Selbstgedreht: Ein Joint, Marke Eigenbau
Datum der Veröffentlichung: Lesezeit: 3 Minuten

Cannabis-Studie: Erste Ergebnisse und Fazit

„Bei täglichem oder mehrfach täglichem Hochkonsum von Cannabis sind eine Verkehrsteilnahme oder das Arbeiten in sicherheitskritischen Bereichen ausgeschlossen. Sie sollte erst nach einer längeren Abstinenz wieder in Erwägung gezogen werden.“ Diese und weitere Empfehlungen sprechen Experten nach der Auswertung des ersten Teils der BGHW-Studie „Cannabiskonsum in Logistik und Straßenverkehr“ aus. 

Das Wichtigste im Überblick

  • Der erste Teil der BGHW-Studie „Cannabiskonsum in Logistik und Straßenverkehr“ ist ausgewertet.
  • Gabelstaplerfahrende standen beim Auftakt des Forschungsprojektes im Fokus.
  • Mit Blick auf den Konsum von Cannabis geben Experten Empfehlungen zur Verkehrsteilnahme und zum Arbeiten in sicherheitskritischen Bereichen aus. 

Gabelstaplerfahrende im Fokus

Ein orangefarbener Basketball wird auf auf der Zinke eines Gabelstaplers geführt.
Geschicklichkeitstest, Teil 1, mit Ball und Stapler-Zinke

Der Auftakt des Forschungsprojektes konzentrierte sich auf Gabelstaplerfahrende. Professor Wolfgang Fastenmeier, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrspsychologie, sowie Professor Matthias Graw, Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Verkehrsmedizin, und Ulrich Süßner, BGHW-Referatsleiter Verkehrssicherheit und Transport, stellten die Ergebnisse nach Auswertung der medizinischen und toxikologischen Untersuchungen sowie der Fahraufgaben und psychologische Leistungstests vor. 


 

 

 

Ergebnisse: 

  • Pauschale THC-Grenzwerte können die tatsächliche Leistungsfähigkeit nicht ausreichend abbilden – es gibt keine eindeutige Konzentrations-Wirkungsbeziehung.
  • Der akute THC-Konsum bewirkt eine Stimmungsveränderung und beeinflusst die Koordination und Feinmotorik.
  • Die leistungsbezogene Risikobereitschaft erhöht die Leistungsgeschwindigkeit.
  • Eine erhöhte Cannabistoleranz wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus.
  • Eine höhere Beanspruchung wirkt sich negativ auf die Leistungsfähigkeit aus.
  • Die subjektive Einschätzung der verstärkten Wirkung von Cannabis hat einen positiven Einfluss auf die Leistungsgeschwindigkeit. Die Folge: Erhöhtes Aktivitätsniveau und höhere Risikobereitschaft mit größerer Fahrleistung, jedoch bei gleichzeitigem Anstieg von Fahrfehlern.

Fazit

  • Individuelle Aspekte, wie die subjektive Wirkung nach Cannabiskonsum, Motivation und situative Faktoren wie Müdigkeit und erlebte Beanspruchung spielen eine größere Rolle als die THC-Konzentration zur Beurteilung der Leistungsfähigkeit.
  • Die Anwendung pauschaler THC-Grenzwerte ist unzureichend: Sie bildet die tatsächliche Leistungsfähigkeit nur unbefriedigend ab. Zudem kann keine Konzentrations-Wirkungsbeziehung hinsichtlich der Leistungsfähigkeit etabliert werden.
  • Der aktuell geltende Grenzwert der Ordnungswidrigkeit von 3,5 ng/mL THC ist eine rein politische Festlegung ohne wissenschaftliche Grundlage.

Empfehlungen

  • Es ist notwendig, zwischen gelegentlichen und regelmäßigen Konsumenten zu unterscheiden.
  • Gelegentliche Konsumenten sind diejenigen, bei denen isolierte Konsumsituationen vorliegen und die nach einem Konsum eine Pause einlegen.
  • Bei gelegentlichem Konsum wird empfohlen, eine Wartezeit von einer Nacht bzw. acht Stunden nicht zu unterschreiten. Ein Konsum kurz vor oder während der Arbeit ist nicht zu tolerieren, da sicherheitsrelevante Beeinträchtigungen der Leistungsfähigkeit zu erwarten sind, unabhängig von der THC-Konzentration im Serum.
  • Ein regelmäßiger Konsum liegt vor, wenn an mehreren Tagen in der Woche ohne ausreichend lange Konsumpausen Cannabis eingenommen wird. Hier ist auch mehrere Tage nach dem Konsum mit einem positiven Nachweis zu rechnen.
  • Bei täglichem oder mehrfach täglichem Hochkonsum von Cannabis sind eine Verkehrsteilnahme oder das Arbeiten in sicherheitskritischen Bereichen ausgeschlossen.

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