
Wenn die Berufsgenossenschaft anklopft
„Oh je, die Berufsgenossenschaft kommt!“ Sie müssen keine Bauchschmerzen bekommen, wenn sich die BG für eine Betriebsbegehung anmeldet. Wichtige Tipps für die Vorbereitung.

Stolpern, Rutschen und Stürzen wirksam verhindern? Dafür hat die DGUV verschiedene Trainings zur Prävention entwickelt und wissenschaftlich überprüft. Ein Baustein: eine virtuelle Stadtumgebung, um typische Gefahren realitätsnah zu trainieren.
Ein nasser Gehweg, ein umgekippter E-Roller, halb im Gebüsch halb auf dem Pflaster, und Laub, das die Bordsteinkante verdeckt: Für Zustellerinnen und Zusteller sind das keine Nebensächlichkeiten, sondern potenzielle Unfallstellen. Sie sind täglich im öffentlichen Raum und auf fremden Privatgrundstücken unterwegs, Hindernisse gehören zum Arbeitsalltag. Dafür zu sensibilisieren und die körperlichen Reflexe zu trainieren, war eines der Ziele des DGUV-Forschungsprojekts Entrapon. Teilnehmende waren unter anderem Post- und Paketzusteller von DHL.
„Im Rahmen von Entrapon haben wir für ein Training eine virtuelle Stadtumgebung entwickelt, die typische Gefahren bei der Zustellung realitätsnah abbildet: verschmutzte Wege, Baustellen, herumliegende Gegenstände oder witterungsbedingte Risiken“, sagt Jan Zimmermann, Leiter des Projekts und am Institut für Arbeitsschutz der DGUV (IFA) zuständig für Grundlagen der Maschinensicherheit und Softwarelösungen. Ausgangsbasis für dieses Training war der Lagersimulator der BGHW (siehe Kasten). Die DHL-Testgruppe bewegte sich in der virtuellen Umgebung auf einem Laufband, das eine Fortbewegung in jede beliebige 360-Grad-Richtung ermöglicht. Mithilfe einer VR-Brille tauchten die Teilnehmenden in die Simulation ein, liefen durch Straßenzüge und mussten Gefahren erkennen, bewerten und angemessen reagieren. Eine Pfütze kann man nicht wegwischen, lose Stufen nicht einfach austauschen. Die Zustellerinnen und Zusteller lernten, alternative Maßnahmen zu wählen – etwa das eigene Verhalten anzupassen oder im Zweifel eine Zustellung abzubrechen. „Uns war wichtig, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern sicheres Handeln in praxisnahen Situationen zu trainieren“, erläutert Jan Zimmermann.
Weitere Projektbausteine waren ein Laufbandtraining mit virtuellen oder mechanischen Gangstörungen sowie ein Stolper-Parcours in einem Messanzug. Das Ergebnis: Direkt nach dem Training reagierten die Teilnehmenden spürbar sicherer, selbst bei plötzlichen Stolpergefahren. Ein Langzeiteffekt war noch nicht nachweisbar, hierfür könnte eine höhere Trainingsdosis erforderlich sein.
Christoph Wetzel, BGHW-Experte für Sturzunfälle, ist zufrieden: „Der von der BGHW und dem IFA entwickelte Lagersimulator kommt bei unseren Mitgliedsbetrieben sehr gut an. Dass er im Entrapon-Projekt als Grundlage für die virtuelle Stadtumgebung diente und seine Wirksamtkeit somit auch wissenschaftlich belegt ist, freut uns sehr.“

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