtssicherheit. Sie können Lastenräder künftig normgerecht beschaffen und wissen, dass die grundlegenden Sicherheitsanforderungen erfüllt sind. Gleichzeitig können sie ihre Pflichten im Arbeitsschutz besser nachweisen – etwa gegenüber Berufsgenossenschaften oder Aufsichtsbehörden.
Müssen Unternehmen ihre bestehenden Lastenräder jetzt überprüfen oder sogar nachrüsten?
Eine Nachrüstpflicht gibt es nicht. Bestehende Räder dürfen weiter genutzt werden. Allerdings empfehle ich, die eigenen Bestände mit Blick auf die neuen Anforderungen zu überprüfen – etwa bei Bremsen, Stabilität oder Ladungssicherung. Unternehmen können so frühzeitig erkennen, wo Risiken bestehen, und diese im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen.
Drei Teile der Norm sind bereits veröffentlicht. Was erwartet uns in den noch ausstehenden Teilen?
Neben den bereits veröffentlichten Teilen zu Begriffsbestimmungen, leichten ein- und mehrspurigen Lastenrädern sowie elektrischen Aspekten kommen jetzt noch drei wichtige Ergänzungen: Teil 4 für schwere Lastenräder mit hohen Transportlasten, Teil 6 für den Personentransport – beispielsweise Kinder oder Mitfahrende – und Teil 7 für Lastenanhänger. Damit deckt die EN 17860 die gesamte Bandbreite der heutigen Lastenrad-Nutzung ab.
Die neue europäische Norm bedeutet für die Betriebe vor allem Rechtssicherheit und eine klare Orientierung im Arbeitsschutz.
Darauf sollten Unternehmer und Unternehmerinnen bei der Sicherheit ihrer Lastenräder achten:
Nur geprüfte Fahrzeuge verwenden: auf EN 17860-Zertifizierung des verwendungsfertigen Lastenrads achten.
Tiefer Schwerpunkt: möglichst tief beladen, um die Fahrstabilität zu erhöhen.
Ladung sichern: Netze, Gurte oder geschlossene Boxen einsetzen.
Wartung dokumentieren: Bremsen, Ständer und Rahmen regelmäßig prüfen.
Bremsen unter Last testen: Verzögerung bei voller Beladung kontrollieren.
Fahrpersonal schulen: korrektes Beladen, Bremsverhalten und Ausweichmanöver (Elchtest) üben.
Altbestand bewerten: vorhandene Räder auf Stabilität, Bremsleistung und Schwerpunkt prüfen – Nachrüstungen sind empfehlenswert.
Das Unternehmen mit Sitz in Schweinfurt ist ein weltweit anerkanntes, akkreditiertes Prüflabor für Mikromobilitätsfahrzeuge und Produktsicherheit. Velotech.de unterstützt Hersteller mit Beratung, Prüfung und Zertifizierungen für einzelne Baugruppen und Komplettfahrzeuge.

Warum überschätzen wir uns am Steuer? Verkehrsexperte Kay Schulte vom DVR zeigt auf, wie Feedback zu mehr Selbstreflexion und Sicherheit im Straßenverkehr führt.
Mehr Lastenräder, mehr Unfälle: Eine BGHW-Analyse zeigt Risiken. Die neue EU-Norm EN 17860 sorgt jetzt für klare Sicherheitsstandards – besonders im Betrieb.
Warnkleidung ist einer der wichtigsten Bestandteile der persönlichen Schutzausrüstung. Doch was macht gute Warnkleidung wirklich aus?
Wenn es um Gesundheit, Ernährung und mentale Stärke geht, ticken Musiker und Fußballprofis erstaunlich ähnlich. Was können Beschäftigte und Führungskräfte von ihnen lernen?
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement bietet auch ökologisch viele Stellschrauben, um als Unternehmen vorausschauend zu agieren.

Beim Unternehmen Alexander Bürkle setzt Gesundheitsmanagerin Lea Gärtner auf ganzheitliches Gesundheitsmanagement – gemeinsam mit Arbeitssicherheit und Personal.
Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!
E-Mail:
hundertprozent(at)bghw.de