Stressmanagement lernen
Bevor der Begriff Resilienz aufkam, habe man von Stressmanagement gesprochen, erläutert Cosmar. Resilienztrainings unterscheiden sich aus ihrer Sicht daher auch nicht sehr von Seminaren für Stress-, Selbst- oder Krisenmanagement. „Hinter dem Resilienz-Begriff stehen viele Aspekte, die wir aus der Verhaltensprävention kennen“, sagt die Arbeitspsychologin. Resilienztrainings seien sinnvoll, da sie ein Problembewusstsein für das eigene Stressverhalten schaffen und einen Perspektivwechsel anstoßen können. Aber habe ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin tiefgreifendere Probleme, dann wirke ein solches Training zu punktuell und ein Coaching oder eine Psychotherapie sei erforderlich.
Arbeitsbedingungen haben Vorrang
Die Stressbeispiele von Supermarktkassiererin Natalja, Paketbote Mehmed und Lkw-Fahrer Dirk zeigten aber auch, so Cosmar, dass in solchen Situationen nicht nur die eigene Resilienzfähigkeit weiterhelfen könne. Entscheidend sei auch, wie die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen gestalte. „Im Arbeitsschutz gilt Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention“, stellt Cosmar fest. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber könnten Resilienztrainings anbieten, aber das entbinde sie nicht von der Pflicht, die Arbeitsbedingungen gesund und sicher zu gestalten. Und das werde in der Gefährdungsbeurteilung festgehalten, die gesetzlich verpflichtend sei.
Resilienz bleibt nicht immer gleich
Cosmar rät Unternehmen auch aus einem weiteren Grund, nicht nur auf den individuellen Faktor Resilienz zu setzen: Manche Mitarbeitende können viele Jahre unter hoher Belastung super Leistungen erbringen. Aber wenn plötzlich private Probleme, Krankheiten oder das Alter hinzukommen, verändert sich die Resilienzfähigkeit. Bislang leistungsfähige Beschäftigte brechen ein und stehen kurz vor dem Burnout. „Unternehmen sollten langfristig denken und im Austausch mit den Mitarbeitenden die Arbeitsbedingungen gesund gestalten.“