Frau auf einem omnidirektionalen Laufband mit VR-Brille.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Virtuell durch's echte Leben

Stolpern, Rutschen und Stürzen wirksam verhindern? Dafür hat die DGUV verschiedene Trainings zur Prävention entwickelt und wissenschaftlich überprüft. Ein Baustein: eine virtuelle Stadtumgebung, um typische Gefahren realitätsnah zu trainieren.

Das Wichtigste im Überblick

  • Die DGUV hat mit dem Projekt „Entrapon“ verschiedene Präventionstrainings entwickelt, um das Stolpern, Rutschen und Stürzen (SRS) wirksam zu verhindern.
  • Ein Baustein ist ein VR-Training, das typische SRS-Gefahren für Zusteller realitätsnah simuliert.
  • In einer virtuellen Stadtumgebung trainieren Teilnehmende mit VR-Brille und omnidirektionalem Laufband, Gefahren zu erkennen und situativ richtig zu handeln.
  • Ziel ist nicht nur Wissensvermittlung, sondern das Einüben sicherer Verhaltensweisen in praxisnahen Alltagssituationen.
  • Weitere Trainings wie ein Stolper-Parcours zeigen: Kurzfristig verbessern sich Reaktionsfähigkeit und körperliche Reflexe deutlich.
  • Grundlage für die Trainings ist der BGHW-Lagersimulator, dessen Wirksamkeit durch das Projekt zusätzlich wissenschaftlich bestätigt wurde.
  • BGHW-Mitgliedsbetriebe können den Lagersimulator kostenlos ausleihen.
     

Wenn die Auslieferung zur Risiko-Route wird

Porträt von Jan Zimmermann, Referatsleiter „Grundlagen der Maschinensicherheit & Softwarelösungen“ am Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) und Leiter der Studie Entrapon
Jan Zimmermann hat das Projekt Entrapon geleitet und ist am Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) zuständig für Grundlagen der Maschinensicherheit und Softwarelösungen.

Ein nasser Gehweg, ein umgekippter E-Roller, halb im Gebüsch halb auf dem Pflaster, und Laub, das die Bordsteinkante verdeckt: Für Zustellerinnen und Zusteller sind das keine Nebensächlichkeiten, sondern potenzielle Unfallstellen. Sie sind täglich im öffentlichen Raum und auf fremden Privatgrundstücken unterwegs, Hindernisse gehören zum Arbeitsalltag. Dafür zu sensibilisieren und die körperlichen Reflexe zu trainieren, war eines der Ziele des DGUV-Forschungsprojekts Entrapon. Teilnehmende waren unter anderem Post- und Paketzusteller von DHL. 

Training in der virtuellen Stadt

„Im Rahmen von Entrapon haben wir für ein Training eine virtuelle Stadtumgebung entwickelt, die typische Gefahren bei der Zustellung realitätsnah abbildet: verschmutzte Wege, Baustellen, herumliegende Gegenstände oder witterungsbedingte Risiken“, sagt Jan Zimmermann, Leiter des Projekts und am Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) zuständig für Grundlagen der Maschinensicherheit und Softwarelösungen. Ausgangsbasis für dieses Training war der Lagersimulator der BGHW (siehe Kasten). Die DHL-Testgruppe bewegte sich in der virtuellen Umgebung auf einem Laufband, das eine Fortbewegung in jede beliebige 360-Grad-Richtung ermöglicht. Mithilfe einer VR-Brille tauchten die Teilnehmenden in die Simulation ein, liefen durch Straßenzüge und mussten Gefahren erkennen, bewerten und angemessen reagieren. Eine Pfütze kann man nicht wegwischen, lose Stufen nicht einfach austauschen. Die Zustellerinnen und Zusteller lernten, alternative Maßnahmen zu wählen – etwa das eigene Verhalten anzupassen oder im Zweifel eine Zustellung abzubrechen. „Uns war wichtig, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sicheres Handeln in praxisnahen Situationen zu trainieren“, erläutert Jan Zimmermann. 

Porträt von Dr. Christoph Wetzel, Experte für Sturzunfälle bei der BGHW
Dr. Christoph Wetzel ist bei der BGHW Experte für Sturzunfälle.

Körperliche Reflexe kurzzeitig verbessert 

Weitere Projektbausteine waren ein Laufbandtraining mit virtuellen oder mechanischen Gangstörungen sowie ein Stolper-Parcours in einem Messanzug. Das Ergebnis: Direkt nach dem Training reagierten die Teilnehmenden spürbar sicherer, selbst bei plötzlichen Stolpergefahren. Ein Langzeiteffekt war noch nicht nachweisbar, hierfür könnte eine höhere Trainingsdosis erforderlich sein. 

Wirksamkeit von BGHW-Angebot

Christoph Wetzel, BGHW-Experte für Sturzunfälle, ist zufrieden: „Der von der BGHW und dem IFA entwickelte Lagersimulator kommt bei unseren Mitgliedsbetrieben sehr gut an. Dass er im Entrapon-Projekt als Grundlage für die virtuelle Stadtumgebung diente und seine Wirksamtkeit somit auch wissenschaftlich belegt ist, freut uns sehr.“ 

Training wirkt

  • Das Training in der virtuellen Stadtumgebung baut auf dem „Lagersimulator“ der BGHW auf. Dieser bildet ebenfalls mithilfe von VR-Brille und Laufband Gefahrenstellen in Lagerhallen nach und sensibilisiert dafür.
  • Dieser Simulator sowie der „Supermarktsimulator“ sind im BGHW-mobil installiert, das Mitgliedsunternehmen kostenlos buchen können. 
     
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