Illustration Frau zeigt Daumen hoch
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Gutes Klima für Arbeitsschutz

Ein gesundes Betriebsklima wirkt sich meistens positiv auf die Sicherheit und Gesundheit in einem Betrieb aus. Warum das so ist und warum sich deswegen die Beschäftigten noch mehr engagieren, weiß Sicherheitsingenieurin Anna Ganzke.

Serie: Arbeitsschutz beginnt im Kopf* – Gutes Klima für Arbeitsschutz

Das Wichtigste im Überblick

  1. Der Arbeitsschutz im Unternehmen wird durch ein positives Betriebsklima erhöht.
  2. Um das zu erreichen, muss eine ehrliche Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Führungskräften und Mitarbeitenden herrschen.
  3. Es müssen gemeinsam Organisationsstrukturen geschaffen werden, die das Betriebsklima verbessern.

*Die Serie Arbeitsschutz beginnt im Kopf bietet einen Überblick zu Themen wie Kommunikation, Verhalten und Gewohnheiten und viele praktische Tipps für alle, die etwas bewegen wollen.

Symbol für Zusammenfassung des nachfolgenden Seiteninhalts

Vor dem Schichtwechsel in der Getränkeabteilung eines kleinen Supermarktes will Max noch ein paar Fächer mit Fruchtsäften auffüllen. Eine Leiter hat er nicht griffbereit. Er schnappt sich eine Obstkiste, stellt sie passend vor das Regal, greift sich zwei Flaschen und steigt auf die Kiste, um das oberste Fach zu füllen. In diesem Augenblick taucht seine Vorgesetzte Michaela auf. „Max, warum machst du das? Wir hatten doch in unserer Teambesprechung zwei Regeln ausgemacht – keine Obst- und Getränkekisten mehr. Das hatten wir uns fest vorgenommen“, erinnert die Chefin mit bestimmendem Ton an die organisatorische Maßnahme, mit der das gemeinsames Ziel erreicht werden soll: Eine höhere Arbeitssicherheit im Unternehmen. Dafür gibt's einen Grund: Sie will nicht, dass sich eine Kollegin oder ein Kollege verletzt. Der Gesundheitsschutz ihrer Mitarbeiter  und das Thema Gesundheit generell liegen Michaela am Herzen.

„Als Vorgesetzte habe ich immer die Möglichkeit, Abläufe und Prozesse am Arbeitsplatz zu thematisieren. Das sollte ich auch tun. Denn damit signalisiere ich, dass mir die Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen wichtig ist“, erklärt die Expertin für Sicherheitskultur Anna Ganzke. Eine zielführende Frage an die Mitarbeitenden im Team sei immer wieder, warum sie bestimmte Dinge so und nicht anders ausführten. Das würde niemand als Vorwurf verstehen. Im Gegenteil: Diese Frage zeige Interesse und sei eine Chance, womöglich prozessuale Fehler zu entdecken und zu analysieren. „Außerdem signalisiere ich damit als Vorgesetzte den Arbeitnehmern, dass sie sich aktiv einbringen sollen“, sagt Ganzke, die viele Unternehmen zum Thema Arbeitssicherheit, Arbeitsschutz und Gesundheitsschutz berät.

Kommunikation am Arbeitsplatz

Die Beschäftigten im Unternehmen werden das aber nur dann tun, wenn ihnen die Vorgesetzten zuhören und ihre Meinung wertschätzen. Ein positives Betriebsklima am Arbeitsplatz bedeutet nämlich, offen und respektvoll zu kommunizieren. Das schafft die Voraussetzung dafür, dass Führungskräfte und Mitarbeitende gemeinsam Ideen und Prozesse entwickeln können, die den Arbeitsalltag einfacher, sicherer und gesünder gestalten sollen. Ein weiterer Effekt: Weil alle an diesem Prozess beteiligt sind, erzeugt das automatisch ein höheres Engagement der Beschäftigten – auch für einen besseren Arbeitsschutz.

Tipps von Anna Ganzke

Wie schafft man ein besseres Betriebsklima?

1. Ehrlich und authentisch bleiben
„Wichtig für ein gutes Betriebsklima ist, dass man auf Augenhöhe kommuniziert und dabei ehrlich und authentisch bleibt. Ehrlich gemeintes, regelmäßiges Feedback ist dafür unerlässlich. Bereits ein einfaches Kopfnicken reicht oftmals, ohne dass es aufgesetzt wirkt.“
2.  Organisationsstrukturen schaffen
„Führungskräfte und Mitarbeitende müssen gemeinsam Organisationsstrukturen schaffen, die das Betriebsklima verbessern. Das darf nicht nur von oben kommen. So wird den Mitarbeitenden Respekt und Wertschätzung gezeigt.“
3. Faire Bedingungen
„Neben solchen weichen Faktoren tragen selbstverständlich auch Dinge wie eine faire Bezahlung, geregelte Arbeitszeiten und eine passende Ausstattung wesentlich zu einem guten Betriebsklima bei.“

Michaela ermutigt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder dazu, ihr mitzuteilen, was gut im Laden läuft und was verbessert werden könnte. Eine offene Fehlerkultur ist ihr sehr wichtig. An einem runden Tisch zum Thema Arbeitsschutz betonte sie bereits: „Ihr könnt jederzeit zu mir kommen, wenn es etwas gibt.“

Unfallstatistik bestätigt Gefahr

Die am Textanfang geschilderte Szene ist Alltag in vielen Betrieben in Deutschland. Die Folgen sind keineswegs banal. Das zeigt ein Blick in die Unfallstatistik: Laut DGUV ereigneten sich 153.622 meldepflichtige Unfälle allein im Jahr 2020 durch Ausgleiten, Stolpern, Umknicken oder Hinfallen bei der Arbeit.

 Zurück zur Vorgesetzten Michaela. Ihr war schon häufig aufgefallen, dass ihre Mitarbeitenden Kisten als Leiter-Ersatz nutzen, obwohl man am runden Tisch vereinbart hatte, keine Obst- oder Getränkekisten mehr als Steighilfe zu nutzen. Aber nicht jeder hat sich daran gehalten. „Wir haben einfach zu wenig Leitern“, antwortet Azubi Emre auf ihre Frage, woran das denn liege. Sie müssten meistens gesucht und dann durch den ganzen Laden geschleppt werden. Keine optimalen Arbeitsbedingungen. Schließlich entwickelten sie im Team ein Konzept, das feste Standorte für die Leitern vorsieht. Damit hat die Suche endlich ein Ende. Außerdem bestellte Michaela zwei zusätzliche Steighilfen, um die Arbeitssicherheit zu erhöhen. Arbeitssicherheitsexpertin Ganzke lobt das gemeinsame Vorgehen: „Die Akzeptanz und das Engagement sind größer, wenn Veränderungen nicht nur von einer Führungskraft kommen, sondern von den Mitarbeitenden mitentwickelt wurden.“ 

Sicherheit zahlt sich aus

Als Michaela wieder im Laden unterwegs ist, sieht sie Max auf einer Leiter stehen. Er räumt gerade ein Regal ein. „Sehr gut, Max“, sagt sie und erntet dafür ein Lächeln. So haben die offenen Gespräche nicht nur das Betriebsklima positiv verändert, sondern auch den Arbeitsschutz verbessert. Sicherheit am Arbeitsplatz zahlt sich also aus: Wenn Beschäftigte als Menschen wertgeschätzt werden, erhöht das ihre Motivation, aktiv am Arbeitsschutz mitzuwirken. Das Engagement jedes und jeder Einzelnen trägt dazu bei, die Abläufe in der betrieblichen Praxis sicherer zu machen. Eine Stärkung des Wir-Gefühls geht damit einher. Davon profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber.

Unsere Expertin

Anna Ganzke ist studierte Sicherheitsingenieurin und Expertin für Sicherheitskultur und Sicherheitsbewusstsein. Mit ihrem Unternehmen WandelWerker in Wuppertal hilft sie Unternehmerinnen und Unternehmern, sich für den Arbeitsschutz und auch darüber hinaus zu engagieren und zu motivieren.

Porträt Anna Ganzke

Video: Sicherheitskultur positiv gestalten

Unsere Serie „Arbeitsschutz beginnt im Kopf“

  • Das symbolhafte Motiv zeigt eine motivierten Geste

    Kleine Gesten – große Wirkung

    Wie lässt sich Arbeitsschutz einfach und gewinnbringend in kleinen Betrieben umsetzen? Sicherheitsingenieur Stefan Ganzke weiß: Mit kleinen Gesten lässt sich viel bewirken. Davon profitieren Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Arbeitgeber.

  • Das Motiv zeigt ein symbolhaftes Bild. Zu sehen sind zwei Figuren mit Sprechblasen, die aufzeigen, dass es um das Thema Kommunikation mit Mitarbeitern geht.

    Gute Kommunikation lernen

    Wie lassen sich Mitarbeitergespräche oder Team-Meetings verbessern? Was kann ich tun, damit meine Botschaften ankommen und die Informationen von den Mitarbeitenden verstanden werden? Muss ich besser kommunizieren? Diese Fragen stellen sich viele Führungskräfte – in kleinen Betrieben und in großen Unternehmen. Stefan Ganzke, Experte für Sicherheitskultur und Kommunikation, kennt darauf Antworten mit Aha-Effekt!

  • Das Bild zeigt ein symbolhaftes Motiv, eine Frau mit erhobenen Händen

    Glaubenssätze im Arbeitsschutz

    Welche Bedeutung und Auswirkungen haben Glaubenssätze beim Thema Arbeitsschutz? Und was sind das überhaupt – Glaubensätze? In diesem Teil der Serie „Arbeitsschutz beginnt im Kopf“ erklärt Sicherheitsingenieur Stefan Ganzke was sie bedeuten und welche Erfahrungen er damit gemacht hat.

  • Bei der Einführung des Behavior Based Safety Ansatzes sollte man sich konkrete Situation vornehmen und im Team überlegen und festlegen, was man ändern möchte.

    Behavior Based Safety in der Praxis

    „Bei Behavior Based Safety geht es um systematische Anerkennung.“ Und damit um kollegiale Wertschätzung. Prof. Christoph Bördlein, Spezialist für verhaltensorientierte Arbeitssicherheit – in Fachkreisen auch Behavior Based Safety (BBS) genannt –, erläutert im zweiten Teil des Experteninterviews mit „HUNDERT PROZENT“, warum sich diese Aspekte positiv auf Arbeitsschutz und Sicherheit auswirken und wie sich die Methode in der Praxis anwenden lässt.

  • Frau mit Regenschirm geht beschwingt durch den Regen, Regenbogen am Horizont

    Resilienz – Arbeitsschutz beginnt im Kopf

    Sollten wir alle unsere Resilienz stärken, um gut durch ­Krisenzeiten zu kommen? Was bedeutet Resilienz überhaupt, gerade mit Blick auf Prävention in der Arbeitswelt? Arbeitspsychologin Dr. Marlen Cosmar erläutert, was Beschäftigte und Unternehmen wissen sollten.

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