
Neue EN 17860: Sicherheitsstandards für Lastenräder
Die EN 17860 schafft erstmals europaweite Sicherheitsstandards für Lastenräder. Experte Ernst Brust erklärt, was sie für Unternehmen bedeutet.

Die meisten Menschen halten sich für gute oder sehr gute Autofahrende. Kann das denn sein? Warum oft Selbstüberschätzung im Spiel ist, wie Technik diese Tendenz sogar verstärken kann und warum Rückmeldungen beim Autofahren so wertvoll sind, erklärt Verkehrsexperte Kay Schulte vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR).
Umfragen zufolge halten sich über 80 Prozent der Autofahrenden für gut oder sehr gut. Wieso überschätzen sich so viele?
Kay Schulte: Weil wir beim Autofahren kaum Feedback bekommen. In anderen Lebensbereichen gibt es ständig Rückmeldungen – in der Schule, im Job, im Freundeskreis. Im Straßenverkehr dagegen fährt man meist allein. Und wenn es gut geht, fragt niemand nach dem „Warum“. So lernen wir nicht, unser eigenes Handeln zu hinterfragen. Wir erleben eine brenzlige Situation, sie geht gut aus – und das bestärkt uns in dem Gedanken: „Ich hab’s im Griff.“ Das ist der Nährboden für Selbstüberschätzung.
Selbstüberschätzung ist also ein Mangel an Selbstreflexion?
Genau. Ich spreche lieber von einem „fehlenden realistischen Risikobewusstsein“. Wir lernen selten, Fehler als Lernchance zu betrachten – vor allem, wenn sie keine Folgen hatten. Das gilt im Straßenverkehr ebenso wie im Arbeitsleben. Dabei wäre genau das wichtig: Situationen analysieren, in denen fast etwas passiert wäre. Denn daraus ließe sich am meisten für die Prävention lernen.
Wie hängt das mit Routine zusammen? Eine typische Bemerkung in diesem Kontext ist: „Ich fahre seit soundsovielen Jahren unfallfrei.“
Das höre ich oft in Trainings. Unfallfrei zu fahren, bedeutet aber nicht automatisch, ein guter Fahrer oder eine gute Fahrerin zu sein. Denn das können schlicht Glück, die Aufmerksamkeit anderer oder günstige Umstände gewesen sein. Routine ist ein zweischneidiges Schwert: Sie gibt Sicherheit, aber sie macht auch blind. Wer glaubt, alles zu können, unterschätzt Risiken – beim Autofahren genauso wie beim Pedelec. Plötzlich ist da Technik im Spiel, die man gar nicht richtig kennt.
Technik ist ein gutes Stichwort. Fördern Assistenzsysteme nicht gerade dieses falsche Sicherheitsgefühl?
Ja, das stimmt. Systeme wie Abstandsregeltempomat oder Totwinkelassistent sind nützlich – aber sie verführen uns dazu, Verantwortung abzugeben. Wenn ein System eingreift, ist dabei eigentlich ein Signal am wichtigsten: „Du hast einen Fehler gemacht.“ Doch das nehmen die meisten ganz anders wahr. Sie denken vielmehr: „Prima, das Auto hat’s geregelt.“ So entstehen Gewöhnungseffekte. Der eingestellte Abstand wird als „normal“ empfunden, auch wenn er zu gering ist. Technik ersetzt aber kein Nachdenken.
Was wäre eine gute Strategie, um dieses Bewusstsein zu fördern?
Feedback. Wir müssen wieder lernen, Rückmeldungen anzunehmen – und zu geben. Beim begleiteten Fahren ab 17 ist das wunderbar gelungen. Junge Menschen bekommen direkte Rückmeldungen: „Mir war das gerade zu schnell“ oder „Das an der Kreuzung war riskant“. Das Programm hat messbar Erfolg: Das Unfallrisiko der Teilnehmenden liegt rund 25 Prozent unter dem Durchschnitt. Leider wird das Modell noch zu wenig genutzt. Aber es ist ein gutes Beispiel dafür, wie stark Feedback wirkt.
Und wenn niemand im Auto sitzt, der mir zurückmeldet, wie ich fahre?
Dann empfehle ich unser Eco-Safety-Training, das im Arbeits- oder Wohnumfeld der Teilnehmenden stattfindet und von einem Trainer oder einer Trainerin begleitet wird. Hier erleben sie ganz alltägliche Verkehrssituationen und erhalten individuelles Feedback von den Profis. Das schärft den Blick für Gewohnheiten, zeigt aber auch, wie sich Verkehrssituationen im Alltag sicherer gestalten lassen. Für viele ist das ein echtes Aha-Erlebnis. Zudem gibt es Fahrsicherheitstrainings, bei denen die Teilnehmenden die Kontrolle über ihr Fahrzeug auch in Extremsituationen trainieren können. In einer sicheren Umgeben und unter Aufsicht erfahrener Trainer oder Trainerinnen bereiten sie sich auf Gefahrensituationen vor. Beide Trainingsarten tragen dazu bei, Unfälle zu vermeiden, und werden von der BGHW gefördert.
Das Fazit könnte also lauten: Mehr Reflexion, mehr Rückmeldung – mehr Sicherheit im Straßenverkehr?
Ganz genau. Wir müssen wieder mehr miteinander reden – über das, was im Straßenverkehr passiert, auch wenn es „gut gegangen“ ist. Jedes Feedback, jede kritische Rückmeldung hilft, Risiken besser einzuschätzen. Denn Selbstüberschätzung entsteht dort, wo Feedback fehlt.
Fahrsicherheitstrainings
Der DVR hat gemeinsam mit den Berufsgenossenschaften verschiedene Sicherheitstrainings für Fahrer und Fahrerinnen von Kraftfahrzeugen entwickelt, die von der BGHW finanziell unterstützt werden. Mehr Infos finden Sie hier.
Pedelec-Fahrsicherheitstraining
Ihre Beschäftigten kommen regelmäßig mit dem Pedelec zu Arbeit? Sie stellen Job- oder Leasingräder zur Verfügung und wollen, dass Ihre Mitarbeitenden damit sicher unterwegs sind? Wir unterstützen Sie dabei – mit unserem Pedelec-Fahrsicherheitstraining!
Sicher in meiner Region
Das Seminarprogramm “Sicher in meiner Region – Regio Protect UVT” zur Erhöhung der Verkehrssicherheit besteht aus zwei Präsenzmodulen und einem flexiblen Onlinemodul. Ziel der Maßnahme ist, das besonders hohe Unfallrisiko junger Beschäftigter im Alter von 16 bis 29 Jahre abzusenken. Junge Menschen sollen ihre Kompetenzen in der Blickführung und entsprechende Beobachtungsstrategien ausbauen.
Alle Angebote der BGHW zur Verkehrssicherheit finden Sie hier.
Die Kampagne „komm gut an.“ ist eine Initiative der BGHW und des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR). Auf dem Kanal TikTok machen Azubis für Azubis die Verkehrssicherheit zum Thema. Ziel der Kampagne ist es, junge Menschen für die Gefahren im Verkehr auf den Straßen und im Betrieb zu sensibilisieren und die sichere Mobilität in der Berufsausbildung zu fördern. Zudem bietet sie Verantwortlichen aus den BGHW-Mitgliedsunternehmen Informationen, Seminare und Handlungshilfen zum Thema.
Zum TikTok-Kanal @komm.gut.an
BGHW-Angebote zur Gestaltung sicherer Mobilität in der Berufsausbildung
Hintergrund zur Kampagne „komm.gut.an“
Hundert Prozent: BGHW-Kampagne zweifach ausgezeichnet


Die EN 17860 schafft erstmals europaweite Sicherheitsstandards für Lastenräder. Experte Ernst Brust erklärt, was sie für Unternehmen bedeutet.
Mehr Lastenräder, mehr Unfälle: Eine BGHW-Analyse zeigt Risiken. Die neue EU-Norm EN 17860 sorgt jetzt für klare Sicherheitsstandards – besonders im Betrieb.
Warnkleidung ist einer der wichtigsten Bestandteile der persönlichen Schutzausrüstung. Doch was macht gute Warnkleidung wirklich aus?
Wenn es um Gesundheit, Ernährung und mentale Stärke geht, ticken Musiker und Fußballprofis erstaunlich ähnlich. Was können Beschäftigte und Führungskräfte von ihnen lernen?
Das Betriebliche Gesundheitsmanagement bietet auch ökologisch viele Stellschrauben, um als Unternehmen vorausschauend zu agieren.

Beim Unternehmen Alexander Bürkle setzt Gesundheitsmanagerin Lea Gärtner auf ganzheitliches Gesundheitsmanagement – gemeinsam mit Arbeitssicherheit und Personal.
Wir freuen uns auf Ihre Anfrage!
E-Mail:
hundertprozent(at)bghw.de