
Kleine Gesten – große Wirkung
Wie lässt sich Arbeitsschutz einfach und gewinnbringend in kleinen Betrieben umsetzen? Sicherheitsingenieur Stefan Ganzke weiß: Mit kleinen Gesten lässt sich viel bewirken.

Müssen wir unsere Resilienz stärken, um gut durch Krisenzeiten zu kommen? Was bedeutet Resilienz überhaupt, gerade mit Blick auf Prävention in der Arbeitswelt? Arbeitspsychologin Dr. Marlen Cosmar erläutert, was Beschäftigte und Unternehmen wissen sollten und dass uns vieles zu diesem Thema aus der Stressbewältigung bekannt ist.
Supermarktkassiererin Natalja S. ist nervlich angespannt: Der Tonfall der Kunden wird immer rauer. Paketbote Mehmed Ö. stöhnt innerlich: Seit ein paar Wochen sind viele Kollegen krank, er muss unter großem Zeitdruck immer mehr Pakete ausliefern. Und Lkw-Fahrer Dirk M. ist völlig von der Rolle: Sein Kollege hatte einen tödlichen Auffahrunfall, ein schwerer Schock für ihn.
Drei unterschiedliche Situation, die die Betroffenen stressen. Wie sie damit umgehen, hängt von ihrer Resilienz ab – von der Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen. Dazu Dr. Marlen Cosmar, Arbeitspsychologin am Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV in Dresden: „Im Arbeitsleben betrachten wir Resilienz in zwei verschiedenen Kontexten: Wie geht man mit alltäglichem Stress oder mit Stressspitzen bei der Arbeit um? Und wie verhält man sich in Krisensituationen, in einer konkreten Notfallsituation?“ Wer zum Beispiel eine optimistische Grundeinstellung hat, akzeptieren kann, dass Veränderungen zum Leben dazugehören, nach einer Lösung sucht statt im Problem zu verharren und gut für sich selbst sorgt, hat die Grundlage dafür, Stress- und Krisensituationen gut zu meistern. Er oder sie ist also resilient. Was machen Beschäftigte, die weniger resilient sind? Die Pessimistin? Der Zauderer? Könnte ihnen ein Resilienztraining weiterhelfen?
Der Begriff kommt aus dem Lateinischen von resilire „zurückspringen“, „abprallen“. Gemeint ist damit die psychische Widerstandskraft. Die Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen.
Bevor der Begriff Resilienz aufkam, habe man von Stressmanagement gesprochen, erläutert Cosmar. Resilienztrainings unterscheiden sich aus ihrer Sicht daher auch nicht sehr von Seminaren für Stress-, Selbst- oder Krisenmanagement. „Hinter dem Resilienz-Begriff stehen viele Aspekte, die wir aus der Verhaltensprävention kennen“, sagt die Arbeitspsychologin. Resilienztrainings seien sinnvoll, da sie ein Problembewusstsein für das eigene Stressverhalten schaffen und einen Perspektivwechsel anstoßen können. Aber habe ein Mitarbeiter oder eine Mitarbeiterin tiefgreifendere Probleme, dann wirke ein solches Training zu punktuell und ein Coaching oder eine Psychotherapie sei erforderlich.
Die Stressbeispiele von Supermarktkassiererin Natalja, Paketbote Mehmed und Lkw-Fahrer Dirk zeigten aber auch, so Cosmar, dass in solchen Situationen nicht nur die eigene Resilienzfähigkeit weiterhelfen könne. Entscheidend sei auch, wie die Arbeitgeberin oder der Arbeitgeber die Arbeitsbedingungen gestalte. „Im Arbeitsschutz gilt Verhältnisprävention vor Verhaltensprävention“, stellt Cosmar fest. Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber könnten Resilienztrainings anbieten, aber das entbinde sie nicht von der Pflicht, die Arbeitsbedingungen gesund und sicher zu gestalten. Und das werde in der Gefährdungsbeurteilung festgehalten, die gesetzlich verpflichtend sei.
Cosmar rät Unternehmen auch aus einem weiteren Grund, nicht nur auf den individuellen Faktor Resilienz zu setzen: Manche Mitarbeitende können viele Jahre unter hoher Belastung super Leistungen erbringen. Aber wenn plötzlich private Probleme, Krankheiten oder das Alter hinzukommen, verändert sich die Resilienzfähigkeit. Bislang leistungsfähige Beschäftigte brechen ein und stehen kurz vor dem Burnout. „Unternehmen sollten langfristig denken und im Austausch mit den Mitarbeitenden die Arbeitsbedingungen gesund gestalten.“
Dr. Marlen Cosmar ist Arbeitspsychologin am Institut für Arbeit und Gesundheit (IAG) der DGUV in Dresden. Sie beschäftigt sich unter anderem mit der Ermittlung psychischer Belastungen am Arbeitsplatz, Prävention und Umgang mit psychischen Erkrankungen bei der Arbeit, gesunder Führung sowie Muskel-Skelett-Erkrankungen. Das IAG hat ein E-Learning jeweils für Beschäftigte und Führungskräfte entwickelt. Finden Sie damit heraus, ob Sie an Ihrem Arbeitsplatz über- oder unterfordert sind.
* nach Dipl.-Psychologin Ursula Nuber, in Deutschland das Resilienzmodell
Resiliente Organisationen bewältigen Krisen, ohne daran zu zerbrechen. Die entscheidende Rolle kommt hierbei den Beschäftigten und Teams zu, die eine große Vielfalt an unterschiedlichen Verständnissen und Verhaltensweisen aufweisen. Der adäquate Umgang mit dieser Vielfalt ist der eigentliche Kern organisationaler Resilienz.
Die Resilienz einer Organisation entscheidet darüber, ob eine kritische Situation zu einer technologischen, wirtschaftlichen und sozialen Schwächung führt oder ob es der Organisation gelingt, gestärkt aus der Krise hervorzugehen.
Einer resilienten Organisation gelingt es, zwei zur Krisenbewältigung notwendige Eigenschaften auszubalancieren: den Reflex zur Verteidigung gegenüber zerstörerischen Einflüssen und die Fähigkeit zur Veränderung und Anpassung an sich verändernde Bedingungen.
Quellen: Trendsuche der DGUV; DGUV forum Organisationale Resilienz und Vielfalt

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