Michaela ermutigt ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer wieder dazu, ihr mitzuteilen, was gut im Laden läuft und was verbessert werden könnte. Eine offene Fehlerkultur ist ihr sehr wichtig. An einem runden Tisch zum Thema Arbeitsschutz betonte sie bereits: „Ihr könnt jederzeit zu mir kommen, wenn es etwas gibt.“
Unfallstatistik bestätigt Gefahr
Die am Textanfang geschilderte Szene ist Alltag in vielen Betrieben in Deutschland. Die Folgen sind keineswegs banal. Das zeigt ein Blick in die Unfallstatistik: Laut DGUV ereigneten sich 153.622 meldepflichtige Unfälle allein im Jahr 2020 durch Ausgleiten, Stolpern, Umknicken oder Hinfallen bei der Arbeit.
Zurück zur Vorgesetzten Michaela. Ihr war schon häufig aufgefallen, dass ihre Mitarbeitenden Kisten als Leiter-Ersatz nutzen, obwohl man am runden Tisch vereinbart hatte, keine Obst- oder Getränkekisten mehr als Steighilfe zu nutzen. Aber nicht jeder hat sich daran gehalten. „Wir haben einfach zu wenig Leitern“, antwortet Azubi Emre auf ihre Frage, woran das denn liege. Sie müssten meistens gesucht und dann durch den ganzen Laden geschleppt werden. Keine optimalen Arbeitsbedingungen. Schließlich entwickelten sie im Team ein Konzept, das feste Standorte für die Leitern vorsieht. Damit hat die Suche endlich ein Ende. Außerdem bestellte Michaela zwei zusätzliche Steighilfen, um die Arbeitssicherheit zu erhöhen. Arbeitssicherheitsexpertin Ganzke lobt das gemeinsame Vorgehen: „Die Akzeptanz und das Engagement sind größer, wenn Veränderungen nicht nur von einer Führungskraft kommen, sondern von den Mitarbeitenden mitentwickelt wurden.“
Sicherheit zahlt sich aus
Als Michaela wieder im Laden unterwegs ist, sieht sie Max auf einer Leiter stehen. Er räumt gerade ein Regal ein. „Sehr gut, Max“, sagt sie und erntet dafür ein Lächeln. So haben die offenen Gespräche nicht nur das Betriebsklima positiv verändert, sondern auch den Arbeitsschutz verbessert. Sicherheit am Arbeitsplatz zahlt sich also aus: Wenn Beschäftigte als Menschen wertgeschätzt werden, erhöht das ihre Motivation, aktiv am Arbeitsschutz mitzuwirken. Das Engagement jedes und jeder Einzelnen trägt dazu bei, die Abläufe in der betrieblichen Praxis sicherer zu machen. Eine Stärkung des Wir-Gefühls geht damit einher. Davon profitieren Arbeitnehmer und Arbeitgeber.