„Gehörlose und Menschen mit Gehörbeeinträchtigung haben ein eigenes Selbstverständnis. Sie bewegen sich in einer eigenen Kultur mit eigenen Ritualen. Das Nicht-Wahrnehmen der äußeren Geräusche stresst, macht müde und ist anstrengend. Gehörlose müssen viel schauen und sehr aufmerksam sein.“
Alexander Zimpelmann, Bundestrainer der Deutschen Gehörlosen-Nationalmannschaft, die im Mai 2024 in der „European Deaf Handball Championship“ Vize-Europameister wurde, zog die Gäste in der Para-Sport-Lounge NRW in seinen Bann.
„Für Menschen mit Gehör-Beeinträchtigung ist Sport besonders wichtig, auch, weil er Menschen zusammenbringt“, betonte der Handballsportler, der seit 2017 Trainer des deutschen Nationalteams ist und mit seinem Team inzwischen auf zahlreiche Erfolge blicken kann.
Anschaulich beschrieb der BGHW-Mitarbeiter die Herausforderungen des Alltags und des Handballsports gehörloser und hörbeeinträchtigter Menschen und die Visionen des Deutschen Gehörlosen-Sportverbandes (DGSV). Dieser wurde übrigens 1910 als Verband Deutscher Taubstummen-Vereine für Leibesübungen in Köln gegründet.
„Heute zählt der Verband knapp 8000 Mitglieder und umfasst alle Sparten des Deutschen Gehörlosensportes. Doch unser Verband muss noch bekannter werden. Wir müssen sichtbarer werden, auch um eine gerechte Förderung unserer Sportarten zu erzielen“, so Zimpelmann, der selbst hochgradig schwerhörig ist. „Ich höre noch ein paar Töne, eher dunkle als hohe Töne“, schilderte er. Vogelgezwitscher könne er deswegen nicht hören. Wichtig für die Kommunikation sei das Lippenbild des Menschen gegenüber, um Lippen lesen und gut wahrnehmen zu können, machte der Fachmann deutlich. Als Außenstehender könne man erst mal nicht wissen, dass ein Mensch hörbehindert sei. Dazu müsse die Person beitragen, indem sie sich offenbare, so Zimpelmann.
„Und wie vermittelst du den Handballspielern im Time-out Tipps und Hinweise?“ Die Frage der interessierten Gäste beantwortete Zimpelmann gerne. „Anfangs mussten wir feststellen, dass sich während der Spiele die Kommunikation von der Trainerbank zu den Spielern nicht einfach gestaltete“, gestand er.
Da könne man nicht einfach auf dem Feld direkt mit dem Athleten reden, sondern müsse von der Trainerbank außenstehend versuchen, zu unterstützen. „Wir haben drei Trainer, sprechen in einer mit den Athleten vereinbarten Gebärdensprache, aber auch mit Lautsprache. Wir zeigen Texttafeln, auf denen wir Hilfestellung mit Hinweisen und Eigenschaften formulieren, wie zum Beispiel ‚schnell nach hinten laufen! Umdrehen!‘ und vieles mehr.
Während meiner Traineransprache und dem Zeigen einer schriftlich verfassten Tafel, bereitet mein Kollege ein Taktikboard zum Ende des Time-outs vor. Das läuft gut und der Erfolg gibt uns recht“, so der engagierte Handball-Profi.
Mit Interesse hörten die Besucherinnen und Besucher, was viele nicht wussten: Gehörlose haben einen eigenen internationalen Wettbewerb. Anders als die Paralympics und Special Olympics, werden die Deaflympics von Betroffenen für Betroffene organisiert und durchgeführt. „Diese wurden – vor 100 Jahren – 1924 erstmals in Paris veranstaltet und sind erst seit 2001 vom IOC offiziell anerkannt“, erläuterte Zimpelmann, der innerhalb der BGHW-Vielfaltskampagne gemeinsam mit seinem Kollegen Mate Kvesic auf den BGHW-Social-Media-Kanälen Gebärdensprache erklärt.
Auch den Gästen in den Düsseldorfer Schadow-Arkaden vermittelte der 53-Jährige einen Gebärden-Gruß: Der weltweit gelebte Solidaritätsgruß aus dem Englischen setzt sich aus drei Buchstaben zusammen und wird an drei Fingern einer Hand signalisiert: ILY für I Love You (Ich liebe Dich).
„Dieses Handzeichen steht nicht nur als Liebeserklärung zwischen zwei Menschen, sondern auch für Sympathie und Solidaritätsbekundung“, erklärte der Trainer. Und diese Sympathiebekundung gaben die Gäste der Para-Sport-Lounge NRW Alexander Zimpelmann und den Vortragenden des BGHW-Thementages aus vollem Herzen zurück.