Junger Motorradfahrer mit Helm
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 5 Minuten

Zwei Räder – null Fehlertoleranz

Mit den ersten warmen Tagen beginnt auch die Motorradsaison. Doch der Start ins Frühjahr bringt Risiken mit sich: Technik, Fahrpraxis und Straßenbedingungen stellen nach der Winterpause neue Anforderungen. Was sollten Fahrerinnen und Fahrer jetzt beachten, um sicher unterwegs zu sein?

Das Wichtigste im Überblick

  • Fahrerinnen und Fahrer sollten vor der ersten Ausfahrt ihre Maschine gründlich prüfen, Reifen, Bremsen, Kette, Flüssigkeiten und Beleuchtung kontrollieren und mögliche Mängel rechtzeitig beheben lassen.
  • Nach der Winterpause bewusst langsam wieder einsteigen und mit kürzeren Touren beginnen, Tempo und Streckenlänge schrittweise steigern und bei Bedarf ein Sicherheitstraining absolvieren.
  • Motorradfahrende müssen die besonderen Risiken des Frühjahrs berücksichtigen, weil feuchte Fahrbahnen, Frostschäden, Rollsplitt und eine noch ungewohnte Verkehrssituation das Unfallrisiko erhöhen.
  • Fahrerinnen und Fahrer sollten konsequent vollständige Schutzkleidung tragen, ein intakter Helm, Protektoren, feste Stiefel und gut sichtbare Kleidung reduzieren das Verletzungsrisiko deutlich.

Sicher in die Motorradsaison starten

Wenn die ersten warmen Tage den Asphalt trocknen und die Sonne länger scheint, beginnt für viele die schönste Zeit des Jahres: die Motorradsaison. Die Maschine wird aus dem Winterschlaf geholt, der Helm poliert, die Route geplant. Doch Vorsicht! Motorradfahren ist ein Reiz mit hohem Risiko. Bezogen auf die Fahrleistung ist das Risiko, bei einem Unfall tödlich zu verunglücken, deutlich höher als beim Autofahren. Zwei Räder bedeuten also null Fehlertoleranz.

Ölstand prüfen
Das gehört zum Frühjahrscheck: Flüssigkeiten wie Motoröl, Bremsflüssigkeit und Kühlmittel prüfen.

Die Maschine: Technik ist keine Nebensache

Deshalb: Vor der ersten Ausfahrt steht der nüchterne Blick in die Garage. Ein gründlicher Technikcheck ist Pflicht – und zwar nicht erst am Morgen der geplanten Tour.

Was jetzt geprüft werden sollte:

  • Reifen: Profiltiefe mindestens 1,6 mm, besser 2 mm; Luftdruck kontrollieren
  • Bremsen: Beläge, Scheiben, Druckpunkt, Bremsleitungen
  • Kette: reinigen, schmieren, korrekt spannen
  • Flüssigkeiten: Motoröl, Bremsflüssigkeit, Kühlmittel
  • Batterie und Beleuchtung: Funktionstest bei laufendem Motor

Nach einigen Kilometern empfiehlt sich eine erneute Kontrolle. Denn kleine Mängel zeigen sich oft erst im Fahrbetrieb.

Der Mensch: Motorradfahren ist Sport

Auch ein realistischer Blick auf die eigene Leistungsfähigkeit ist wichtig. Denn nach mehreren Monaten Fahrpause sind Routine, Reaktionsgeschwindigkeit und Körpergefühl nicht automatisch auf dem alten Stand. Motorradfahren fordert aber Konzentration, Koordination und Kraft. Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat (DVR) empfiehlt daher, die ersten Touren langsam anzugehen und die Fahrtdauer schrittweise zu steigern. Trainiert werden sollten auf den ersten Touren die Blickführung, die Kurventechnik sowie Brems- und Ausweichmanöver. Übrigens:  Zwei Drittel der tödlichen Motorradunfälle ereignen sich auf Land- und Bundesstraßen – häufig bei gutem Wetter. Das zeigt, nicht Nässe ist das Hauptproblem, sondern die Selbstüberschätzung der Fahrenden. Besonders junge Fahrerinnen und Fahrer neigen dazu, ihre Maschine und ihre Fähigkeiten zu überschätzen.

Sicher starten – Checkliste 

Vor der ersten Fahrt:
Technik-Check durchführen oder durchführen lassen
Reifendruck prüfen
Bremsen testen
Kette schmieren
Batterie laden

Unterwegs:
Erste Tour kurzhalten
Blickführung und Bremsen üben
Komplette Schutzkleidung tragen
Defensiv fahren – besonders an Kreuzungen

Symbol für Zusammenfassung des nachfolgenden Seiteninhalts

Das Frühjahr: besondere Gefahren auf der Straße

Motorrad auf Landstraße
Die Straßenbedingungen sind im März und April für Motorradfahrer oft schwieriger als gedacht.

Und auch das sollte man wissen: Der Asphalt ist im März und April tückischer als er aussieht. Die Straßenbedingungen sind schwieriger als gedacht. In Waldstücken und auf Brücken kann es morgens noch feucht oder glatt sein. Frostschäden führen zu Schlaglöchern, hinzu kommen Rollsplittreste vom Winterdienst. Diese Faktoren erhöhen besonders in Kurven das Sturzrisiko. Hinzu kommt ein weiterer Aspekt: Autofahrerinnen und Autofahrer haben sich über den Winter an ein Straßenbild ohne Motorräder gewöhnt. Geschwindigkeit und Beschleunigung von Zweirädern werden häufig unterschätzt. An Kreuzungen, Einmündungen oder bei abbiegenden Fahrzeugen entstehen dadurch gefährliche Situationen. Was bedeutet das? Vor allem defensiv fahren, Abstand halten und jederzeit mit Fehlern anderer rechnen. Besonders zu Beginn der Saison ist eine erhöhte Aufmerksamkeit entscheidend. Wer langsamer startet und sich schrittweise wieder an Tempo und Streckenlänge herantastet, reduziert sein Unfallrisiko deutlich.

Schutzkleidung: sichtbar, abriebfest, vollständig

Und noch ein Tipp: „Nur mal schnell zur Eisdiele“ ohne vollständige Schutzkleidung sollte selbstverständlich jede Motorradfahrerin und jeder -fahrer vermeiden. Der DVR empfiehlt gut sichtbare, abriebfeste Kleidung mit Protektoren. Das Visier sollte frei von Kratzern sein, um Blendeffekte zu vermeiden. Auch robuste, hohe Stiefel sind wichtig. Und nicht vergessen: Nach der Winterpause vor der ersten Tour seine Schutzkleidung erst einmal anprobieren: Sitzt alles noch? Ist das Leder gepflegt, die Textilkleidung gewaschen und imprägniert?

BGHW-Angebote zur Verkehrssicherheit

Motorrad-Fahrsicherheitstraining

DVR und BGHW haben verschiedene Sicherheitstrainings für Fahrerinnen und Fahrer von Kraftfahrzeugen entwickelt, darunter auch für Motorräder. Diese Training können für Auszubildende mit bis zu 120 Euro bezuschusst werden. Weitere Infos dazu lesen Sie hier.

Pedelec-Fahrsicherheitstraining

Jetzt im Frühjahr startet auch die Fahrradsaison und viele Beschäftigten kommen regelmäßig mit dem Pedelec zu Arbeit. Sie als Unternehmer wollen, dass Ihre Mitarbeitenden damit sicher unterwegs sind? Wir unterstützen Sie dabei – mit unserem Pedelec-Fahrsicherheitstraining.

Sicher in meiner Region

Das Seminarprogramm “Sicher in meiner Region – Regio Protect UVT” besteht aus zwei Präsenzmodulen und einem flexiblen Onlinemodul. Ziel der Maßnahme ist, das besonders hohe Unfallrisiko junger Beschäftigter im Alter von 16 bis 29 Jahre abzusenken. Junge Menschen sollen ihre Kompetenzen in der Blickführung und entsprechende Beobachtungsstrategien ausbauen. 

Alle Angebote der BGHW zur Verkehrssicherheit finden Sie hier.

„komm gut an.“

Die Kampagne „komm gut an.“ ist eine Initiative der BGHW und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Auf dem Kanal TikTok machen Azubis für Azubis die Verkehrssicherheit zum Thema. Ziel der Kampagne ist es, junge Menschen für die Gefahren im Verkehr auf den Straßen und im Betrieb zu sensibilisieren und die sichere Mobilität in der Berufsausbildung zu fördern. Zudem bietet sie Verantwortlichen aus den BGHW-Mitgliedsunternehmen Informationen, Seminare und Handlungshilfen zum Thema.

Zum TikTok-Kanal @komm.gut.an
BGHW-Angebote zur Gestaltung sicherer Mobilität in der Berufsausbildung
Hintergrund zur Kampagne „Komm gut an.“
Hundert Prozent: BGHW-Kampagne zweifach ausgezeichnet
Postcast: Warum DVR und BGHW mit “Komm gut an.” Millionen erreichen

Kreisrundes Logo der Kampagne "komm gut an."

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