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Gewalt hat viele Facetten: von Beleidigungen und Bedrohungen über körperliche Attacken bis zum brutalen Überfall. In der Arbeitswelt nimmt gerade verbale Gewalt immer mehr zu. Dr. Holger Pressel, AOK Baden-Württemberg, hat sich intensiv mit dem Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz befasst. HUNDERT PROZENT hat bei ihm nachgefragt.
Herr Dr. Pressel, Gewalt am Arbeitsplatz, was heißt das?
Dr. Holger Pressel: Unter Gewalt versteht jeder etwas anderes. Die Europäische Agentur für Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz definiert Gewalt „als eine Bandbreite von inakzeptablen Verhaltensweisen und Praktiken oder deren Androhung (…), die darauf abzielen, zur Folge haben oder wahrscheinlich zur Folge haben, physischen, psychischen, sexuellen oder wirtschaftlichen Schaden zu verursachen, und umfasst auch geschlechtsspezifische Gewalt und Belästigung“.
Geht Gewalt jeden an?
Dr. Holger Pressel: Jeden! Vom Mitarbeitenden über die Führungskraft bis zur Unternehmensleitung. Körperliche und psychische Gewalt durch Kundinnen und Kunden sind nicht nur für die betroffenen Personen eine dramatische Erfahrung. Sie verursachen auch einen wirtschaftlichen Schaden. Denn durch Gewalt am Arbeitsplatz kommt es zu hohen Fehlzeiten, Kosten für Entschädigungen, Heilbehandlungen sowie neuen Unfallrenten.
Was kann eine Einzelhändlerin oder ein Einzelhändler präventiv machen?
Dr. Holger Pressel: Intensiv im Betrieb auf allen Ebenen über dieses Thema sprechen und sowohl technische, organisatorische als auch personenbezogene Schutz- und Präventionsmaßnahmen ergreifen.
Welche Bedeutung hat die Gefährdungsbeurteilung?
Dr. Holger Pressel: Sie ist in der Prävention der Dreh- und Angelpunkt. Anhand der Gefährdungsbeurteilung können Unternehmen prüfen, weshalb Konflikte regelmäßig auftreten. Welche Arbeitsabläufe und Situationen führen immer wieder zu verbalen Übergriffen? Wie lassen sich diese präventiv entschärfen?
Muss sich ein Unternehmen explizit gegen Gewalt positionieren?
Dr. Holger Pressel: Ja. Jedes Unternehmen sollte eine Null-Toleranz-Strategie gegenüber jeder Form von Gewalt fahren. Damit signalisiert ein Unternehmen seinen Beschäftigten, dass ihm ihre Sicherheit wichtig ist, und nimmt sie ernst. Wenn Beschäftigte den Eindruck haben, von Vorgesetzten als ängstlich, überempfindlich oder überfordert angesehen zu werden, sobald sie Fälle von Gewalt melden, fehlt die Basis für künftige Meldungen und für ein erfolgsversprechendes präventives Handeln.
Sollte jedes Gewaltereignis am Arbeitsplatz als Arbeitsunfall gemeldet werden?
Dr. Holger Pressel: Ja, aber in der Praxis wird das noch nicht konsequent gemacht, sonst wäre das Bewusstsein für Gewalt wahrscheinlich ein anderes.
Woran liegt das?
Dr. Holger Pressel: Wird ein Mitarbeitender körperlich verletzt, ist das ganz offensichtlich ein Arbeitsunfall, der entsprechend dokumentiert, untersucht, aufgearbeitet und der Berufsgenossenschaft gemeldet wird. Meldepflichtig sind Arbeitsunfälle, die eine Arbeitsunfähigkeit von mehr als drei Tagen oder den Tod zur Folge haben. Aber auch Übergriffe, die keinen akuten körperlichen Schaden nach sich ziehen, können gemeldet werden. Sie erscheinen zwar manchmal erst folgenlos. Aber zeitlich verzögert können sie noch zu erheblichen gesundheitlichen Reaktionen führen.
Psychische Gewalt braucht also mehr Beachtung?
Dr. Holger Pressel: Unbedingt. Denn die meisten Übergriffe haben psychische Folgen, beispielsweise Schlafstörungen, Angst, Selbstzweifel bis hin zu Depressionen und dem Wunsch, die Tätigkeit oder den Arbeitgeber zu wechseln.
Dr. Holger Pressel ist Politik- und Verwaltungswissenschaftler bei der AOK Baden-Württemberg. Dort ist er zuständig für Politik, Verbände und Gremienmanagement. Im Oktober 2020 hat er das Buch „Umgang mit Gewalt am Arbeitsplatz – Prävention, Deeskalation, Nachsorge“ herausgebracht.
Das Buch informiert über die Entstehung von Gewalt am Arbeitsplatz. Es zeigt auf, wie sie sich reduzieren lässt, und klärt über die Nachsorge auf.

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