Ein Thermometer ragt in den sonnigen Himmel. Es zeigt 34 Grad Celsius an.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Heiße Tage – Hitzeschutz!

Wenn die Hitze zuschlägt, ist Gefahr im Verzug. Sie belastet das Herz-Kreislauf-System, macht schlapp und kann zu Unfällen auf der Arbeit und auf dem Arbeitsweg führen. Außerdem drohen Sonnenstich, Hitzeerschöpfung und lebensgefährlicher Hitzschlag, wenn Schutzmaßnahmen nicht oder zu spät ergriffen werden. „Cool down“ lautet die Devise!

Das Wichtigste im Überblick

  • Bedingt durch den Klimawandel, zählt Hitze zu den großen Gesundheitsgefahren – vor allem auch für Menschen, die im Freien arbeiten.
  • Hitze beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und die Reaktionsgeschwindigkeit, was sich auf das Unfallrisiko im Straßenverkehr und bei der Arbeit auswirkt.
  • Wie verhält man sich bei Hitze, was können Arbeitgeber und Beschäftige tun? Wir geben Tipps!
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Wieviel Hitze verträgt der Mensch?

Dr. Peter Schiefen ist Facharzt für innere Medizin und Arbeitsmediziner bei der BGHW.

Durch den Klimawandel gibt es immer mehr Extremwetterereignisse, zu denen auch Hitzewellen zählen. Hitzewellen gefährden die Gesundheit, weil der Körper nicht nur am Tag, sondern meist auch in der Nacht von der übermäßigen Wärme belastet wird. „Unser Körper verträgt Hitze nur begrenzt, da er seine Körperkerntemperatur von circa 37 Grad Celsius aufrechterhalten muss. Je höher die Temperatur über diesen Wert steigt, desto kritischer wird es für die Gesundheit“, sagt Dr. Peter Schiefen, Arbeitsmediziner bei der BGHW. 

Wer ist besonders gefährdet? 

Hitzebeschwerden können prinzipiell jeden treffen. Ältere, Säuglinge, Kinder und Schwangere, chronisch Erkrankte sowie über- und untergewichtige Menschen sind besonders gefährdet, weil sie Probleme mit der Wärmeregulation haben. Ebenfalls sind es Menschen, die im Freien arbeiten, körperlich anstrengende Arbeit verrichten oder Sport treiben. „Hohe Temperaturen sind vor allem für das das Herz-Kreislauf-System belastend. Die gesundheitlichen Auswirkungen können von Hitzeerschöpfung bis hin zum tödlichen Hitzschlag reichen – vor allem, wenn zu wenig getrunken wird und die Möglichkeit fehlt, sich abzukühlen“, warnt Schiefen. 

Gefährliche Schwüle

Hohe Luftfeuchtigkeit macht Hitze noch gefährlicher. Denn bei schwüler Luft kann der Schweiß auf der Haut kaum verdunsten. Doch diese Verdunstung ist nötig, um den Körper zu kühlen. Somit steigt die Körpertemperatur bei Schwüle schneller an und es kommt zum Wärmestau. Das Umweltbundesamt nennt in seinem „Hitzeknigge“ folgende Symptome, die auf einen Hitzschlag hinweisen: Erbrechen, plötzliche Verwirrtheit, Bewusstseinstrübung, Bewusstlosigkeit, sehr hohe Köpertemperatur (über 39 °Celsius), Krampfanfall, Kreislaufschock und heftige Kopfschmerzen. Wichtig zu wissen: Ein Hitzschlag ist ein medizinischer Notfall – sofort den Rettungsdienst rufen (112) und Erste-Hilfe- Maßnahmen einleiten!

Mehr heiße Tage

Der Deutsche Wetterdienst erfasste im Jahr 2025 bundesweit durchschnittlich 43 Sommertage mit Höchsttemperaturen über 25 Grad Celsius sowie 11 heiße Tage mit über 30 Grad Celsius. Durch das Temperaturplus der vergangenen Jahre werde Deutschland nach Angaben der Behörde mit mehr Hitzewellen konfrontiert. Dabei können auch hierzulande vereinzelt Tage mit Temperaturspitzen von bis zu 40 Grad Celsius auftreten. Den bundesweiten Spitzenwert im Jahr 2025 meldete Andernach in Rheinland-Pfalz mit 39,3 Grad Celsius. Auch das Robert Koch Institut weist darauf hin, dass in Deutschland aufgrund des Klimawandels eine Zunahme von Hitze in den nächsten Jahrzehnten zu erwarten sei – mit Folgen für die menschliche Gesundheit und das Wohlbefinden.

Wie macht die Hitze den Menschen zu schaffen?

Laut dem DAK-Hitzereport 2025 

  • hatten 26 Prozent der Menschen in Deutschland bereits Anfang Juli Gesundheitsprobleme durch Hitze.
  • Mit 37 Prozent klagten Frauen mehr als doppelt so häufig über Gesundheitsprobleme wie Männer (15 Prozent).
  • Die betroffenen Befragten wurden vor allem durch Abgeschlagenheit und Müdigkeit (69 Prozent), Kreislaufprobleme (68 Prozent) und Schlafstörungen (59 Prozent) belastet. Beklagt wurden auch Kopfschmerzen (50 Prozent) und Schwindel (33 Prozent).
  • Von denjenigen mit Hitzebeschwerden mussten fünf Prozent eine Arztpraxis aufsuchen, weitere 12 Prozent gaben an, sie hätten auf einen Praxisbesuch verzichtet, wären aber besser zum Arzt oder zur Ärztin gegangen.

(Quelle: DAK Hitzereport 2025/forsa)

Himmel mit Wolken und Sonne, die blendet

Gesundheit in Gefahr – bei der Arbeit schützen

Die gesundheitlichen Auswirkungen betreffen auch die Arbeitsplätze in Deutschland. „Hitzestress beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und die Reaktionsgeschwindigkeit. Viele Menschen fühlen sich erschöpft. Das wiederum kann zu Fehlern führen und sich auf das Unfallrisiko auswirken, zum Beispiel im Straßenverkehr oder bei der Bedienung von Maschinen“, erklärt Schiefen.

Laut dem DGUV-Barometer Arbeitswelt 2026, einer repräsentativen Befragung unter Erwerbstätigen, sagen 13 Prozent der Befragten aus dem Handel und 26 Prozent aus dem Bereich Verkehr und Lagerei, dass Hitze neben Kälte zu den Faktoren zählt, die das Unfallrisiko am eigenen Arbeitsplatz erhöht. Eine statistische Analyse der gesetzlichen Unfallversicherung belegt den Zusammenhang zwischen Temperatur und Unfallhäufigkeit: So nahmen die Arbeitsunfälle ab einer Tageshöchsttemperatur von 30 Grad um etwa 7 Prozent zu im Vergleich zu mittleren Außentemperaturen zwischen 10 °C und 15 °C. Bei den Wegeunfällen wurden bei derartiger Hitze sogar eine Zunahme um 12 Prozent beobachtet.

Heiße Tage – kühlen Kopf bewahren

Mit einfachen Maßnahmen kann viel in Sachen Hitzeschutz erreicht werden. Eng verbunden damit ist auch das Thema UV-Schutz, um Haut und Augen vor den schädlichen Auswirkungen der Sonne zu bewahren. Aufklärung und rechtzeitige Prävention sind für Unternehmen und ihre Beschäftigte wichtig. Dabei gilt es, auch die Auszubildenden im Blick zu haben. Denn besonders bei jungen Menschen besteht die Gefahr, dass sie ihre Kräfte und Belastungsgrenzen überschätzen. Hitzeschutz erfordert sowohl betriebliche Fürsorge als auch Eigenverantwortung der Beschäftigten.

  • Hitzeschutzmaßnahmen – das sollten Unternehmen beachten
    Ein Fenster mit einer Außenjalousie, dazu Sonnenstrahlen
    Auch in Innenräumen kann es im Sommer sehr heiß werden - Jalousien machen das Arbeiten erträglicher.
    • Hitze- und UV-Belastung in der Gefährdungsbeurteilung berücksichtigen und Schutzmaßnahmen gemäß dem STOP-Prinzip festlegen. Amtliche Hitzewarnungen beachten!
       
    • Betriebsärztlichen Rat bei der Festlegung von Maßnahmen einholen – vor allem auch im Hinblick auf besonders gefährdeten Personen wie Schwangere oder Vorerkrankte.
       
    • Draußen Verschattungseinrichtungen wie Überdachungen, Sonnensegel, Sonnenschirme oder Wetterzelte (z.B. für Baustellen) installieren.
       
    • In Innenräumen Fenster mit Sonnenschutzvorrichtungen (z.B. Jalousien) versehen sowie Klimaanlagen oder Ventilatoren nutzen – Hinweise enthält die Arbeitsstättenregel ASR A3.5 "Raumtemperatur".
       
    • Arbeitszeit und Arbeitsintensität an die Hitzebelastung anpassen, z.B. schwere körperliche Arbeiten in die frühen Morgenstunden verlegen.
       
      • Genügend Pausen ermöglichen – im Schatten und in klimatisierten Innenräumen.
         
      • Trinkwasser am Arbeitsplatz zur Verfügung stellen.
         
      • Bekleidungsvorschriften lockern, sofern möglich.
         
      • Hitze zum Gesprächsthema machen: Beschäftigte in Bezug auf Gefährdungen und Schutzmaßnahmen unterweisen. Diese sensibilisieren, auf Anzeichen von Hitzeerkrankungen (Sonnenstich, Hitzeerschöpfung, lebensbedrohlicher Hitzschlag) bei sich und anderen im Betrieb zu achten.
         
      • Erste-Hilfe-Wissen zu Hitzeerkrankungen vermitteln: Was muss ich im Notfall tun? Hinweise enthält die Infokarte: Erste Hilfe - Akute Hitzeerkrankungen.
  • Hitzeschutzmaßnahmen – das sollten Beschäftige beachten
    Eine Frau Trinkt bei Hitze aus einer Wasserflasche mit Zitronenscheiben
    Bei Hitze: Trinken nicht vergessen und eine Flasche Wasser immer griffbereit haben!
    • Bei Hitze viel – über den Tag verteilt – trinken, am besten Mineral- oder Leitungswasser. Je schwerer die Arbeit, desto mehr Flüssigkeit ist erforderlich. Wichtig: Trinken, bevor Durst entsteht und auch unterwegs immer genügend Wasser vorrätig haben (z.B. bei Stau)!
       
    • Mehrere kleine, leichte Mahlzeiten zu sich nehmen – mit viel Obst, Gemüse, Salat. Denn: Die Verdauung von schwerer Kost kurbelt die Wärmeproduktion noch mehr an. 
       
    • Luftige Kleidung aus atmungsaktiven Materialien (Baumwolle, Leinen, Seide) tragen, sofern möglich. Eine Kopfbedeckung mit Nacken und Ohrenschutz tragen, denn das Gehirn reagiert besonders empfindlich auf Hitze (Sonnenstich!).
       
    • Überanstrengung vermeiden und Pausen in kühlen Räumen oder im Schatten verbringen.
       
    • Bei hitzebedingten Kreislaufbeschwerden wie Schwindel, Übelkeit, Kopfschmerzen oder Schwächeanfall: Nicht weiterarbeiten und kühlere Umgebung (Räume, Schatten) aufsuchen! Ausruhen, Wasser trinken und bei Bedarf Stirn und Nacken mit feuchten Tüchern kühlen. Kolleginnen und Kollegen bzw. Vorgesetzte informieren, die sich um Erste Hilfe kümmern. 
       
    • Aufeinander achten und bei starken Beschwerden bzw. Anzeichen eines Hitzschlags umgehend den Rettungsdienst (112) alarmieren.

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