
Ehrenamtliche in der BGHW-Selbstverwaltung
Die Selbstverwaltung der BGHW braucht ehrenamtliche Mitglieder, die die Belange der Unternehmen und der Versicherten kennen. Heiko Klaas und Frank Stehn bringen ihre Erfahrung

Die Motivation, sich ehrenamtlich in der Selbstverwaltung der BGHW zu engagieren, ist ganz unterschiedlich. Kristina Kroß, Betriebsrätin bei Kaufland, und Rewe-Marktbesitzer Bernd Huber erzählen, wie sie zum Ehrenamt gekommen sind und warum sie davon überzeugt sind.
Zahlen sind nüchtern: Die Unfallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung listet für 2020 mehr als 900.000 meldepflichtige Unfälle auf. Für mehr als 17.600 wurden neue Unfallrenten bewilligt. Welche menschlichen Einzelschicksale stehen dahinter? Für die BGHW bekommen Kristina Kroß und Bernd Huber regelmäßig einen Einblick in das, was den Versicherten zum Beispiel bei Stürzen, der falschen Handhabung von Werkzeugen und Maschinen sowie bei Materialschäden alles passiert. Beide engagieren sich ehrenamtlich in der Selbstverwaltung der BGHW. Ihr Engagement ist vor allem in den Ausschüssen wie dem Renten- und Widerspruchsausschuss gefragt.
Kroß ist Betriebsratsvorsitzende bei Kaufland in Berlin-Neukölln und seit elf Jahren im BGHW-Ehrenamt aktiv. Damals arbeiteten sie bei Kaufland an einer Lösung für die intensive Belastung beim Abpacken der Paletten. Die BGHW befasste sich ebenfalls mit dem Thema und ehemalige Verdi-Fachbereichsvorsitzende gab ihr den Tipp, sich mit ihrer Praxiserfahrung ehrenamtlich bei der BGHW einzubringen. Dies und ihr ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, brachten sie 2011 zur Selbstverwaltung. Angefangen hat sie im Rentenausschuss: „Da habe ich häufig grausame Fälle mitbekommen, auch mit tödlichem Ausgang“, erzählt sie. Spannend fand sie, wie der Rentenausschuss jeden Fall Stück für Stück aufrollt. „Aus diesen Besprechungen habe ich einen sehr geschärften Blick für Gefahrensituationen mitgenommen und den Willen, aufzuklären“, sagt sie. Ob in ihrem Betrieb oder beim Austausch mit Betriebsratskolleginnen und -kollegen – sie sieht sich als Multiplikatorin und merkt, dass die Menschen aufmerksam zuhören und Interesse an sicherem und gesundem Arbeiten haben.
„Ich habe ein anderes Gefühl für Arbeitsunfälle bekommen und kann aufklären.“
Kristina Kroß ist seit 20 Jahren Betriebsrätin bei Kaufland Berlin-Neukölln und seit 16 Jahren Betriebsratsvorsitzende. Seit 2011 engagiert sie sich ehrenamtlich in der Selbstverwaltung. Zurzeit ist sie dort Mitglied im Vorstand und in verschiedenen Ausschüssen tätig.
Der selbstständige Unternehmer Bernd Huber leitet in Neckartenzlingen, in der ländlichen Region südlich von Stuttgart, einen Rewe-Markt. Vor seiner Selbstständigkeit hatte er kaum Berührungspunkte mit der BGHW und wenig Ahnung von deren Leistungen. Als er an einem Brandschutzhelferseminar teilnehmen sollte und erfuhr, dass das schon seit einem halben Jahr Pflicht war, ärgerte ihn das sehr. „Ich wollte einfach an der Quelle sitzen und direkt Bescheid wissen, wofür ich als Arbeitgeber verantwortlich bin“, begründet er seine Motivation für das Ehrenamt. „Außerdem wollte ich verstehen, wofür ich Mitgliedsbeiträge überweise.“
Nach fünf Jahren im Ehrenamt fühlt er sich seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegenüber noch verantwortlicher. „Wehe!“, heißt es bei mir jetzt immer, wenn ich sehe, dass sich meine Leute in Gefahr bringen, weil sie zum Beispiel einen Rollcontainer stoppen wollen, der von der Laderampe des Lkws zu stürzen droht.“ Denn auch ihn treffen die Schicksale sehr, von denen er im Rentenausschuss erfährt. Sicheres und gesundes Arbeiten seien ihm noch wichtiger geworden, weil er durch seine ehrenamtliche Tätigkeit die Hintergründe verstehe. Kroß und Huber finden auch die paritätische Arbeitsweise der Selbstverwaltung bereichernd. Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite sitzen an einem Tisch. „Das ist wichtig“, sagt Kristina Kroß. „Wir sind nicht immer einer Meinung, aber es ist gut, die Betrachtungsweisen der anderen Seite zu hören.“ Das bestätigt Huber: „Als Arbeitgeber entscheide ich viele Dinge unter dem Kostenaspekt. Ich habe mittlerweile viel Verständnis für die Perspektive der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entwickelt. Es ist gut, dass wir Kompromisse finden müssen.“
„Ich weiß jetzt, wofür ich Beiträge zahle und was ich davon habe.“
Bernd Huber ist seit 2012 selbstständiger Unternehmer mit einem Rewe-Markt in Neckartenzlingen und einem nahkauf-Markt in Denkendorf mit ca. 60 Angestellten. Seit 2017 engagiert er sich ehrenamtlich in der Selbstverwaltung, zurzeit ist er Mitglied in der Vertreterversammlung und in verschiedenen Ausschüssen tätig.

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