Zwei Hafenarbeiter mit Funkgeräten stehen vor Autotransportschiff im Hafen.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Gehörschutz, der verbindet

Am BLG Autoterminal Bremerhaven gehört Lärm bei der Arbeit auf den Frachtschiffen zum Alltag. Das Praxisbeispiel von BLG Logistics zeigt, wie im Bereich „High & Heavy“ wirksamer Gehörschutz mit sicherer Kommunikation kombiniert wird – und warum am Ende alle davon profitieren.

Das Wichtigste im Überblick

  • Im Bereich „High & Heavy“ am BLG Autoterminal Bremerhaven arbeiten Beschäftigte dauerhaft unter hoher Lärmbelastung.
  • Herkömmliche Ohrstöpsel aus Schaumstoff boten zwar Schutz, erschwerten aber die Funkkommunikation unter den Vorarbeitern.
  • Maßgefertigte Otoplastiken mit Bluetoothverbindung ermöglichen wirksamen Gehörschutz und klare Verständigung über Funk.
  • Die Lösung verbessert die Sicherheit, den Tragekomfort und die Hygiene.
  • Inzwischen hat BLG Logistics 230 Mitarbeitende bei „High & Heavy“ mit Otoplastiken ausgestattet, darunter 70 Vorarbeiter mit der Bluetooth-Variante.
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Schutz vor Lärm im Hafenalltag

Fünf Hafenarbeiter stehen nebeneinander im Frachtschiff und stecken sich ihren Gehörschutz in die Ohren.

An diesem Wintermorgen hat das Frachtschiff „Auto Way“ am BLG Autoterminal in Bremerhaven angelegt und ragt haushoch an der Kaimauer empor. Noch ist die Heckrampe geschlossen, doch das Team der Lascher im Bereich „High & Heavy“ von BLG Logistics wartet bereits in Kleinbussen am Kai. Sobald sich der Schlund des knapp 200 Meter langen Frachters öffnet, beginnt ihre Arbeit. Dreizehnmal löschen, einmal laden – so lautet der Auftrag für das Schiff aus Oslo. Wie der Name „High & Heavy“ schon sagt, verladen die BLG-Hafenarbeiter im RoRo-Verfahren alles, was groß und schwer ist – außer Pkw. RoRo steht für Roll on/Roll off. Das bedeutet: Die Ladung wird nicht mit Kränen an Bord gehoben, sondern rollt auf eigenen Rädern oder auf Rolltrailern auf das Schiff und wieder herunter. Die Bandbreite der Güter reicht von großen Baumaschinen über Traktoren bis hin zu Turbinen. Pro Jahr schlägt der Bereich „High & Heavy“ am BLG Autoterminal rund eine Million Tonnen Güter um.

Schwere Ladung und hohe Lärmpegel

An Deck sichern die Lascher die beladenen Trailer mit schweren Ketten und Vorspannern. Diese werden mithilfe einer Laschkeule, einem Akkuschrauber, festgezogen und beim Löschen der Ladung wieder gelöst. Die körperlich anspruchsvolle Arbeit wird begleitet von einer Geräuschkulisse, die kaum Pausen kennt: Ketten rasseln, Laschkeulen surren, Zugmaschinen donnern über die Rampen zwischen den Schiffsdecks, während im Hintergrund die Schiffslüftung röhrt. Eine lärmende Mischung, die das Gehör dauerhaft belastet. Wie laut es tatsächlich ist, weiß Wolfgang Pajer. Die Aufsichtsperson der BGHW führte schon Lärmschutzmessungen für „High & Heavy“ im Frachtschiff durch und stellte einen Mittelwert von 88 Dezibel fest. Zum Vergleich: Liegt der Tageslärmpegel über 80 Dezibel, müssen Unternehmen Gehörschutz zur Verfügung stellen. Ab 85 Dezibel sind Beschäftigte verpflichtet, ihn zu tragen. Andernfalls drohen dauerhafte Gehörschäden.

BLG Autoterminal Bremerhaven

BLG Logistics ist ein internationaler Seehafen- und Logistikdienstleister mit Hauptsitz in Bremen und fast 100 Standorten weltweit. Am BLG Autoterminal Bremerhaven arbeiten rund 230 Mitarbeitende im Bereich High & Heavy. Mit einem Umschlagsvolumen von etwa einer Million Tonnen pro Jahr zählt das Terminal zu den größten seiner Art in Europa.

Herkömmlicher Gehörschutz stößt an Grenzen

Aufsichtsperson der BGHW mit Helm und Warnjacke vor Autotransportschiff im Hafen. In der Hand hält er eine Otoplastik.
BGHW-Aufsichtsperson Wolfgang Pajer begleitete den Bereich „High & Heavy“ bei der Suche nach dem optimalen Gehörschutz für die Hafenarbeiter.

Die BLG stellte ihren Mitarbeitenden bisher Gehörschutz in Form von Ohrstöpseln aus Schaumstoff zur Verfügung. Doch im Arbeitsalltag zeigte sich ein Problem. „Im Zusammenhang mit Ermittlungen zu Berufskrankheiten wurde deutlich, dass Mitarbeitende mit Gehörschäden weiterhin im Lärm arbeiteten und gleichzeitig per Funk kommunizieren mussten“, erklärt Wolfgang Pajer. „Die Ohrstöpsel erschwerten die Verständigung über Funk. Also wurden sie herausgenommen.“ Im Rahmen der Individualprävention ist es die Aufgabe der BGHW, Erkrankte vor weiteren gesundheitlichen Schäden zu schützen. Gleichzeitig müssen insbesondere die Vorarbeiter bei „High & Heavy“ jederzeit erreichbar sein und Arbeitsabläufe koordinieren können. „Wir brauchten also einen Gehörschutz, der bequem ist und sich mit Funksprechgeräten verbinden lässt“, fasst Pajer die Anforderung zusammen.

Passgenau mit Kommunikationsfunktion: Otoplastiken

Die Lösung: Maßgefertigte Otoplastiken mit integrierter Bluetooth-Technologie, die sich drahtlos mit Bluetooth-fähigen Funkgeräten koppeln lassen. Sie dämmen den Lärm zuverlässig, lassen Sprache jedoch gezielt durch – eine Kombination, die Sicherheit und Kommunikation vereint. „Um unsere Mitarbeitenden in Arbeitsbereichen mit hoher Lärmbelastung bestmöglich zu schützen, haben wir bewusst in Otoplastiken investiert. Unsere ‚Vorarbeiter Deck‘ können nun klar über Funk kommunizieren und gleichzeitig ihr Gehör schützen“, sagt Michael Fulle, Operation Manager Admin High & Heavy. Inzwischen sind 230 Mitarbeitende mit Otoplastiken ausgestattet, darunter „70 Vorarbeiter Deck“, die die Bluetooth-Variante nutzen. Auch wirtschaftlich zahle sich die Investition aus, erläutert Sonja Klüthemeyer-Lange, Fachkraft für Arbeitssicherheit bei BLG Logistics: „Schaumstoffstöpsel müssen aus hygienischen Gründen sehr häufig ersetzt werden. Otoplastiken hingegen halten mehrere Jahre, lassen sich leicht reinigen und reduzieren zudem das Risiko von Ohrinfektionen.“

Neuer Gehörschutz kommt gut an

Bevor er in der Frühschicht die Arbeit an Deck der „Auto Way“ beginnt, holt Thomas Gottschalk die kleine Box mit seinen Otoplastiken aus der Tasche. Eine Schnur verbindet die beiden Ohrstücke, damit sie beim Herausnehmen nicht verloren gehen. Der langjährige Hafenarbeiter ist zufrieden: „Die Schaumstoffstöpsel haben im Ohr gedrückt, das war sehr unangenehm. Deshalb habe ich sie manchmal gar nicht benutzt. Mit den neuen Otoplastiken komme ich jetzt sehr gut klar.“ Auch sein Kollege Christian Zimmermann berichtet von positiven Erfahrungen: „Am Anfang war es etwas gewöhnungsbedürftig, weil die Otoplastiken nur in einer bestimmten Position richtig im Ohr sitzen. Aber wenn sie einmal drin sind, erleichtern sie unsere Arbeit deutlich. Die Abläufe an Deck lassen sich so viel besser steuern, weil Absprachen über Funk klar funktionieren. Wir fühlen uns jetzt bei der Arbeit an Deck insgesamt sicherer.“

Glossar

RoRo-Schiffe transportieren bewegliche Güter im Roll-on-/Roll-off-Verfahren: Die Last wird nicht mit einem Kran an Bord gehoben, sondern rollt auf eigenen Rädern auf das Schiff und wieder herunter. Dies geschieht mit eigener Zugmaschine autark. Auflieger und Brückenfahrzeuge ohne eigene Zugmaschine werden von speziellen Hafen-Zugmaschinen geschleppt.

Lascher und Lascherinnen nennt man Hafenarbeiter und -arbeiterinnen, die Schiffsladungen an Bord von Schiffen befestigen (laschen) und wieder lösen (entlaschen).

Eine Otoplastik ist ein individuell gefertigter Gehörschutz. Dafür wird das Ohr mit Silikon abgeformt. Die passgenaue Form sorgt für hohen Tragekomfort, eine gute Abdichtung des Gehörgangs und damit für einen wirksamen Schutz vor Lärm.

Lärmschutzportal der BGHW

Das Online-Portal der BGHW zu Lärm- und Gehörschutz klärt über Risiken und Präventionsmaßnahmen auf. Mit Infografiken, Erklärvideos und Hörsimulation bietet es kostenloses Material und Services für den Austausch mit den Beschäftigen, für Unterweisungen und Gesundheitstage.

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