Von links: Die prämierten Ersthelfer Markus Müller, Fabian Werner, Patrick Werner und Jürgen Walter stehen in der Produktionshalle der Genossenschaft Durbacher Winzer und sehen in die Kamera.
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Vorbildliche Ersthilfe in der Winzerei

Bei einem Arbeitsunfall wäre Marco Petrany, Weinbautechniker bei der Genossenschaft Durbacher Winzer, fast erblindet. Nur durch das schnelle Eingreifen seiner Kollegen konnte das Augenlicht des 32-Jährigen gerettet werden. Für diese vorbildliche Leistung wurden die Ersthelfer und das Unternehmen von der BGHW ausgezeichnet.

 

Das Wichtigste im Überblick:

  • Beim Reinigen einer Pasteurisierungsanlage spritzte einem Mitarbeiter der Genossenschaft Durbacher Winzer Natronlauge ins Gesicht. Sein Augenlicht war in Gefahr.
  • Vier Ersthelfer handelten schnellbesonnen und effizient.
  • Die BGHW verlieh den vier Ersthelfern Urkunden und einen Geldpreis. Das Unternehmen erhielt eine Urkunde für seine vorbildliche Organisation der Erste-Hilfe-Maßnahmen.
  • Der Verunfallte kann mittlerweile ohne Einschränkungen wieder ein ganz normales Leben führen.

     

 

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Notfall in Durbach

Der Kundeneingang der Genossenschaft Durbacher Winzer.
Die Genossenschaft Durbacher Winzer wird regelmäßig für ihre Weine ausgezeichnet. Am 20. Februar 2025 kam es zu einer gänzlich anderen Art von Auszeichnung.

Eingebettet zwischen steilen Weinbergen leben knapp 4.000 Einwohner in der malerischen Schwarzwald-Gemeinde Durbach. Eine von zahlreichen Winzereien in der Gegend ist die Genossenschaft Durbacher Winzer, die aktuell 46 Mitarbeitende beschäftigt. Das Unternehmen erlebte am 4. Oktober 2024 eine Nacht, die allen Beteiligten in Erinnerung bleiben wird. Marco Petrany hatte gerade erst seine Nachtschicht im Weinkeller angetreten, als er bei der Reinigung einer Pasteurisierungsanlage verunglückte. Er schrie um Hilfe. Sein Kollege Markus Müller eilte sofort an den Unfallort: „Obwohl Marco ein Visier trug, war in sein Gesicht Natronlauge gespritzt. Er hatte starke Schmerzen und konnte kaum etwas sehen.“ An einem Waschbecken spülte Müller sofort Petranys Kopf und Augen. Drei weitere Kollegen unterstützten bei der Erstversorgung. Abwechselnd spülten die vier ausgebildeten Ersthelfer Petranys Augen aus, entfernten seine laugenbenetzte Kleidung und setzen ihn in ein Wasserbad. Dort blieb Petrany solange sitzen, bis der Rettungswagen kam und ihn ins Krankenhaus in Offenburg brachte.

Glück im Unglück

Ersthelfer Markus Müller zeigt eine Augenspüldusche in einer Wandhalterung.
Als Markus Müller die Ersthilfe einleitete, griff er sich eine Augenspüldusche aus dieser Wandvorrichtung.

Stephan Danner war zum Zeitpunkt des Unfalls nicht im Unternehmen. „Morgens um kurz vor fünf hat mein Handy geklingelt“, erzählt der geschäftsführende Vorstand der Genossenschaft. „Ich war in 20 Sekunden wach und bin sofort in den Betrieb gefahren. Als ich ankam, war Marco bereits unterwegs in Krankenhaus. Obwohl wir einen solchen Fall noch nicht hatten, haben die Jungs schnell und effizient gehandelt. Ich bin sehr stolz auf sie.“ Wie es genau zum Unfall kam, ließ sich im Nachhinein nicht mehr rekonstruieren. Einige Tage später besuchten die vier Ersthelfer den Verunfallten in der BG Klinik in Ludwigshafen. Marco Petrany konnte immer noch nicht richtig sehen, sein Gesicht war vom Unfall gezeichnet. Wie es weitergehen würde, war unklar. Das hat sich glücklicherweise geändert. „Heute funktioniert sein Augenlicht wieder ohne Einschränkungen und man sieht ihm nichts mehr an. Einer seiner Ärzte sagte, Marcos Selbstheilungskräfte würden an ein Wunder grenzen“, erzählt Ersthelfer Jürgen Walter. 

 

Top-Organisation

Claudia Faber (links) und Patrick Fichtinger (rechts) von der BGHW überreichen Stephan Danner die Auszeichnung für die Erste-Hilfe-Organisation bei der Genossenschaft Durbacher Winzer.
Claudia Faber (links) und Patrick Fichtinger (rechts) von der BGHW überreichen Stephan Danner die Auszeichnung für die Erste-Hilfe-Organisation in seinem Unternehmen.

Kurz nach dem Unfall erfuhr Patrick Fichtinger, Aufsichtsperson der BGHW, von Marco Petranys Arbeitsunfall. „Durch die vorbildliche Reaktion der Ersthelfer war für mich klar: Ihr Handeln muss belohnt werden. Dezernatsleiter Dr. Michael Charissé schlug vor, auch das Unternehmen auszuzeichnen.“ Claudia Faber, Referentin für Anreizsysteme bei der BGHW, sagt: „Es waren mehrere Augenspülflaschen vorhanden und ausgebildete Ersthelfer vor Ort. Das Sicherheitsdatenblatt und die Betriebsanweisung waren griffbereit. Die Meldekette hat vorbildlich funktioniert. Das hat den Ersthelfern und dem Rettungsdienst sehr geholfen. Es ist der sehr guten Organisation des Betriebes zu verdanken, dass nicht mehr passiert ist.“

Um einen ähnlichen Fall in der Zukunft zu vermeiden, leitete die Winzerei verschiedene Maßnahmen ein. Unter anderem dürfen die Mitarbeitenden bei der Reinigung von Pasteurisierungsanlagen nicht mehr allein im Raum sein. Am Tank der Anlagen wurde ein Schutzdeckel angebracht, die PSA überarbeitet. Und die Sicherheitsunterweisung zielt jetzt darauf ab, Unfälle wie den vom 4. Oktober zu vermeiden. Wenig überraschend sagt Patrick Fichtinger: „Die Auszeichnung hat sich das Unternehmen auch wegen der vorbildlichen Arbeit verdient, die nach dem Unfall passiert ist.“

Ein gutes Ende

Die prämierten Ersthelfer aus der Genossenschaft Durbacher Winzer zeigen ihre Auszeichnungen.
Die Ersthelfer Jürgen Walter, Patrick Werner, Markus Müller und Fabian Werner mit ihren Urkunden (von links).

Am 20. Februar besuchten Claudia Faber und Patrick Fichtinger die Winzerei und überreichten die Urkunden. Stephan Danner lobt die gute Zusammenarbeit mit der BGHW und sagt: „In einer Winzerei gibt es verschiedene Gefahrenquellen. Wir nehmen das Thema Arbeitsschutz ausgesprochen ernst. Die Ehrung durch die BGHW ist ein toller Beleg.“ Marco Petrany war am Tag der Auszeichnung nicht dabei. Bereits vor seinem Unfall hatte er sich entschieden, den Job zu wechseln. Obwohl er nun in einer anderen Branche arbeitet, ist der Kontakt zu den Ex-Kollegen nicht abgebrochen. „Wir sind alle in der Region verwurzelt. Hier kennt jeder jeden. Einige von uns sind auch privat mit Marco befreundet“, erzählt Ersthelfer Fabian Werner. Stephan Danner unterstreicht das gute Verhältnis: „Zu Anlässen wie dem jährlichen Weinfest oder dem Weihnachtsmarkt wird Marco auch zukünftig mithelfen. Er bleibt einer von uns.“ Bei aller Freude über die Auszeichnungen bringt Fabian Werner das Wesentliche der Aktion auf den Punkt: „Marco kann heute beruflich und privat ein Leben ohne Einschränkungen führen. Das ist das Allerwichtigste!“

 

Auszeichnung durch die BGHW

Wenn jemand aus den BGHW-Mitgliedsunternehmen Erste Hilfe geleistet hat oder sich durch besondere Verdienste bei der Rettung von Personen aus einer Gefahr hervorgetan hat, ist das der BGHW eine Belohnung wert. Melden Sie sich mit Ihrer außergewöhnlichen Rettungsgeschichte bei der zuständigen Aufsichtsperson oder bei Ihrem Präventionsberater oder Ihrer Präventionsberaterin. Nach positiver Prüfung des Falls erhält der Retter oder die Retterin eine Urkunde sowie eine Geldprämie.

Kontakt: Bei Fragen zum Thema können Sie sich gerne an Claudia Faber, Referentin Anreizsysteme, wenden.

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